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Online-Bezahldienst Giropay Das Knöllchen per Mausklick bezahlen

Das US-Unternehmen Paypal gilt als globaler Spitzenreiter, wenn es um das Zahlen beim Onlineshopping geht. Die deutschen Städte und Gemeinden jedoch gehen beim Bezahlen ihrer Dienstleistungen einen Sonderweg.
Update: 21.06.2017 - 09:11 Uhr Kommentieren
Viele Kommunen setzen das Online-Bezahlverfahren Giropay ein, damit Bürger für bestimmte Dienstleistungen einfach im Internet Geld überweisen können. Quelle: dapd
Knöllchen können immer öfter online bezahlt werden

Viele Kommunen setzen das Online-Bezahlverfahren Giropay ein, damit Bürger für bestimmte Dienstleistungen einfach im Internet Geld überweisen können.

(Foto: dapd)

Frankfurt Der US-Online-Bezahldienst Paypal hat das, worum ihn die Konkurrenz beneidet: sehr viele Kunden, die Paypal nutzen, und sehr viele Onlinehändler, die den Dienst eingebunden haben. Fast 19 Millionen Deutsche sind bei Paypal registriert, die meisten der 1.000 größten Onlineshops bieten die Bezahlmöglichkeit an. Deutsche Bezahlsysteme spielen kaum eine Rolle.

An anderer Stelle aber hat ein deutsches System Paypal abgehängt. Denn auch Dienstleistungen von Städten und Gemeinden lassen sich zusehends per Mausklick bezahlen. Und hier hat ein heimisches Bezahlverfahren die Nase vorn: Giropay. Wie die Firma am Dienstag mitteilte, setzen mittlerweile mehr als 1.000 Kommunen das Onlinebezahlverfahren ein, darunter etliche Großstädte wie München, Frankfurt und Stuttgart. Auch Berlin soll bald angebunden sein.

Die Bürger können über Giropay beispielsweise Bewohnerparkausweise und Strafzettel, den Auszug aus dem Geburtenregister und die Meldebescheinigung online bezahlen. Dazu wird der Nutzer vom Onlineportal der Kommune zur Online-Banking-Seite seiner Bank oder Sparkasse weitergeleitet. Dort findet er nach dem Login eine vorausgefüllte Überweisung vor, die er durch eine TAN-Geheimnummer freigibt. Registrieren muss der Nutzer sich für Giropay nicht.

Für Bürger ist das Online-Bezahlen über Giropay praktisch, aber auch die Kommunen profitieren, wie Horst Fritz, Leiter der Stadtkasse Stuttgart, meint: Erstens ergebe sich so eine „enorme Entlastung bei der Buchung von Zahlungseingängen“. „Zweitens bringt uns unser wachsendes Onlineangebot dem Ziel, den Bürgerinnen und Bürgern eine serviceorientierte, bürgernahe und moderne Kommune zu sein, ein Stück näher.“ Und drittens könne sich die Stadt angesichts der Zahlungsgarantie von Giropay sicher sein, ihr Geld auf jeden Fall zu erhalten.

Giropay ist ein Gemeinschaftsunternehmen deutscher Geldhäuser. Es gehört den deutschen Sparkassen, den Volksbanken und der Deutsche-Bank-Tochter Postbank und ist schon länger am Markt. Zwar entschieden sich private und genossenschaftliche Banken vor zwei Jahren, mit Paydirekt ein weiteres Angebot zu starten, dem sich die Sparkassen im Frühjahr 2016 anschlossen. Doch in der Zusammenarbeit mit Kommunen spielt Paydirekt kaum eine keine Rolle, erst 70 Kommunen sind angebunden. Und auch beim Onlineshopping schlägt sich der jüngste Spross der deutschen Finanzbranche schlecht: Erst Ende 2015 gestartet, kommt Paydirekt auf rund eine Million Anmeldungen, hat aber so gut wie keine großen Onlinehändler angeschlossen – ganz anders als Paypal.

Der US-Riese hat ebenfalls längst die deutschen Städte und Gemeinden als Partner entdeckt: In rund 250 Kommunen können Bürger Dienstleistungen bereits mit Paypal bezahlen. Das Unternehmen hatte das Geschäftsfeld früh erschlossen und war so deutschen Wettbewerbern zuvorgekommen. Schon 2012 analysierte ein Projektteam den Markt. Im Jahr darauf schloss das Unternehmen die erste Kooperation mit dem Land Hessen. Seither können Bürger Gerichtskosten und Geldstrafen per Paypal bezahlen. Dem folgte das Hunderegister in Niedersachsen.

