Offshore-Leaks-Affäre Deutsche Bank soll Steuerbetrügern geholfen haben

Die Offshore-Leaks-Daten setzen nicht nur bekannte Persönlichkeiten unter Druck. Auch die Banken geraten ins Visier. Sie sollen mögliche Straftaten begünstigt haben. Vorwürfe gibt es auch gegen die Deutsche Bank.
Update: 05.04.2013 - 01:22 Uhr
Mitarbeiter der Deutschen Bank sollen von Singapur aus Firmen in Steueroasen betreut haben. Quelle: dpa

Mitarbeiter der Deutschen Bank sollen von Singapur aus Firmen in Steueroasen betreut haben.

(Foto: dpa)

DüsseldorfNach zahlreichen Prominenten wie Gunter Sachs und Politikern gerät nun auch die Deutsche Bank in der Offshore-Leaks-Affäre in die Kritik. Deutschlands größtes Geldhaus soll dabei Steuerbetrügern geholfen haben. Nach Berichten des „NDR“ und der „Süddeutschen Zeitung“ hat die Bank im Auftrag von Kunden allein über ihre Niederlassung in Singapur 309 Firmen und Trusts in Steuerparadiesen gegründet. Damit hätte die Deutsche Bank der Verschleierung von Geldströmen Vorschub geleistet und mögliche Straftaten begünstigt, sagen Kritiker.

Der finanzpolitische Sprecher der Grünen, Gerhard Schick, kritisierte das Geschäftsmodell von Großbanken wie der Deutschen Bank gegenüber dem „NDR“: Die Wahrscheinlichkeit, dass Steueroasen „für etwas Illegales“ genutzt würden, sei „sehr groß“. Damit könnten etwa „Geldwäsche, Steuerhinterziehung und Korruptionsgelder“ verschleiert werden, sagte Schick dem Bericht zufolge.

Mehr als 100 Mitarbeiter der Deutschen Bank in Singapur sollen bis mindestens ins Jahr 2010 die Firmen in mehreren Steueroasen betreut haben. Schwerpunkt waren dabei die Britischen Jungferninseln, heißt es in dem Bericht. Das Geldhaus dementierte gegenüber dem „NDR“, Geldwäsche Vorschub zu leisten. „Die Deutsche Bank bietet weder Steuerberatung an noch eine Dienstleistung ,Firmengründung in Steueroasen'“, sagte ein Sprecher dem Rundfunksender.

Eine anonyme Quelle hat Medien in mehr als 30 Ländern nach Angaben des „NDR“ und der „SZ“ vertrauliche Informationen aus zehn Steueroasen zugespielt. Die insgesamt 2,5 Millionen Dokumente belegten, wie Reiche und Kriminelle diverse Briefkastenfirmen und sogenannte Trusts nutzten, um große Vermögen zu verstecken und zweifelhafte Geschäfte zu verschleiern. Genannt wird der Datensatz „Offshore-Leaks“.

Schwere Vorwürfe gegen Deutsche Bank

In dem Datensatz, der einen Umfang von 260 Gigabyte haben soll, werden den Berichten zufolge 130.000 Anleger aus mehr als 170 Ländern aufgelistet. Darunter seien Oligarchen, Waffenhändler und Finanzjongleure. Laut „SZ“ und „NDR“ finden sich in den Dokumenten auch Hunderte deutsche Fälle. Prominentester Fall ist der als „Playboy“ bekannt gewordene mittlerweile verstorbene Gunter Sachs.

Auch den Banken UBS und Clariden werde nach Auswertung der Daten vorgeworfen, einen enormen Aufwand betrieben zu haben, um das Geld ihrer Kunden über Tarnfirmen in den Steueroasen zu deponieren.

"Die Steuerhinterzieher müssen hart bestraft werden"

Doch die Banken verteidigen sich: „Es ist nicht richtig, die Banken hierfür an den Pranger zu stellen“, sagte der Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken, Andreas Schmitz, den Zeitungen der WAZ-Mediengruppe. „In erster Linie sind es Privatpersonen und Organisationen, die ihr Geld in den Steueroasen anlegen“, sagte Andreas Schmitz, Präsident des Verbandes, den Zeitungen der WAZ-Mediengruppe.

