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Onlinebank Commerzbank-Tochter Comdirect gewinnt Kunden, hat aber ein Problem

Die Onlinebank Comdirect ist weiter auf Wachstumskurs und gewinnt viele neue Kunden. Doch der Gewinn schwächelt – aus einem simplen Grund.
Update: 01.08.2019 - 15:54 Uhr Kommentieren
Fürs laufende Jahr rechnet Comdirect-Chef Arno Walter mit einem Gewinn vor Steuern von mehr als 170 Millionen Euro. Quelle: PR
Comdirect-Schriftzug

Fürs laufende Jahr rechnet Comdirect-Chef Arno Walter mit einem Gewinn vor Steuern von mehr als 170 Millionen Euro.

(Foto: PR)

Frankfurt Comdirect-Chef Arno Walter will zu einem Thema sichtlich wenig sagen: den IT-Ausfällen bei seiner Bank in den vergangenen Monaten. Nur so viel: „Solche Pannen wird es immer geben. Das ist sehr ärgerlich, aber wichtig ist, dass die Bank für ihre Kunden erreichbar bleibt“, sagte er bei der Vorstellung der Halbjahreszahlen der Commerzbank-Tochter an diesem Donnerstag in Frankfurt.

Ende vergangener Woche hatten falsche Depotwerte Kunden verunsichert, im Juni konnten Überweisungen, Daueraufträge und Lastschriften nicht verarbeitet werden.

Ungeachtet der IT-Probleme setzt Comdirect den Wachstumskurs fort. Im ersten Halbjahr 2019 gewann die Direktbank aus Quickborn bei Hamburg 128.000 Neukunden hinzu. Damit hat sie nun mehr als 2,6 Millionen Kunden, die beispielsweise ein Girokonto oder ein Aktiendepot führen. Das verwaltete Kundenvermögen stieg um rund zehn Milliarden Euro auf 72,6 Milliarden Euro.

„Comdirect ist ein profitables Wachstumsunternehmen“, sagte Walter. Das „älteste Fintech Deutschlands“ entwickle sich in einem herausfordernden Marktumfeld stark. Vollständig zufrieden sei er mit dem Ergebnis aber nicht.

Comdirect hat ein Hauptproblem, das die Bank schon seit längerem begleitet: Die vielen Neukunden schlagen sich bisher nicht in höheren Gewinnen nieder.

Im ersten Halbjahr 2019 legten die Erträge im Vergleich zum Vorjahreszeitraum nur um zwei Prozent zu auf 205 Millionen Euro, der Vorsteuergewinn sank sogar um 13 Prozent auf gut 41 Millionen Euro. Während die Bank den Zinsüberschuss leicht steigern konnte, sank der Provisionsüberschuss, unter anderem aufgrund der Beliebtheit von Wertpapiersparplänen, an denen Comdirect wenig verdient.

Die Eigenkapitalrendite vor Steuern lag bei 13,2 Prozent. Das ist ein im Vergleich zu anderen deutschen Banken guter Wert. Im ersten Halbjahr 2018 hatte sie allerdings noch 15,5 Prozent betragen. Auch die Effizienz, genannt Cost-Income-Ratio, verschlechterte sich.

Gegenwind durch die Geldpolitik

Für das Gesamtjahr 2019 erwartet die Bank einen deutlich gesteigerten Vorsteuergewinn von über 170 Millionen Euro, was vor allem aus dem im Juli abgeschlossenen Verkauf der Fondsplattform Ebase resultiert. Rechnet man diese Einmaleinnahmen heraus, ergibt sich ein prognostizierter Gewinn von rund 70 Millionen Euro. Dieser läge genau auf dem Niveau von 2018.

Gegenwind erhält die Bank laut eigener Wahrnehmung vor allem durch die Geldpolitik. Am Mittwoch hatte die US-Notenbank Federal Reserve erstmals seit zehn Jahren ihre Zinsen gesenkt, die Europäische Zentralbank (EZB) dürfte ihre Geldpolitik in den kommenden Monaten weiter lockern. Die Zinsentwicklung sei „extrem besorgniserregend“, sagte Comdirect-Chef Walter. „Wir werden uns dem nicht entziehen können.“

Angesichts des sich verschlechternden Zinsniveaus im Euro-Raum hat das Management viel Arbeit vor sich: Es muss die schleichende Erosion des Provisionsüberschusses stoppen. „Den Zins- und Provisionsüberschuss zu stabilisieren, schaffen Sie im aktuellen Umfeld nur mit Wachstum“, erklärte Walter.

Das allerdings kostet: So stiegen die Verwaltungsaufwendungen im ersten Halbjahr um sieben Prozent, vor allem aufgrund höherer Personal- und Vertriebsausgaben.

Prüft die Direktbank einen Einstieg ins Firmenkundengeschäft analog zum Wettbewerber ING, um die Ertragskraft zu erhöhen? „Wir schauen uns das regelmäßig an“, sagte Walter. „Wir müssen der ING Respekt zollen, das haben die Kollegen gut gemacht.“ Aktuelle Pläne habe man aber nicht.

Comdirect ist mit über 2,6 Millionen Kunden nach der deutschen ING mit 9,3 Millionen und der zur BayernLB gehörenden DKB (3,9 Millionen) die drittgrößte Direktbank in Deutschland. Auf Platz vier folgt mit mehr als 1,4 Millionen Kunden die Consorsbank, Tochter der französischen BNP.

Mehr: Laut Verbraucherzentrale Baden-Württemberg haben 31 Banken und Sparkassen ihren Kunden über Jahre zu wenig Zinsen gezahlt haben. Ein Überblick.

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