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Paypal-Konkurrent Deutsche Banken wollen Online-Bezahldienst Paydirekt stärken

Die größten Anteilseigner wollen das Online-Bezahlsystem trotz Schwierigkeiten vorantreiben – und so der mächtigen US-Konkurrenz entgegentreten.
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Paypal-Konkurrent: Deutsche Banken wollen Paydirekt stärken Quelle: picture alliance / Westend61
Blick auf das Bankenviertel in Frankfurt

Das gemeinsame Onlinebezahlverfahren der deutschen Banken ist seit 2015 im Einsatz – und kommt seitdem nicht richtig vom Fleck.

(Foto: picture alliance / Westend61)

FrankfurtIn der vergangenen Woche hat der US-Onlinebezahldienst Paypal in Deutschland seinen 15. Geburtstag gefeiert. Der Konzern nahm dies zum Anlass, um sich selbst in den höchsten Tönen zu loben. 20,5 Millionen aktive Kunden habe Paypal mittlerweile in der Bundesrepublik. Deutschlandchef Michael Luhnen frohlockt: „15 Jahre Paypal in Deutschland sind eine Erfolgsgeschichte.“

Vom Konkurrenten Paydirekt würde dies aktuell wohl niemand behaupten. Das gemeinsame Onlinebezahlverfahren der deutschen Banken ist seit 2015 im Einsatz – und kommt seitdem nicht richtig vom Fleck. Rund 2,3 Millionen Kunden haben sich bisher registriert, die Transaktionszahlen sind überschaubar.

Zudem haben kürzlich einige Gesellschafter angekündigt, sich von Paydirekt zurückzuziehen. Manche Kritiker sagen hinter vorgehaltener Hand, die deutschen Banken sollten das Projekt am besten gleich ganz beerdigen.

Doch davon wollen die wichtigsten Anteilseigner nichts wissen. „Es wäre strategisch falsch, sich jetzt zurückzuziehen“, sagt Torsten Daenert im Gespräch mit dem Handelsblatt. Er ist Verwaltungsratschef von Paydirekt und bei der Commerzbank für die Themen Zahlungsverkehr und Einlagen zuständig. Der Onlinehandel wachse kräftig – „und damit auch das Geschäft von Onlinezahldiensten“, betont Daenert.

Diesen Zukunftsmarkt dürften die Banken nicht aufgeben. „Die deutsche Kreditwirtschaft braucht ein eigenes Onlinebezahlverfahren, um beim Kunden an dieser Schnittstelle relevant zu bleiben und um sich im zunehmenden digitalen Zahlungsverkehr zu positionieren“, sagt Daenert. „Und sie sollte dabei auf das System setzen, auf dem beispielsweise auch die Girocard basiert.“

Kunden

2,3

Millionen

Nutzer haben sich bei Paydirekt registriert. Rund 10.000 Online-Shops bieten das Bezahlverfahren an.

Wie die Girocard, die früher „EC-Karte“ genannt wurde, ist Paydirekt ein Angebot, das eng mit dem Girokonto verknüpft ist. Zudem werben die Banken damit, dass Paydirekt die Kundendaten besonders schützt und keine Kontodaten weitergibt. Damit will sich das Gemeinschaftsunternehmen von US-Konzernen wie Paypal und Amazon sowie den Kreditkartenanbietern Mastercard und Visa absetzen.

Diese spielen auf dem deutschen Zahlungsmarkt bereits heute eine große Rolle. Darüber hinaus drängen andere Technologieriesen wie Google und Apple aus den USA immer stärker in den Bezahlmarkt – wie auch Ant Financial und Tencent aus China.

Starker Fokus auf Deutschland

Paypal und Amazon vergeben mittlerweile sogar kleine Kredite an Händler. Bundesbank-Vorstand Burkhard Balz sieht darin ein „Warnsignal für die etablierte Bankenwelt“. Er fordert, dass die Institute in Deutschland und Europa ein einheitliches Zahlungssystem aufbauen, um gegen internationale Tech-Konzerne bestehen zu können.