Geldinstitute könnten bei diesen Transaktionen die Steuerehrlichkeit der Kunden nicht überprüfen, weil ihnen die hoheitlichen Befugnisse dazu fehlten. Die europäischen Banken, auch die in der Schweiz und Luxemburg, setzten seit mehreren Jahren auf eine „klare Weißgeld-Strategie“.

Diese Prominenten lagern ihr Geld in Steueroasen
Employees of Sotheby's auctioneers adjust an portrait of German-born business man Sachs by late U.S. artist Warhol before an auction preview in Zurich
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Das Bild des verstorbenen Gunter Sachs bröckelt. Er soll zu den prominenten Fällen gehören, der sein Geld in Steueroasen anlegte. So soll ein Privatsekretär für ihn Briefkastenfirmen und Stiftungen gegründet haben, hinter denen der Ex-Mann von Brigitte Bardot stand. Nach Informationen der „Süddeutschen Zeitung“ stand davon allerdings nichts in seinen Steuererklärungen. Nach Angaben der Zeitung weisen die Nachlassverwalter die Vorwürfe aber zurück.

MARKUS WOLF
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Ein weiterer bekannter deutscher Name in den Daten: Franz Wolf, der Sohn des früheren Chef des Stasi-Auslandsnachrichtendienstes Markus Wolf (Bild). Laut „SZ“ soll er Geschäftsführer mehrerer Offshore-Konstrukte.

Michail Fridman
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Die Trusts, die Wolf leitet, gehören nach „SZ“-Informationen dem russischen Oligarchen Michail Fridman (Bild Mitte, mit dem damaligen russischen Präsidenten Boris Jelzin). Er gehört zu den Hauptgründern der russischen Alfa Group, die zu den größten Finanz- und Industriekonzernen Russlands zählt.

FILE PHOTO OF DENISE RICH PRESENTS BILL CLINTON WITH SAXAPHONE AT BENEFIT GALA IN NEW YORK
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Denise Rich (links) soll ihr Vermögen auf den Cookinseln gelagert haben. Ihr Name ist nach Angaben des „Guardian“ einer von 4.000 Amerikanern. Die frühere Songwriterin von Celine Dion und Jessica Simpson soll dort rund 144 Millionen Dollar und eine Yacht hingebracht haben. Schon ihr Ex-Mann, der Glencore-Gründer Marc Rich, wurde der Steuerhinterziehung bezichtigt. Er wurde allerdings von Ex-Präsident Bill Clinton begnadigt.

Imee Marcos
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Die Tochter des früheren philippinischen Präsidenten Ferdinand Marcos, Imee Marcos (Mitte), soll ihr Geld ebenfalls vor dem Fiskus versteckt haben. Sie ist als Investmentberaterin und Begünstige des Sintra Trust auf den Britischen Jungferninseln gelistet. In ihren Steuerunterlagen hat sie dies allerdings verschwiegen. Nach Angaben des „Philippine Center for Investigative Journalism“ wollen die Behörden nun herausfinden, ob das Geld etwas mit den fünf Milliarden Dollar zu tun hat, die der frühere Präsident durch Korruption erwirtschaftet haben soll. Seine Tochter ist inzwischen Gouverneurin der Provinz Ilocos Norte auf den Philippinen.

French President Hollande on France2
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Der Wahlkampfleiter des französischen Präsidenten Francois Hollande (Bild) ist ebenfalls in den Dokumenten zu finden. Jean-Jacques Augier hat demnach zwei Briefkastenfirmen auf den Cayman-Inseln. Laut „SZ“ bestreitet er aber illegale Tätigkeiten. Die Zeitung zitiert Augier mit den Worten, er habe „weder ein Konto auf den Caymans noch direkt dort investiert“.

Former French Junior Minister for Budget Jerome Cahuzac reacts during a handover ceremony at the Finance Ministry in Paris
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Für Hollande ist es bereits der zweite Fall in seinem näheren Umkreis binnen kürzester Zeit. Sein Haushaltsminister Jerome Cahuzac hatte erst vor wenigen Tagen seinen Rücktritt bekannt gegeben. Der hatte in der Schweiz heimlich 600.000 Euro auf einem Konto gebunkert.

  • td
  • dpa
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