Damit zahlen die Deutschen am liebsten
Platz 6: Sonstige, z.B. mobiles Bezahlen
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Der Umsatzanteil von Zahlungsarten wie dem Bezahlen per Smartphone lag 2015 im stationären Einzelhandel bei nur 0,6 Prozent. Auf marktreife mobile Bezahllösungen wartet der Handel noch immer. Die Voraussetzungen dafür hat er allerdings größtenteils geschaffen. So ist kontaktloses Bezahlen bereits in der Hälfte der großen Unternehmen möglich. Bis zum Jahresende wird sogar erwartet, dass er auf gut 60 Prozent steigen wird. Das hat eine aktuelle Studie des EHI Retail Institute für Handel ergeben.

(Foto: dpa)
Platz 5: Rechnung
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Nur an vorletzter Stelle befindet sich das Bezahlen per Rechnung auf der Beliebtheitsskala der Deutschen. Der Anteil am Umsatz des stationären Einzelhandels beträgt hier nur 2,5 Prozent.

(Foto: dpa)
Platz 4: Kreditkarte
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Im Dezember 2015 wurden EU-weit die InterChange-Gebühren auf 0,3 Prozent für Kredit- und 0,2 Prozent für Debitkarten gedeckelt. Die Folge ist, dass nun auch Discounter wie Aldi und Lidl und große Unternehmen anderer Branchen wie Media-Saturn flächendeckend Kreditkarten akzeptieren. Das hat zu einem Anstieg der Kreditkartenumsätze auf 22,9 Milliarden Euro geführt. Das Institut EHI geht davon aus, dass sich dieser Effekt im laufenden Jahr weiter verstärken und für Kreditkarten einen weiteren Zuwachs auf 6,2 Prozent bringen wird. Im Moment liegt der Umsatzanteil bei Zahlungen per Kreditkarte im Einzelhandel bei 5,7 Prozent.

(Foto: dpa)
Platz 4: Kreditkarte
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Beschwerden gibt es allerdings über neue zusätzliche Systemgebühren, die MasterCard entwickelt hat. Es wird dabei vermutet, dass so die Erleichterungen für den Handel umgangen werden. Unzufriedenheit herrscht außerdem über die unterschiedliche Gebührenbelastung für private Kunden einerseits und für die erstaunlich hohe Zahl von Business Cards andererseits, die nicht von der Regulierung erfasst wurden.

(Foto: dpa)
Platz 3: EC-Lastschrift
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Das EC-Lastschriftverfahren wurde eigentlich schon vielfach totgesagt. Doch 2015 stieg der Umsatzanteil um 0,8 Prozentpunkte auf 14,2 Prozent. 77,7 Prozent aller großen Handelsunternehmen setzen auf das EC-Lastschriftverfahren – vor allem in Kombination mit dem Electronic-Cash/Girocard-System.

(Foto: Imago)
Platz 2: Girocard / EC-Cash
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Am zweitliebsten zahlen die Deutschen mit der Girokarte. 2015 lag der Umsatzanteil der Zahlung per EC-Cash im stationären Einzelhandel bei 23,2 Prozent. Von der Regulierung profitiert hat das System jedoch nicht. Zum ersten Mal seit der Einführung 1990/1991 hat es an Anteil verloren – und zwar um 0,5 Prozentpunkte. Es liegt nahe, dass die Ursache hierfür die Einführung und der Ausbau der Kreditkartenakzeptanz im Einzelhandel ist.

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Platz 1: Bargeld
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Am liebsten zahlen die Deutschen noch immer mit Bargeld. Der Umsatzanteil im stationären Einzelhandel lag hier 2015 bei 52,4 Prozent. Trotzdem wird immer wieder über eine Bargeldobergrenze diskutiert. Befürworter führen vor allem ein vereinfachtes Handling an der Kasse und geringere Kosten der Geldversorgung an, insbesondere dann, wenn Ein-Cent- und Zwei-Cent-Münzen abgeschafft werden würden. Kritiker fürchten hingegen, dass viele Kunden dafür wenig Verständnis hätten - zumal Preise abgeändert und Kassen neu programmiert werden müssten.

(Foto: dpa)

Ausgerechnet Paypal als Partner der Kommunen – das wollten vor allem die Sparkassen nicht auf sich sitzen lassen. Dass Paypal so vorpreschte, sorgte bei ihnen für Unruhe. Immerhin sind die Kommunen ihre Träger und somit quasi Eigentümer der öffentlich-rechtlich organisierten Sparkassen. Die sehen sich daher als der „natürliche Partner“ der Kommunen.

Der Bezahldienst Giropay – das Verfahren bieten die Sparkassen über ihren Dienstleister Girosolution den Kommunen an – hat Paypal nun mit 1.000 angeschlossenen Städten und Gemeinden überflügelt. „Wir freuen uns, dass wir das Bezahlverfahren Giropay in die Online-Serviceportale von vielen Kommunen einbinden konnten“, sagt Markus Hild, Geschäftsführer von Girosolution. Allerdings muss er weiter mit Konkurrenz durch Paypal rechnen. Die Amerikaner wollen ebenfalls am Ball bleiben und das Geschäft „auf jeden Fall weiter ausbauen“, wie das Unternehmen auf Anfrage mitteilte.

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