Doch ob es dazu kommt, steht in den Sternen. Paydirekt ist im Gegensatz zu Paypal nur auf Deutschland fokussiert – und hat deshalb viel weniger potenzielle Kunden. Die Transaktionszahlen waren Insidern zufolge bisher enttäuschend. Und bei vielen Händlern sorgen die hohen Kosten für die Anbindung an Paydirekt für Unmut. Bislang kann das Angebot bei rund 10.000 Onlineshops genutzt werden.

Der Commerzbank-Manager meint, „es wäre strategisch falsch, sich jetzt zurückzuziehen“. Quelle: Commerzbank
Torsten Daenert

Der Commerzbank-Manager meint, „es wäre strategisch falsch, sich jetzt zurückzuziehen“.

(Foto: Commerzbank)

Paydirekt-Verwaltungsratschef Daenert sieht in diesem Bereich jedoch Fortschritte. „Mit der Deutschen Bahn und dem Ticketanbieter Eventim haben wir zuletzt zwei wichtige Partner gewonnen“, sagt er. „Zudem machen wir einheitliche Werbung für Paydirekt – mit ‚Tatort‘-Kommissar Axel Prahl.“ Aber auch Daenert räumt ein, dass es noch viel zu tun gibt. „Wir müssen beispielsweise den Händlern die Leistungsfähigkeit von Paydirekt noch besser erläutern.“

Dass Paydirekt in der Kritik steht, führt Daenert auch auf zu hohe Erwartungen beim Start des Projekts zurück. „Deutsche Banken sind mit einem solchen Angebot relativ spät in den Markt eingestiegen. Und es war klar, dass es einige Jahre dauern wird, bis sich Paydirekt etabliert hat“, erklärt der Commerzbank-Manager. „Grundsätzlich haben wir da eine langfristige Perspektive.“

Gespräche über Finanzierungsrunde

Daenerts Optimismus teilen jedoch nicht alle deutschen Institute. Mitte Januar wurde bekannt, dass eine Reihe von Privatbanken ihre Anteile von insgesamt gut elf Prozent an Paydirekt loswerden wollen. Dazu zählen unter anderem die Hypo-Vereinsbank, ING, Santander und die Targobank. Derzeit laufen Verhandlungen darüber, ob die Deutsche Bank und die Commerzbank die Anteile dieser Geldhäuser übernehmen. Zum Stand der Gespräche wollte sich Daenert nicht äußern.

Weitere Gesellschafter von Paydirekt sind mit je einem Drittel die deutschen Sparkassen sowie die genossenschaftlichen Banken, deren Spitzeninstitut DZ Bank bei Paydirekt engagiert ist. Beide wollen – wie die Commerzbank – an dem Angebot festhalten.

„Paydirekt ist eine wesentliche Komponente des Girokontos, das unverändert Dreh- und Angelpunkt der Bankverbindung ist“, sagte DZ-Bank-Vorstand Thomas Ullrich dem Handelsblatt. „Wir treiben Paydirekt weiter mit Kraft voran.“

Auch die Deutsche Bank sieht Paydirekt als einen wesentlichen Bestandteil des Girokontos. Das Institut investiere kontinuierlich in den Ausbau der digitalen Angebote und auch in Paydirekt, erklärte das größte deutsche Geldhaus.

Sparkassen-Präsident Helmut Schleweis betonte kürzlich ebenfalls, dass Paydirekt aus seiner Sicht eine Zukunft hat. Es gehe nicht darum, Paypal zu imitieren, sondern um eine Verlängerung des Girokontos in den E-Commerce.

Zur Frage nach einer neuen Funding-Runde von Paydirekt hielt sich Schleweis jedoch bedeckt. „Die strategischen Weichenstellungen sind passiert“, sagte er. „Die anderen Entscheidungen kommen dann nach und nach.“ Auch die anderen Eigner wollten sich zur weiteren Finanzierung von Paydirekt nicht äußern. Finanzkreisen zufolge geht es um einen dreistelligen Millionenbetrag.

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