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Paypal Wie Paypal mit Nutzerdaten zum Shopping-König aufsteigen will

Paypal ist längst mehr als ein Zahlungsdienstleister. Strategiechef Bill Ready will mit neuer Technik die Zukunft des Einkaufens beherrschen.
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Einkaufen per Fingerzeig. Quelle: Imago/Westend61
Augmented-Reality-Brille

Einkaufen per Fingerzeig.

(Foto: Imago/Westend61)

San FranciscoDer Kunde setzt die Datenbrille auf und spaziert durchs Geschäft. Wohin er auch geht, beamt ihm der Computer auf der Nase digitale Zusatzinhalte ins Sichtfeld. Ein dreidimensionales Menü informiert über die Produkte in der Auslage, zeigt Garantie-, Umtausch- und Zahlungsmodalitäten. Mit einem Fingertipp in die virtuelle Projektion in der Luft kann der Ladenbesucher die Ware kaufen, ohne sich noch an der Kasse anstellen zu müssen.

Augmented Reality heißt die neue Technik, kurz: AR. Und glaubt man Paypal, sieht so die Zukunft des Einkaufens aus.

Der Onlinebezahldienst bereitet sich jedenfalls bereits auf sie vor. Ein entsprechendes Patent für AR hat die Firma gerade erst erneuert. „Augmented Reality, Virtual Reality, Sprachsteuerung oder Gesichtserkennung werden das Bezahlverhalten global stark verändern“, sagt Paypals Strategiechef Bill Ready im Gespräch mit dem Handelsblatt. „Mobiles Bezahlen ist nur der erste Schritt.“ Es werde künftig immer mehr Situationen geben, in denen der Nutzer Informationen ohne Tastatur eingibt.

Ready ist Paypals Mann fürs Visionäre. Der 39-Jährige stieß 2013 zur Firma aus dem kalifornischen San José, als sie gerade Braintree für 800 Millionen Dollar übernahm. Braintree war ein Anbieter für Smartphone- und Web-Bezahlsysteme, Chef war Ready. Jetzt soll der Manager als Chief Operating Officer (COO) dafür sorgen, dass Paypal überall dort seine Finger im Spiel hat, wo sich bald finanzielle Transaktionen ereignen – per Klick oder Augenaufschlag, über die Sprachassistenten Siri, Alexa oder Google Assistant.

Wie viele Technologiekonzerne aus dem Silicon Valley wertet Paypal dafür die Daten seiner Kunden aus. „Daten werden auch für Paypal künftig die wichtigste neue Währung sein“, glaubt Moshe Katri vom Broker Wedbush Securites aus Los Angeles. In Readys Worten klingt das so: „Damit Nutzer künftig nahtlos und bequem einkaufen können, muss ein Service alles über ihren Kontext wissen“, so der COO.

Während Facebook oder Alphabet die Nutzerdaten für gezielte Werbung einsetzen, entwickelt Paypal damit neue Produkte. „Wir haben schon vor Jahren aufgehört, Nutzer nur per Passwort zu identifizieren“, erklärt Ready. „Wir wissen genug über Käufer und Verkäufer, um sie zu identifizieren und ihre Seriosität zu beurteilen.“

Unter Readys Führung und seit der Trennung vom Onlinemarktplatz Ebay wandelt sich Paypal so vom Zahlungsabwickler zum digitalen Ökosystem. Heute wickelt man 290 Transaktionen pro Sekunde in über 200 Märkten ab. 237 Millionen Privatkunden und 19 Millionen Händler verschicken jede Sekunde 17.679 Dollar über die Plattform. Intelligente Algorithmen durchforsten die Daten nach neuen Mustern.

Offenbart das Verhalten der Nutzer einen neuen Markttrend, will Paypal ihn mit seinen Zahlungstechniken nutzen – wie im Beispiel Augmented Reality. Apple-Chef Tim Cook hält die Technik bereits für so revolutionär wie das Smartphone, da sie den Kunden nicht von der Realität abschottet. AR werde künftig zum Alltag gehören „wie die drei Mahlzeiten am Tag“, schwärmte er in einem Interview.

