Postbank mit neuem Gebührenmodell Gratiskonten nur noch für Besserverdienende

Die größte Privatkundenbank Deutschlands ändert ihr Geschäftsmodell: Deutlich weniger Kunden der Postbank wird künftig ein kostenloses Girokonto angeboten. Welches Entgelt fällig wird und für wen es Ausnahmen gibt.
Update: 19.08.2016 - 11:18 Uhr 32 Kommentare
Kunden der Postbank stehen vor einer Filiale am Geldautomaten: Die Postbank schränkt die Zahl der Gratiskonten drastisch ein. Quelle: dpa
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Kunden der Postbank stehen vor einer Filiale am Geldautomaten: Die Postbank schränkt die Zahl der Gratiskonten drastisch ein.

(Foto: dpa)

BonnViele Kunden der Postbank müssen künftig für ihr Girokonto Geld bezahlen. Die größte Privatkundenbank Deutschlands kündigte am Freitag zum 1. November 2016 eine Neuausrichtung ihrer Kontolandschaft und ein verändertes Preismodell an. Hintergrund ist die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB): Die anhaltend niedrigen Zinsen machten es immer schwerer, mit dem Girokonto Geld zu verdienen, begründete Postbank-Vorstand Susanne Klöß den Schritt.

Erstmals führt die Postbank ein Online-Konto mit einer monatlichen Grundgebühr von 1,90 Euro ein. Ein flexibles Konto mit einem Entgelt von 3,90 Euro gibt es für Kunden, die ihre Bankgeschäft sowohl online als auch in Filialen abwickeln wollen. Neben dem Basis-Konto bietet die Postbank auch künftig ein Premium-Konto mit umfassenderen Leistungen an, das monatlich weiter 9,90 Euro kostet. „Es wird bei uns aber nach wie vor ein kostenloses Girokonto geben“, sagte Klöß der Deutschen Presse-Agentur; nämlich für junge Leute und für Kunden mit einem Geldeingang von 3000 Euro pro Monat.

Das neue Gebührenmodell wirkt sich laut „Süddeutscher Zeitung“ so aus, dass es für Kunden mit weniger als 1000 Euro Gehaltseingang billiger wird – 3,90 statt bisher 5,90 Euro im Monat. Klöß beziffert ihre Zahl auf rund eine Million. Die Mehrheit der Kunden, jene mit einem Gehaltseingang zwischen 1000 und 3000 Euro, zahlen künftig erstmals eine Gebühr – 3,90 Euro im Monat. Über 3000 Euro Gehaltseingang können Kunden wiederum das kostenlose Premium-Konto nutzen.

„Wir müssen raus aus dieser Welt, in der Girokonten querfinanziert wurden“, begründete Postbank-Vorstand Susanne Klöß im Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ die Umstellung. Die derzeitige Gratis-Kultur habe die Postbank selber mitbegründet. In der Zwischenzeit habe sich aber der Rahmen völlig verändert. In einer Welt mit höheren Zinsen habe eine Bank die Einlagen der Girokonto-Kunden anlegen und daher auf ein Entgelt für die Kontoführung verzichten können. „Natürlich geht es uns auch um die Erträge“, sagte Klöß. Die Postbank habe Mitarbeiter und Gesellschafter, denen sie gerecht werden müsse: „Wir brauchen ein nachhaltiges Geschäftsmodell.“

Auf die Frage, ob mit dem neuen Gebührenmodell die meisten Kunden mehr zahlen, sagte Klöß: „Ja, das ist so.“ Aber sie bekämen auch etwas dafür: die komplette Kontoführung, das Online-Banking, mehr als 1000 Filialen, 9000 Stellen zur Bargeldversorgung. „Wenn man in Frankfurt eine Stunde parkt, kostet das 2,50 Euro“, sagte Klöß, die im Postbank-Vorstand für Produkte zuständig ist. „Darüber diskutiert kein Mensch. Hier reden wir von 3,90 im Monat, und da stelle ich nicht für zwei Stunden ein Auto ab, sondern bekomme einen echten Gegenwert in Form einer Dienstleistung.“

Die Postbank hat rund 14 Millionen Kunden, darunter mehr als 5 Millionen mit einem Girokonto. Sie ist damit nach den Sparkassen und Volksbanken die größte Privatkunden-Bank Deutschlands. Die Zahl der Girokonten, die 2015 stagnierte, ist nach den Worten von Klöß im ersten Halbjahr 2016 wieder gestiegen. „Aber klar, einige werden sich jetzt umorientieren. Ich bin nicht blauäugig“, sagte sie.

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32 Kommentare zu "Postbank mit neuem Gebührenmodell: Gratiskonten nur noch für Besserverdienende"

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  • 3000 € regelmäßiger Geldeingang? Besserverdienende? Geht es auch eine Nummer kleiner?

    Das ist sicherlich nicht etwas das jeder AN netto verdient. Aber doch mehr als dass man 3 T€ schon als Besserverdiener bezeichnen sollte... Zumal ja auch bisher schon bei Geldeingängen < 1.000€ / Monat eine Gebühr fällig wurde.

    Wobei eigentlich die Banken bei Negativzinsen doch froh sein sollten Leute zu haben, die nicht so viel kurzfristiges Geld rein bekommen und rumliegen haben...

  • Herr Baron v. Fink,

    das ist sicher zutreffend. Aus Gründen der Sicherheit ist bei mir der Postversand abgeschafft und damit zwangsläufig die Portokasse.

  • Herr Peer Kabus@
    Die Erträge gehen in eine Holding aber eben Kleinbeträge wie Renten und Porto bemerkt man doch gar nicht, egal ob sie zu oder ab fließen.

  • Herr Baron v. Fink,

    habs jetzt richtig gelesen und verstanden. Hatte es dummerweise so verstanden, dass Ihre Holding über die Portokasse gesponsert wird.

  • Herr Peer Kabus
    Ich schrieb doch, vorgeschaltete Holding, selbst habe ich nichts mit alledem zu tun. Für was gibt es denn den Büttel und Dienstleister wie Diener?

  • Herr Baron v. Fink,

    wollen Sie aus reiner Profitgier ganze Heerscharen von Deutschlehrern, usw. arbeitslos machen?

  • Herr Baron v. Fink,

    Portokasse? Haben Sie denn keinen eigenen Kurierdienst? Ich meine, dem steuergeldverschwendenden, raffgierigen Staat sollte man wahrlich keine Schnüffelmöglichkeiten bieten. Da sind ja Brieftauben sicherer.

  • Herr Peer Kabus@
    Soweit mir bekannt, verfügt der Staat über 250 überzählige Schiffe und zahllose Container. Auf diese als Insel definierten Homelands könnten Infizierte ein Sorgenfreies Leben verbringen. Ich hätte hier die Idee, dass meine Tanker Wasser,
    Heizöl u.s.w. zu diesen Inseln auf Staatskosten bringen könnten.

  • Herr Peer Kabus@Renten sind doch keine Almosen"
    Ach den Zahlungseingang solcher Kleinbeträge zu Überwachen ist doch viel zu mühsam. Obwohl, wenn man sie in der vorgeschalteten Holding versickern lässt,
    etwa wie Porto, merkt man eigentlich nichts davon.

  • Herr Baron v. Fink,

    Da tendiere ich eher dazu, den Proleten jeweils eine Lebensqualität via "Firmenphilosophie" und deren Vorzüge (man bedenke allein den Wegfall der Anfahrt zur Arbeitsstelle, bei denen man verunfallen oder sich bei "Fremden" anstecken kann), näherzubringen, die es zu verinnerlichen gilt :)

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