Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Notenbank Verbrechen und andere Kleinigkeiten

Hätte er sich beschieden, säße er jetzt nicht in der Zelle. In einer Zelle im fünften Stock des Mailänder Gefängnisses San Vittore. Der ehemalige Volksbankchef Gianpiero Fiorani sitzt seit Dienstagabend in Untersuchungshaft.
Italiens Notenbankchef Antonio Fazio steht vor großen Schwierigkeiten. Foto: AP

Italiens Notenbankchef Antonio Fazio steht vor großen Schwierigkeiten. Foto: AP

HB MAILAND. Und die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft gegen den ehemaligen Chef der Banca Popolare di Lodi – und führende Mitarbeiter – lesen sich wie ein Wirtschaftskrimi: Bildung einer kriminellen Vereinigung, Bestechung von Politikern beider Lager, Insiderhandel, Abräumen von Konten verstorbener Kunden.

Hätte er sich beschieden! Hätte der Banker aus dem Provinzstädtchen Lodi bei Mailand die Finger von der Banca Antonveneta gelassen. Die erhielt nämlich im Frühjahr ein Übernahmeangebot der niederländischen Bank ABN Amro. Fiorani legte eine Gegenofferte vor. Dies war ganz im Sinne seines Mentors, des Notenbankchefs Antonio Fazio, der den heimischen Bankenmarkt vor ausländischer Konkurrenz abschirmen wollte. Fiorani wollte ein großes Rad drehen und nannte seine Volksbank in Banca Popolare Italiana um. Fazio unterstützte seinen Freund Fiorani. Das belegte die Staatsanwaltschaft mit Telefonmitschnitten. Sie gipfelten in dem Ausspruch des Lodi-Chefs: „Tonino, Tonino, am liebsten würde ich Dir die Stirn küssen.“ Und gingen in die Bankgeschichte ein.

Hätte er geschwiegen! Denn erst mit dem Übernahmekampf um Antonveneta nahm die Staatsanwaltschaft Fiorani näher unter die Lupe und zapfte sein Telefon an. Wenig später kam heraus, dass die Volksbank in Lodi gar nicht über das nötige Kapital verfügte und er außerdem illegale Absprachen mit anderen Antonveneta-Aktionären getroffen hatte. Fiorani muss seinen Posten räumen, und ABN Amro kommt schließlich doch noch zum Zuge.

Und Fiorani kommt ins Gefängnis. San Vittore ist nicht irgendein italienisches Gefängnis. San Vittore im Herzen Mailands hat Symbolcharakter, ist bekannt für seine illustren Gäste. Hier landeten in der ersten Hälfte der 90er-Jahre italienische Wirtschaftsbosse und Politiker, die im Zuge des Schmiergeldskandals „Tangentopoli“ (angelehnt an den italienischen Begriff für „Entenhausen“, vielleicht mit „Schmiergeldhausen“ zu übersetzen) einsaßen. Hier nahm sich der in den Skandal verwickelte Präsident des Energie-Riesen Eni, Gabriele Cagliari, das Leben.

Nun haben sich die Tore von San Vittore hinter Gianpiero Fiorani geschlossen, und in Italien ist bereits von „Bancopoli“ die Rede. „Im Vergleich zu Tangentopoli hat sich nichts geändert. Im Gegenteil, das hier ist schlimmer“, kommentiert der ehemalige Star-Staatsanwalt und heutige Politiker Antonio Di Pietro, den Fall. Di Pietro hatte damals in der Aktion „Mani Pulite“ (Saubere Hände) viele Prominente hinter Gitter gebracht.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Seite 1234Alles auf einer Seite anzeigen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%