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„Planet Boon“ Wirecard macht N26 mit Smartphone-Konten Konkurrenz

Der Zahlungsdienstleister hat eine neue App gestartet. Die geplanten Funktionen gehen teils deutlich über das Angebot von N26 und Co. hinaus.
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Mit „Boon Planet“ erweitert Wirecard sein App-Angebot. Quelle: Reuters
Bezahlen mit „Boon“

Mit „Boon Planet“ erweitert Wirecard sein App-Angebot.

(Foto: Reuters)

Frankfurt Wenn der Zahlungsdienstleister Wirecard in den vergangenen Monaten in den Schlagzeilen auftauchte, ging es häufig um kritische Berichte. Zuletzt hatte die „Financial Times“ den Verdacht der Bilanzfälschung aufgebracht, woraufhin der Aktienkurs des Dax-Konzerns zeitweise mehr als zehn Prozent nachgab und das Unternehmen die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG mit einer unabhängigen Untersuchung beauftragte.

An diesem Dienstag hat Wirecard eine Banking-App mit Girokonto gestartet. Das Angebot ähnelt dem der Smartphonebanken N26, Revolut oder Tomorrow. Die geplanten Funktionen gehen teilweise aber deutlich darüber hinaus.

Als „Smartphonebanken“ oder auch „Neobanken“ wird eine neue Generation von Geldinstituten bezeichnet. Wie Onlinebanken verzichten sie auf Filialen und bieten in der Regel kostenlose Girokonten an. Neu ist jedoch ihr Fokus auf einer bedienfreundlichen App für das Smartphone. Diese bietet mitunter sogar mehr Funktionen als der Zugang über die Internetseiten.

Der prominenteste Anbieter in Deutschland ist die Berliner Bank N26, die seit Anfang 2015 mehr als 3,5 Millionen Kunden in 26 Ländern gewonnen hat – anfangs mit Unterstützung von Wirecard, das als Dienstleister im Hintergrund die Bankgeschäfte abwickelte, bevor N26 im Sommer 2017 eine eigene Banklizenz erhielt. Der britische Konkurrent Revolut – ebenfalls in Deutschland aktiv – meldete zuletzt mehr als acht Millionen Kunden.

Wirecard-Chef Markus Braun hatte das Smartphone-Konto bereits vor einem Jahr im Interview mit dem Handelsblatt angekündigt. Das neue Angebot heißt „Boon Planet“.

Unter dem Namen „Boon“ hatte das Unternehmen bisher schon eine virtuelle Prepaid-Mastercard angeboten. Diese war insbesondere bei Kunden beliebt, die gerne die Bezahldienste Google-Pay oder Apple-Pay nutzen wollten.

Voraussetzung dafür ist eine Kreditkarte. Außerdem muss die kartenherausgebende Bank mit den Tech-Konzernen kooperieren. Boon Planet soll laut Wirecard nun ein „vollwertiges Bankkonto“ sein. Zum Start steht es nur Nutzern mit Android-Smartphone zur Verfügung, „demnächst“ soll auch eine Version für Apple-Geräte folgen.

Verkehrs-App soll in Banking-App integriert werden

Wie bei den Konkurrenten ist bei Boon Planet das Girokonto kostenlos. Auf Wunsch erhalten die Nutzer auch eine kostenlose physische Version ihrer Kreditkarte, also eine Plastikkarte. Wer damit am Geldautomaten Bargeld abheben möchte, zahlt für jede Transaktion zwei Euro – bei N26 beispielsweise sind drei bis fünf Abhebungen pro Monat kostenlos.

Ähnlich wie bei N26 und Co. gibt es in der App eine Finanzübersicht, in der die Ausgaben der Nutzer in Kategorien geordnet werden. Zusätzlich verspricht Boon Planet jedoch eine Multibanking-Funktion, mit der Kunden auch Konten, die sie bei anderen Banken führen, in der App anzeigen können. Das bieten etwa N26 und Revolut nicht – wohl aber die Banking-Apps von traditionellen Banken wie den Sparkassen und der Deutschen Bank.

In den „kommenden Wochen und Monaten“ sollen laut Claudia Kaub, Head of Consumer Solutions bei Wirecard, weitere Funktionen folgen. Zunächst ein Disporahmen und Sparpläne – beides bietet N26 bereits. Innovativ erscheint dagegen die geplante „Loyalty-Lösung“, die aber weiter hinten auf der Agenda steht.

Dahinter verbirgt sich ein Prämiensystem, bei dem Nutzer mit ihren Zahlungen Punkte sammeln und diese später bei Zahlungen über die App einlösen können. Wann genau dies starten soll, ist noch nicht bekannt. N26 bietet ein solches „Cashback“-System nur bei seinen Geschäftskonten an.

Folgen sollen bei Boon Planet zudem weitere Finanzdienstleistungen wie Versicherungen. In diesem Feld ist auch N26 bereits aktiv – dank einer Kooperation mit dem Versicherungs-Start-up Clark, das Nutzern dabei hilft, ihre Versicherungspolicen zu organisieren.

Strategische Partnerschaften plant Wirecard darüber hinaus mit Mobilitätsanbietern. Geplant sei, beispielsweise Verkehrs-Apps direkt in die Banking-App zu integrieren. „So können Verbraucher aus Boon Planet heraus ein Taxi bestellen oder öffentliche Fahrradverleihdienste nutzen und gleich zahlen“, so das Unternehmen.

Eine solche Verknüpfung zwischen Finanz-Management und Alltagsdienstleistung bieten andere Neobanken in Deutschland noch nicht. Es erinnert jedoch an Angebote in den Apps von Alipay oder Wechat-Pay, die ihren Kunden eine Plattform zum Organisieren vieler Alltagsbedürfnisse bieten.

Wie erfolgreich das Angebot von Wirecard sein wird, bleibt abzuwarten, denn die Konkurrenz ist groß. Neben N26 und Revolut ist auch die Smartphonebank Tomorrow in Deutschland aktiv – mit Fokus auf nachhaltige Geldanlage –, ebenso die niederländische Smartphonebank Bunq, der britische Anbieter Monese und Moneyou, ein Tochterunternehmen der niederländischen Großbank ABN Amro.

Folgen wollen mit Tandem und Starling zudem zwei weitere Smartphonebanken aus Großbritannien und gerade hat die tschechische Air Bank für ihre Tochter Velvon eine deutsche Banklizenz beantragt.

Mehr: Markus Braun hat mit Wirecard Großes vor. In den kommenden Jahren will er das Geschäft verdreißigfachen – und die Banken mit Smartphone-Konten angreifen.

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