Prämien sinken langsamer Rückversicherer hoffen auf die Hurrikan-Saison

Die Rückversicherer wären schon zufrieden, wenn die Prämien in Zukunft langsamer zurückgehen als zuletzt. Die Branche ist genügsam geworden – und setzt ihre Hoffnung ausgerechnet in eine heftige Hurrikan-Saison.
Die Prämien der Rückversicherer sinken und sinken. Das könnte sich bei einer heftigen Hurrikan-Saison ändern. Quelle: dpa
Hoffnungen auf die Hurrikan-Saison

Die Prämien der Rückversicherer sinken und sinken. Das könnte sich bei einer heftigen Hurrikan-Saison ändern.

(Foto: dpa)

Frankfurt/LondonVon steigenden Preisen kann in der Rückversicherung noch keine Rede sein. Aber dass die Prämien langsamer zurückgehen als in den vergangenen Jahren, ist für manche in der Branche vor dem jährlichen Branchentreffen in Monte Carlo in der nächsten Woche der Hoffnungsschimmer, auf den sie gewartet haben.

Die Experten der Ratingagentur Standard & Poor's etwa rechnen damit, dass der Rückversicherungsschutz für die Erstversicherer im nächsten Jahr noch einmal um fünf Prozent billiger wird. „Wir gehen für alle Erneuerungsrunden von sinkenden Preisen aus“, sagt Rating-Analyst Johannes Bender. 2014 waren die Preise allerdings teilweise noch um mehr als zehn Prozent eingebrochen.

Die Branche ist genügsam geworden: Michel Lies, der Chef des weltweit zweitgrößten Rückversicherers Swiss Re, sagte Reuters in einem Interview kürzlich: „Wenn die Stabilisierung auf diesem Niveau stattfindet, bin ich kein unglücklicher Mann.“ Bei dem Vorbereitungstreffen für die nächsten Verhandlungsrunden mit den Erstversichern im Fürstentum am Mittelmeer wird sich von Sonntag an zeigen, ob die Hoffnungen begründet sind.

Wo die Natur die meisten Schäden hinterlassen hat
Weniger Tote und Sachschäden
1 von 12

Naturkatastrophen haben die Menschheit in diesem Jahr bislang deutlich weniger getroffen als in den vergangenen Jahrzehnten. Zu diesem Ergebnis ist die Münchener Rückversicherungsgesellschaft in ihrer Naturkatastrophenbilanz gekommen. Demnach sind im ersten Halbjahr 2015 annähernd 16.000 Menschen ums Leben gekommen – mehr als die Hälfte davon bei dem Erdbeben Ende April in Nepal. Im Durchschnitt der vergangenen 30 Jahre seien 27.000 Tote zu beklagen gewesen. Insgesamt waren von Januar bis Juni Schäden von 35 Milliarden US-Dollar zu verzeichnen, während der Durchschnittswert der vergangenen 30 Jahre rund 64 Milliarden US-Dollar betrug.

Quelle: Munich RE

Erdbeben in Nepal
2 von 12

Am 25. April verursachte ein Erdbeben der Stärke 7,8 in ganz Nepal, vor allem in der Hauptstadt Kathmandu, katastrophale Zerstörungen – es ist das stärkste Beben seit mehr als 80 Jahren. 8.850 Menschen wurden getötet, etwa drei Millionen Menschen wurden obdachlos. Bei einem weiteren Beben der Stärke 7,3 zweieinhalb Wochen später kamen nochmals 230 Menschen ums Leben.

Nach dem Erdbeben in Nepal
3 von 12

Das Erdbeben hat viele Häuser und Teile des kulturellen Erbes der Menschheit zerstört. Der Gesamtschaden betrug demnach 4,5 Milliarden US-Dollar, davon waren nur 140 Millionen US-Dollar versichert. Die Dimension der Schäden offenbart sich bei der Betrachtung der Wirtschaftskraft: Sie machten knapp ein Viertel des Bruttoinlandsprodukts eines Jahres aus.

Wintersturm in den USA und Kanada
4 von 12

Die USA wurde Ende Februar in eine dicke Winterdecke gehüllt. Eine Reihe von Winterstürmen, die Anfang des Jahres den Nordosten der USA und Kanadas trafen, war für die Versicherungswirtschaft die teuerste Naturkatastrophe. Der versicherte Schaden betrug 1,8 Milliarden US-Dollar, die Gesamtschäden 2,4 Milliarden US-Dollar. In Boston fielen den Winter hindurch insgesamt fast drei Meter Schnee – ein absoluter Rekord.

Schneechaos in den USA
5 von 12

Zwölf Tote, gestrichener Unterricht, Stromausfälle und viele Unfälle: Zeitweise waren Zehntausende Menschen während den schweren Schneefällen ohne Strom. Tausende Flüge mussten gestrichen oder umgeleitet werden. Insgesamt entstanden durch den harten Winter 2014/15 in den USA direkte Gesamtschäden von 4,3 Milliarden US-Dollar. Die indirekten Schäden durch Flugverspätungen, Stromausfälle und Geschäftsunterbrechungen sind hierbei nicht einberechnet.

Unwetter in Mexiko und dem Süden der USA
6 von 12

Tote, viele Verletzte, zerstörte Häuser und durch die Luft gewirbelte Autos in Mexiko: Verheerende Unwetter und Stürme haben den Süden der USA und den Norden Mexikos in Katastrophengebiete verwandelt. Insgesamt verursachte das Unwetter zwischen April und Juni jeweils Schäden über einer Milliarde US-Dollar, davon war jeweils rund eine dreiviertel Milliarde US-Dollar versichert.

Am stärksten war Texas betroffen
7 von 12

Mit am stärksten war die Region Wimberley in Texas von den Unwettern betroffen, allein dort wurden 400 Gebäude zerstört, mehr als 1000 beschädigt. Im ersten Halbjahr betrug der Schaden in den USA durch solche Unwetter, die teilweise von Tornados oder Hagel begleitet wurden, 6,5 Milliarden US-Dollar, davon waren 4,8 Milliarden US-Dollar versichert.

Ein Grund für den nachlassenden Preisdruck ist die Tatsache, dass die Aussichten für die neue Konkurrenz der Rückversicherer auch nicht mehr so rosig sind. Knapp 70 Milliarden Dollar haben Hedgefonds und andere Investoren über Katastrophen-Anleihen oder direkt in den Sektor gepumpt und der ehrwürdigen Branche damit das Wasser abgegraben. Zweistellige Renditen zogen neues Kapital an wie der Honig die Bienen.

Doch für die nächsten Jahre sagen die S&P-Experten den Rückversicherern nur noch eine Verzinsung des Eigenkapitals von acht bis zehn Prozent voraus – zu wenig für die renditehungrigen Fonds. 2014 hatte die Branche im Schnitt netto noch zwölf Prozent verdient.

Die Hoffnung liegt auf Hurrikans
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%