Aktuelle Modelle sind noch nicht massentauglich

Doch wann Kunden per Fingertippen in die Luft bezahlen können, ist unklar. Apple dürfte die erste AR-Brille frühestens 2020 auf den Markt bringen, glauben Beobachter. Bisherige Modelle von Microsoft oder Google sind mit Preisen von 2000 bis 5000 Dollar nicht massentauglich.

Bei ersten Probeanwendungen funktioniert das tastenlose Bezahlen bereits, etwa beim Programm „One Touch“. Hier melden sich Paypal-Nutzer einmalig mit ihren Zugangsdaten an und können dann alle Transaktionen schnell abwickeln. Paypal will so beim mobilen Bezahlen punkten und Konkurrenten wie Apple Pay auf Abstand halten. Paypal müsse die neuen Techniken nicht zwingend selbst erfinden, sagt Brendan Miller von der Datenfirma Forrester. „Der Schlüssel ist, dass Paypal die neuen Technologien in seine Produkte integriert und eine Plattform aufbaut.“

Mit dem Plan, um jede Technik eine Plattform zu stricken, reagiert Paypal auf einen Wandel, der die ganze Branche trifft. „Kein Finanzinstitut kann sich auf die Abwicklung von Transaktionen verlassen, weil Margen und Gebühren langfristig sinken“, erklärt Katri von Wedbush Securites. Anders als oft behauptet, wolle Paypal daher auch gar keine Bank werden. Das lohne sich schlicht nicht. „Die Wachstums- und Renditeraten im Softwaregeschäft werden langfristig viel höher sein.“

Angesichts der vielen Konkurrenten wie der kalifornischen Start-ups Square und Stripe oder der europäischen Firmen Ayden und Transferwise müsse sich Paypal „immer neu erfinden“, warnt Miller von Forrester.

So rückt auch das Kaufhaus der Welt, Amazon, ins Finanzgeschäft vor. Händler und Kunden besitzt Gründer Jeff Bezos bereits. Über 100 Millionen Menschen sind zudem Klubmitglieder bei Amazon Prime. Im März wurde bekannt, dass der Onlinehändler mit der Großbank JP Morgan eine Kreditkarte für kleine und mittelständische Firmen entwickelt. Am Montag teilte Amazon mit, dass auch deutsche Prime-Kunden eine Kreditkarte bekommen sollen.

Unter dem Druck junger Rivalen und etablierter Tech-Riesen setzt Paypal auf Expansion. Durch Akquisitionen erwirbt Paypal neue Techniken, Kunden, Daten. Allein im vergangenen Quartal kündigte Paypal vier Übernahmen an. Für das schwedische Start-up iZettle zahlte man 2,2 Milliarden Dollar, der teuerste Kauf der Firmengeschichte. Der Deal soll Paypals Kartenlesegeschäft und den Einfluss im europäischen Markt stärken.

Außerdem im Einkaufskorb: die Firma Jetlore, die künstliche Intelligenz im Onlinehandel einsetzt, Hyperwallet, die Auszahlungsdienste kleinerer Unternehmen unterstützt, und der Sicherheitsanalyst Simility. Und Strategiechef Ready schließt weitere Übernahmen nicht aus. Daneben rollt er permanent neue Software aus. Für den bei US-Nutzern beliebten Dienst Venmo, eine Art soziales Bezahlnetzwerk, kündigte Paypal Ende Juni eine eigene Kreditkarte an.

„Paypal will ein Ökosystem schaffen, das die Leute hält“, schlussfolgert Moshe Katri. Diese Vision treibe auch strategische Partnerschaften mit Tech-Giganten aus dem Silicon Valley an, deren Transaktionen Paypal im Hintergrund abwickelt, darunter Facebook, Instagram und Google.

Im Unterschied zu den Tech-Giganten bleibt Paypal bislang von politischen und Datenschutzdebatten verschont. „Paypal genießt im Vergleich zu Facebook, Google und Amazon großes Vertrauen bei den Kunden, was für die Abwicklung von Zahlungen sehr wichtig ist“, so Brendan Millers Fazit. Die Nutzer vertrauten darauf, dass Paypal ihre Daten nicht an Dritte weitergebe oder für das Anzeigengeschäft monetarisiere. „Das ist heutzutage schon eine Rarität.“

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