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Outplacement-Berater Absturz in ein neues Leben

Hobbypilot Oscar Winzen hilft Bankern beim Jobwechsel. Seine Klienten nimmt er gelegentlich auch mit ins Cockpit, um ihnen zu zeigen, was wirkliche Angst ist. Beim sogenannten Outplacement-Berater entdecken viele erst, was in ihnen steckt – und wagen den Schritt in ein beruflich ausgefülltes Leben.
  • Andrea Auler
Bewerbungstrainings haben bei der Outplacement-Beratung hohe Priorität. Quelle: gms

Bewerbungstrainings haben bei der Outplacement-Beratung hohe Priorität.

FRANKFURT. Die kleine Propellermaschine vom Typ Katana setzt zum Sturzflug an. Pilot Oscar Winzen hat mit derartigen Manövern keine Probleme, sein Fluggast dagegen schon. Der hat Schweißperlen auf seiner Stirn: Der Mann, ein gestandener Aktienhändler, hat Angst. Es ist diesmal nicht die Angst um seinen Job oder die Folgen der Finanzkrise. Es ist die Angst um sein Leben, die ihn in diesem Moment die Finger in seinen Sitz krallen lässt.

„Dieser Kandidat hatte Angst davor, sich in Vorstellungsgesprächen präsentieren zu müssen“, sagt Oscar Winzen. Völlig ungerechtfertigt, wie Winzen findet, und zeigte seinem Kunden kurzerhand, wie sich wirkliche Angst anfühlt. „Danach waren Bewerbungsgespräche kein Problem mehr.“

Die Methoden des sportlichen 53-jährigen Winzen mit dem graumelierten Haar und den hochgekrempelten Hemdsärmeln sind gefragt. Er ist Outplacementberater, er hilft also Mitarbeitern, deren Job wackelt, eine neue Stelle zu finden. Häufig finanzieren die Unternehmen die Dienstleistung für ihre ausscheidenden Mitarbeiter. Zu Winzens Auftraggebern gehören mehrere Frankfurter Großbanken. Jetzt während der Krise, wird das Outplacement wichtiger denn je. Allein Großbanken wie Commerzbank, Deutsche Bank und BayernLB kündigten einen Stellenabbau in den nächsten Jahren von zusammen rund 20 000 Jobs an.

Für die betroffenen Banker ist der berufliche Absturz zunächst ein Schock. Doch dann kommt es oft zu einer interessanten Entwicklung. Viele Banker sind im Grunde unzufrieden mit ihrem Job, stellt sich heraus, würden eigentlich viel lieber etwas ganz anderes machen. Doch nur wenige trauten sich bisher, ihre Träume auszuleben und blieben in der vermeintlich sicheren Bankenbranche.

Da setzt Oscar Winzen an. „Das, was jeder Mensch doch möchte, ist eine Arbeit, die ihn ausfüllt.“ Am Anfang einer jeden Beratung stehen daher zwei zentrale Fragen: Was will der Klient wirklich? Und welche individuellen Stärken hat der Ratsuchende? Heraus kommen dann zum Teil ungewöhnlich Karriereschritte. Eine Kreditanalystin kehrte der Bank den Rücken und absolvierte eine Ausbildung zur Logopädin. Ein anderer wechselte von Zahlen zu Brötchen – und landete in einer Bäckerei. Von Winzens Banker-Klientel geht nur rund ein Drittel wieder in eine Bank zurück. Der Rest wechselt in eine andere Branche oder macht sich selbstständig.

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