Personal, Strategie, Zahlen So läuft die Neuausrichtung der Deutschen Börse

Die neue Strategie der Deutschen Börse sieht ähnlich aus wie die alte. Aber beim Personal gibt es bemerkenswerte Neuverpflichtungen.
Update: 25.04.2018 - 21:26 Uhr Kommentieren
Der neue Vorstandsvorsitzende der Deutsche Börse will in den nächsten zwei Jahren 100 Millionen Euro Kosten einsparen. Quelle: dpa
Theodor Weimer

Der neue Vorstandsvorsitzende der Deutsche Börse will in den nächsten zwei Jahren 100 Millionen Euro Kosten einsparen.

(Foto: dpa)

FrankfurtTheodor Weimer ist seit Anfang Januar Vorstandschef der Deutschen Börse – und hat das Unternehmen seitdem bereits kräftig umgebaut. Am Mittwochabend stellte er nun nicht nur die Zahlen für das erste Quartal vor, sondern auch die Eckpunkte der neuen Strategie und seine neuen Vorstandskollegen. „Wir arbeiten hart und machen Fortschritte“, erklärte Weimer gegenüber dem Handelsblatt. „Die Roadmap 2020 zeichnet die strategischen Konturen der Deutsche Börse für die nächsten drei Jahre – und das neue Vorstandsteam steht.“

Personal

Im Vorstand, in dem es in den vergangenen Jahren relativ wenig Bewegung gab, gibt es einen großen Umbruch. Bereits am Dienstag hatte das Unternehmen mitgeteilt, dass die Vorstandsressorts neu zugeschnitten werden. Am Mittwoch präsentierte Weimer auch die neuen Vorstände.

Die prominenteste Neuverpflichtung ist der ehemalige Deutsche-Bank-Vorstand Stephan Leithner, der aktuell als Partner für den schwedischen Finanzinvestor EQT arbeitet. Der 51-jährige Österreicher verließ Deutschlands größtes Geldhaus 2015. Zuvor hatte ihm die deutsche Finanzaufsicht unter anderem Defizite bei der internen Untersuchung des Skandals um manipulierte Zinsen vorgeworfen.

Vor der Jahrtausendwende arbeitete Leithner wie Weimer für die Beratungsgesellschaft McKinsey. Bei der Deutschen Börse wird er ab Juli als Vorstand zuständig sein für die Wertpapierverwahrtochter Clearstream sowie das Daten- und Indexgeschäft.

Das Handelsgeschäft, das vor allem aus der Derivatebörse Eurex und dem Abwicklungshaus Eurex Clearing besteht, verantwortet künftig ein Eigengewächs: Thomas Book steigt zum Vorstand auf. Er ist seit 1995 in verschiedenen Positionen bei der Deutschen Börse tätig und leitet aktuell die Töchter Eurex Frankfurt und Eurex Zürich. Weimer setzt damit ein Zeichen, dass unter ihm auch interne Kandidaten eine Chance bekommen.

Für die IT und den Betrieb der Deutschen Börse ist ab November Christoph Böhm zuständig. Er arbeitet aktuell für den Softwarekonzern SAP und kümmert sich dort um das Cloud-Geschäft. Böhm habe in verschiedenen Unternehmen gezeigt hat, dass er groß angelegte Technologieprogramme erfolgreich aufsetzen und umsetzen kann, sagte Weimer.

Die altgedienten Vorstände Jeffrey Tessler und Andreas Preuß, die die beschriebenen Bereiche bisher verantworten, sollen der Deutschen Börse „weiter beratend zur Verfügung stehen“, erklärte Weimer. Wann beide als Vorstände ausscheiden, ließ das Unternehmen offen. Tesslers Vertrag läuft noch bis Ende des Jahres, der von Preuß bis Mai 2019.

Strategie

Weimer hatte die Erwartungen an die neue Strategie der Deutschen Börse schon vorab gedämpft. Es gehe nicht um einen großen Wurf, sondern um „solide Hausmannskost“, sagte er im Februar. Und Weimer hat Wort gehalten.

In den Eckpunkten seiner „Roadmap 2020“ sucht man vergeblich nach Revolutionärem. Vielmehr ähneln die meisten Ziele und Aussagen dem Wachstumsprogramm „Accelerate“, das sein Vorgänger Carsten Kengeter im Sommer 2015 aufgelegt hatte. Wie Kengeter will auch Weimer das Wachstum der Deutschen Börse forcieren und peilt dabei in den nächsten Jahren jeweils ein Gewinnplus von zehn bis 15 Prozent an. Und auch er will verstärkt in neue Technologie investieren. Kengeter hatte dafür das Stichwort Börse 4.0 geprägt.

Details der Strategie wird Weimer vermutlich schrittweise bei der Hauptversammlung und bei einem Investorentag am 30. Mai präsentieren. Aber die Eckpunkte deuten darauf hin, dass es vor allem darum geht, das robuste Geschäftsmodell der Deutschen Börse an der einen oder anderen Stelle zu erweitern. Weimer will durch neue Produkte und Initiativen bis 2020 jährlich ein strukturelles Wachstum von mindestens fünf Prozent erzielen. Zudem erwartet er längerfristig mehr Ausschläge an den Märkten.

Parallel will Weimer die jährlichen operativen Kosten um 100 Millionen Euro senken. Wie er das genau anstellen will, erklärte der Vorstandschef nicht. Er betonte jedoch, dass er angesichts der Wachstumsstrategie „im Planungszeitraum von steigenden Mitarbeiterzahlen“ ausgeht. Denkbar ist, dass der Konzern bestimmte Arbeiten an Niedriglohnstandorte wie Prag in Tschechien oder Cork in Irland auslagert. Zudem hat Weimer die Strukturen des Konzerns bereits gestrafft und mehrere gut bezahlte Manager vor die Tür gesetzt.

Zahlen

Im ersten Quartal hat die Deutsche Börse von den steigenden Ausschlägen an den Märkten profitiert. Die Nettoerlöse stiegen um elf Prozent auf 692 Millionen Euro. Der um Sondereffekte bereinigte Überschuss legte um 17 Prozent auf 271 Millionen Euro zu.

Finanzchef Gregor Pottmeyer zeigte sich mit der Entwicklung in den ersten drei Monaten sehr zufrieden. „Damit liegen wir derzeit deutlich über der Prognose von mindestens zehn Prozent Ergebniswachstum für das Gesamtjahr 2018.“

Startseite

Mehr zu: Personal, Strategie, Zahlen - So läuft die Neuausrichtung der Deutschen Börse

0 Kommentare zu "Personal, Strategie, Zahlen: So läuft die Neuausrichtung der Deutschen Börse"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%