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EZB-Präsident Mario Draghi (r.)

„Die Wahrscheinlichkeit einer Rezession bleibt gering.“

(Foto: Reuters)

Notenbank EZB prüft Linderung bei den Minuszinsen

Notenbankpräsident Draghi hält sich im Falle eines stärkeren Abschwungs alle Optionen offen. Den Banken empfiehlt er, ihre Kosten zu senken.
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FrankfurtGibt es eine Erleichterung für Banken bei den Minuszinsen? Die Frage interessiert nicht nur die Banken, sondern auch die Sparer. Denn je länger die Zinsen unter null bleiben, desto eher werden sie möglicherweise selbst auch zur Kasse gebeten.
Die Europäische Zentralbank (EZB) hat hierzu noch keinen Beschluss gefasst.

Aber ihr Präsident Mario Draghi berichtete nach der EZB-Ratssitzung am Mittwoch, die Notenbank werde prüfen, ob „die positiven Effekte negativer Zinsen eine Linderung etwaiger Nebeneffekte auf die Übertragung durch das Bankensystem“ erforderten. Damit kündigte Draghi offiziell an, was er zuvor schon angedeutet hatte.

Über Details wollte er sich nicht auslassen. Aber der scheidende EZB-Volkswirt Peter Praet hatte zuvor bereits von der Möglichkeit gesprochen, Banken einen gewissen Freibetrag einzuräumen, ab dem die negativen Zinsen erst zuschlagen.

Zurzeit zahlen Banken, die überschüssige Liquidität bei der EZB anlegen, ab dem ersten Euro 0,4 Prozent Zins dafür. Das betrifft besonders stark deutsche Institute, die hohe Liquiditätsüberschüsse haben. Immer wieder kritisieren sie daher die Minuszinsen.

Draghi empfahl allerdings den Banken erneut, ihre Kosten zu senken. Viele von ihnen hätten zu viel Personal und Zweigstellen und seien zu wenig digitalisiert – auch das trifft, ohne dass er es erwähnte, besonders auf einige deutsche Institute zu. „Es gibt Banken mit Kostenquoten von 80 oder 90 Prozent, die ihre niedrigen Gewinne auf die Minuszinsen schieben“, sagte er.

Die Wahrscheinlichkeit einer Rezession bleibt gering. Mario Draghi, EZB-Präsident

Draghi verwies darauf, die Banken im Euro-Raum seien zwar weniger rentabel als die amerikanischen, aber lägen gleichauf mit den japanischen und seien sogar besser dran als die britischen. Zugleich räumte der EZB-Präsident ein, dass die Wirkung von Minuszinsen sich verändere, je länger sie in Kraft blieben.

Ob tatsächlich ein „Tiering“, also eine Teilung des Zinssatzes, eingeführt wird, ist offen. Kritiker, auch in der EZB, fürchten, dass ein „Tiering“ ein Signal für dauerhafte niedrige Zinsen geben würde. Denn von Investoren könnte es so aufgefasst werden, als glaube die EZB nicht mehr daran, dass die Zinsen auf absehbare Zeit wieder erhöht werden.

Es könnte sogar so interpretiert werden, dass die EZB damit noch niedrigere Zinsen ermöglichen wolle. Auf die Frage, ob er solche Signale fürchte, antwortete Draghi ausweichend.

Schwache Inflation

In Japan und in der Schweiz ist ein solches Verfahren bereits ausprobiert worden, wobei sich die technischen Details unterscheiden. Möglich sind Modelle, die tendenziell Geldhäuser mit einem großen Einlagengeschäft begünstigen. In der Schweiz entspricht der Freibetrag dem 20-Fachen der Mindestreserve, den eine Bank bei der Notenbank halten muss.

Auf ihrer Sitzung im März hatte die Notenbank für die Banken im Euro-Raum bereits neue Langfristkredite beschlossen, die sie ab September auflegen will. Die genauen Konditionen dieser sogenannten TLTROs sollen „in einer der nächsten Sitzungen“ bekanntgegeben werden, sagte Draghi. Er verwies mehrfach darauf, dass im Juni die neuen Wachstums- und Inflationsprognosen der EZB erscheinen.

Letztlich hängen die Entscheidungen über beide Instrumente – Tiering und TLTRO – von der Entwicklung der Kreditvergabe durch die Banken und den wirtschaftlichen Aussichten ab.

Zuletzt hat sich nach Draghis Aussage die Kreditvergabe an Unternehmen abgeschwächt, was mit der langsamer wachsenden Wirtschaft zusammenhänge. Anders als noch im März rechnet er sogar mit einer vorübergehend sinkenden Inflation, wobei er betonte: „Die Wahrscheinlichkeit einer Rezession bleibt gering.“ Zugleich versprach er für den Fall eines Einbruchs: „Wir haben alle Instrumente parat.“

Nach wie vor belaste die Unsicherheit die Wirtschaft. Dazu gehören seiner Meinung nach auch mögliche US-Zölle auf europäische Waren.

Draghi betonte aber auch: „Wir halten daran fest, so schnell wie möglich unser Ziel einer Inflation von knapp zwei Prozent zu erreichen.“ Jens Weidmann und Klaas Knot, der deutsche und der niederländische Notenbankchef, hatten zuletzt betont, man müsse bei der Erreichung dieses Ziels geduldig sein.

Draghi sagte auch, die EZB werde für kürzere Zeiträume sogar eine höhere Inflation zulassen: „Die zwei Prozent sind kein Deckel.“ Damit will der EZB-Präsident möglicherweise verhindern, dass die Inflationserwartungen weiter einbrechen.

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1 Kommentar zu "Notenbank: EZB prüft Linderung bei den Minuszinsen"

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  • Die Banken vor allem in Deutschland werden überreguliert, sie müssen die hohen Kosten für externe Berater bezahlen, werden in ihrem Geschäft massiv eingeschränkt und zusätzlich wird Personal gebunden: Das Ergebnis ist ein riesiger bürokratischer Aufwand ohne wirklichen Nutzen, da die riskanten Geschäfte auf nicht regulierte Schattenbanken, Hedgefonds übertragen werden.
    Da ist eine Zinserleichterung nur der Tropfen auf dem heißen Stein - aber wenigstens mal ein kleiner Schritt in die richtige Richtung.

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