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Pan European Payment Systems Europäische Banken prüfen neues einheitliches Zahlungssystem

Die Geldhäuser, darunter die großen deutschen Banken, wollen sich gegen neue Wettbewerber wappnen. Die Bundesbank steht hinter der Initiative namens „Peps“.
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Bislang gibt es in Europa kein einheitliches Bezahlsystem. Quelle: imago images/Future Image
Logos diverser Bezahlmethoden

Bislang gibt es in Europa kein einheitliches Bezahlsystem.

(Foto: imago images/Future Image)

Frankfurt Bundesbank-Vorstand Burkhard Balz hat die deutschen und europäischen Banken aufgefordert, ihre Arbeit an einem einheitlichen europäisches Zahlungssystem fortzusetzen. „Mir ist klar, dass die Konzeption und das Etablieren eines neuen Bezahlverfahrens ein Kraftakt ist“, sagte Balz am Mittwoch auf der Konferenz „Euro Finance Week“ in Frankfurt. „Ein solches neues europäisches Bezahlverfahren muss besser sein als die vorhandenen Zahlungslösungen.“ Ein tragfähiges Geschäftsmodell müsse entwickelt werden, so Balz.

Rund 20 große Banken loten derzeit aus, ob und wie sie ein europäisches Zahlungssystem auf die Beine stellen. Banken aus Deutschland, Frankreich, Spanien, Belgien, den Niederlanden und Italien haben sich der Initiative namens Peps (Pan European Payment System) angeschlossen. Von deutscher Seite sind die Deutsche Bank, die Commerzbank, das genossenschaftliche Spitzeninstitut DZ Bank und die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) mit dabei.

„Dass wir eine europäische Lösung brauchen, davon bin ich zutiefst überzeugt“, sagte am Mittwoch auch Helaba-Vorstand Thomas Groß. Die Helaba ist für einen Großteil der deutschen Sparkassen der zentrale Zahlungsdienstleister.

Ein eigenes Zahlungssystem würde Europas Banken und die gesamte europäische Kreditwirtschaft unabhängiger von US-Unternehmen wie den Kreditkartenfirmen Mastercard und Visa machen. In einigen europäischen Ländern basieren die nationalen Zahlungssysteme bereits auf Technik von Mastercard und Visa. Deutschland dagegen verfügt mit der EC-Karte, die heute offiziell Girocard heißt, über ein eigenes System. „Allein über die Netze von Mastercard und Visa laufen mehr als zwei Drittel der europäischen Kartentransaktionen“, so Balz.

Zudem können die Geldhäuser gemeinsam mehr Schlagkraft gegen Zahlungsangebote beispielsweise des iPhone-Herstellers Apple, also Apple Pay, und des Onlinehändlers Amazon entwickeln. Aus Balz’ Sicht sind diese neuen Wettwerber eine Gefahr für etablierte Geldhäuser. „Bei vielen der neuen Zahlungsdienste wickeln im Hintergrund zwar immer noch Banken die Transaktionen ab. Für die Kunden rücken sie jedoch aus dem Blickfeld.“ Für die Banken besteht daher das Risiko, dass sie aus Kundensicht nahezu überflüssig werden und nur noch bestimmte Dienstleistungen für Internetkonzerne zur Verfügung stellen.

Peps muss noch einige Hürden nehmen

Im Dezember soll laut Insidern ein Konzept für Peps vorgestellt werden und die Entscheidung fallen, ob dieses Konzept weiterhin verfolgt wird. Basieren könnte das künftige Bezahlverfahren auf Echtzeitzahlungen, für die es seit einiger Zeit in Europa einen Standard gibt.

Zudem könnten die neuen Schnittstellen, die Banken wie andere Akteure laut der neuen EU-Zahlungsdiensterichtlinie PSD2 zur Verfügung stellen müssen, helfen, „die Fragmentierung der nationalen Märkte zu überwinden“, so Balz. Die 20 Großbanken arbeiten bei Peps in enger Abstimmung mit Aufsichtsbehörden und Notenbanken.

Das ganze Projekt muss allerdings noch einige Hürden nehmen. „Wir sind gefordert, aber wir brauchen Verdienstmöglichkeiten“, sagte Groß. Zumal Groß zufolge auch immense Investitionen für neue Lösungen erforderlich seien. Thomas Ullrich, Vorstand der DZ Bank, verwies darauf, dass es bei den PSD2-Schnittstellen keine Einheitlichkeit in Europa gebe. Zudem seien bei Weitem noch nicht alle Banken für Echtzeitzahlungen erreichbar.

Ein Punkt ist laut Groß, dass die Ausgangsbasis in den einzelnen Ländern sehr unterschiedlich ist – eben weil es in einigen Ländern keine eigenen Kartenzahlungssysteme mehr gibt.

Obendrein müssen sich die deutschen Geldhäuser überlegen, wie sie ihre nationalen Überlegungen mit Peps zusammenbringen. Um sich besser gegen neue Wettbewerber aufzustellen, versucht die deutsche Kreditwirtschaft derzeit unter dem Projektnamen „X-Pay“ ihre Zahlungsangebote zu bündeln.

Dabei geht es unter anderem, um die Frage, ob die beiden Online-Bezahlsysteme Paydirekt und Giropay zusammengelegt werden. Beide werden vergleichsweise wenig genutzt und hinken dem US-Wettbewerber Paypal weit hinterher. „Die Einigung in Deutschland ist ein klassischer Zwischenschritt“, sagt ein Insider. Es helfe den deutschen Banken, mehr Gewicht in die Verhandlungen auf europäischer Ebene einzubringen.

Ullrich bezeichnete das deutsche Projekt als „eine hervorragende Vorbereitung auf dem Weg nach Europa“. Die deutsche Kreditwirtschaft habe erkannt, dass man Angebote bündeln müsse und dass man gemeinsam in Europa auftrete. Auch Groß betrachtet das als „richtigen Schritt“, um schneller zu einer Lösung zu kommen.

Gleichwohl sehen Beobachter die Gefahr, dass sich die Banken mit der parallelen Arbeit an X-Pay und Peps verzetteln. „Es wäre viel einfacher, erst ein abgestimmtes europäisches Regelwerk für Zahlungen im Handel und für Onlinezahlungen zu schaffen und dann die deutschen Pläne darauf abzustimmen“, findet Jochen Siegert, Vorstand der Interbanken-Plattform Traxpay und Experte für Zahlungsverkehr.

Mehr: Noch gibt es keinen einheitlichen Rahmen für digitale Finanztechnologien in Europa. Eine neue Studie formuliert nun Vorschläge, wie das geändert werden kann.

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