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Policen Bei Restschuldversicherungen laufen die Kunden davon

Eine Studie der Marktwächter der Verbraucherzentrale Hamburg zeigt hohe Stornoquoten bei Restschuldversicherungen. Die Branche wehrt sich energisch.
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Für den Fall, dass ein Kunde sein Darlehen nicht mehr bedienen kann, bieten Banken zum Kredit häufig gleich die passende Versicherung an. Quelle: Imago
Restschuldversicherungen

Für den Fall, dass ein Kunde sein Darlehen nicht mehr bedienen kann, bieten Banken zum Kredit häufig gleich die passende Versicherung an.

(Foto: Imago)

FrankfurtFür die einen ist es ein wichtiger Versicherungsschutz, für die anderen hingegen ein rotes Tuch: die Restschuld-Police, mit der Verbraucher ihren Kredit absichern können, etwa gegen Todes- oder Krankheitsfälle oder Arbeitsplatzverluste. Dies geschieht allerdings mitunter zu hohen Preisen, wie Verbraucherschützer monieren.

In wenigen Wochen will ein Runder Tisch von Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Experten in Berlin darüber beraten, ob die europäische Richtlinie zum Versicherungsvertrieb (IDD), wonach die Banken seit Februar 2018 über Restschuldversicherungen besser informieren müssen, die Situation in Deutschland positiv verändert hat.

Doch die Marktwächter der Verbraucherzentrale Hamburg sehen weiterhin noch einiges im Argen. Eine aktuelle Studie der Hamburger, die am Dienstag veröffentlicht wurde, deutet auf ungewöhnlich hohe Kündigungsquoten bei den Restschuldversicherungen hin.

Verband widerspricht Vorwürfen

„Restschuldversicherungen sind zwar auf relativ kurze Zeiträume ausgerichtet, werden jedoch bei über der Hälfte der befragten Anbieter besonders häufig vorzeitig beendet“, sagte Sandra Klug, Teamleitung Marktwächter Finanzen bei der Verbraucherzentrale Hamburg.

Die Verbraucherschützer haben dabei in einer nicht-repräsentativen Untersuchung 23 Restschuldversicherer zu Leistungs- und Stornoquoten befragt. Die Stornoquote drückt dabei aus, wie viele Versicherungsverträge innerhalb eines Kalenderjahres vorzeitig abgebrochen werden.

Für Verbraucher sei ein Storno jedoch finanziell wegen geschmälerter Rückerstattungen oft besonders nachteilig. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) forderte darum abermals, Provisionshöhen zu begrenzen und klare Regeln aufzusetzen, so dass die Versicherungsprämie nicht länger über den Kredit finanziert werden dürfe.

Die Branche sieht sich zu Unrecht am Pranger. Die Aussage des Marktwächters, dass „die Stornoquote bei über der Hälfte der befragten Anbieter“ über dem Branchendurchschnitt liege, treffe fast zwangsläufig zu, betonte ein Sprecher des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Es liege in einer statistischen Normalverteilung immer die Hälfte über und die andere Hälfte unter dem Schnitt.

Zudem sei, so der Sprecher, der genannte Mittelwert gemessen an einem Versicherungszweig mit deutlich länger laufenden Verträgen nicht auffallend hoch, zumal eine Stornierung der Restschuldversicherung auch darauf zurückzuführen sein kann, dass der abgesicherte Kredit vorzeitig getilgt wurde.

Die Politik hatte sich 2017 bereits auf eine Verbesserung des Verbraucherschutzes bei diesen Produkten verständigt. Der Versicherungsnehmer wird seit Februar 2018 nun nach den neuen Regeln eine Woche nach dem Abschluss der Restschuldversicherung noch einmal schriftlich darauf hingewiesen, dass er sie noch widerrufen kann. Neu ist auch, dass der Zinssatz für den Kredit und die Kosten für die Restschuldversicherung getrennt und klar erkennbar ausgewiesen werden.

Verbraucherrechte bereits gestärkt

Im Jahr 2015, aktuellere Zahlen liegen nicht vor, belief sich nach Angaben der Finanzaufsicht Bafin die Anzahl dieser Policen bei rund 2,01 Millionen. Jeder vierte Verbraucherhaushalt in Deutschland nutzt jedoch regelmäßig Ratenkredite, um Konsumgüter wie Möbel oder Autos anschaffen zu können. Dabei gewinnt die Absicherung der monatlichen Raten immer mehr an Bedeutung.

Eine vorzeitige Beendigung der Versicherung berge für Verbraucher jedoch oft besondere Nachteile, kritisieren die Verbraucherschützer. Vielfach werde die Einmalprämie für die Versicherung über den Verbraucherkredit finanziert und müsse mit den Monatsraten abbezahlt werden.

Im Falle einer vorzeitigen Vertragsbeendigung erhielten Verbraucher aber nur eine Rückerstattung, die mit pauschalen Rückrechnungsformeln ermittelt würde. Im Regelfall liege dieser Erstattungsbetrag für die Versicherung unter der verbleibenden, anteiligen Restschuld des Kredites, die der Verbraucher für die Einmalprämie noch zu zahlen habe.

Auch dem widerspricht der GDV. Der Verband argumentiert mit den neuen Richtlinien, die Kunden über Widerrufsmöglichkeiten und -fristen informieren. Die neuen Instrumente müssten jedoch auch erst einmal ihre Wirkung in der Anwendung entfalten können.

„Die Erörterung weiterer Maßnahmen vor Auswertung der Ergebnisse dieser Veränderungen hält der GDV für vorschnell, die Einführung eines Provisionsdeckels zur Vermeidung von Fehlanreizen dementsprechend für unnötig“, sagte der Sprecher.

Vor allem die hohen Provisionen bei der Vermittlung stören Verbraucherschützer. Laut einer Bafin-Prüfung erhielten „zwölf Kreditinstitute exakt 50 Prozent der Versicherungsprämie als Provisionshöchstsatz, zwölf Kreditinstitute weniger als 50 Prozent und sieben Kreditinstitute mehr als 50 Prozent der Versicherungsprämie“, heißt es in einem Positionspapier der Verbraucherzentralen.

„Restschuldversicherungen in der heutigen Prägung sind ein Geschäft zwischen Versicherungen und Kreditwirtschaft zu Lasten von Verbrauchern“, kritisierte Dorothea Mohn, Leiterin des Teams Finanzmarkt beim vzbv. „Der Gesetzgeber muss die erlaubte Provisionshöhe deutlich begrenzen und regeln, dass die Versicherungsprämie nicht länger über den Kredit finanziert werden darf.“ Für regen Gesprächsstoff beim Runden Tisch in Berlin sollte damit wohl gesorgt sein.

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