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Presseschau „Die letzte Chance für die Deutsche Bank“ – das schreibt die internationale Presse zum Konzernumbau

Der Konzernumbau bei der Deutschen Bank sorgt für ein breites Medienecho. Die Neuausrichtung sei notwendig, der Stellenabbau wird jedoch kritisiert.
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Der Konzern will sich wieder auf sein Deutschland- und Europageschäft fokussieren. Quelle: dpa
Umbau bei der Deutschen Bank

Der Konzern will sich wieder auf sein Deutschland- und Europageschäft fokussieren.

(Foto: dpa)

New York Mit der Neuausrichtung der Deutschen Bank baut der Konzern bis 2022 massiv Stellen ab. 18.000 Jobs sollen laut Vorstandschef Christian Sewing wegfallen. Vor allem die Investmentbank soll deutlich verkleinert werden. Hier hatte die Deutsche Bank in den vergangenen Jahren große Ambitionen – doch aus dem weltweiten Aktiengeschäft ziehen sich die Frankfurter jetzt weitestgehend zurück.

Damit endet eine Ära bei der Deutschen Bank. 1989 wurde mit dem Kauf der britischen Bank Morgan Grenfell der Einstieg ins internationale Investment-Geschäft besiegelt, weitere Übernahmen folgten unter anderem in den USA. Diese Strategie funktionierte bis zur weltweiten Finanzkrise auch erfolgreich, doch nach 2008 konnte die Deutsche Bank nicht mehr zu alter Stärke zurückfinden – Skandale und Strafzahlungen in Milliardenhöhe bestimmten die Schlagzeilen.

Die internationale Presse nimmt den Konzernumbau der Deutschen Bank jetzt als eine Art notwendiges Übel auf. Der Stellenabbau wird negativ gesehen, der Wegfall von 18.000 Jobs bereitet den Deutsch-Bankern vor allem an den Finanzplätzen London und New York Sorgen. Doch es herrscht auch Optimismus, dass die Deutsche Bank mit der Rückbesinnung auf ihre Kernkompetenzen den nachhaltigen Wandel schaffen kann. Die Pressestimmen.

„Financial Times“ – Deutsche Bank kehrt zu ihren Wurzeln zurück

Die britische Finanz- und Wirtschaftszeitung analysiert den Konzernumbau der Deutschen Bank als eine der radikalsten Umstrukturierungen bei einer Bank seit dem Ende der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise. Die Deutsche Bank habe sich zuletzt in einem Teufelskreis aus rückläufigen Gewinnen, hohen Kosten, einer gesunkenen Bonität und gestiegenen Finanzierungskosten befunden, so das britische Blatt.

Die neue Strategie der Deutschen Bank signalisiere eine Abkehr von den Ambitionen, der europäische Rivale von Goldman Sachs zu sein. Die Bank fokussiere sich nunmehr auf ihre Kernaufgaben: die Finanzierung von deutschen und europäischen Firmenkunden, sowie das Privatkundengeschäft in Deutschland.

„Le Monde“ – Das Flaggschiff der deutschen Finanzbranche kehrt in ruhigeres Fahrwasser zurück

Die französische Tageszeitung hebt vor allem den Wegfall von 18.000 Stellen bei der Deutschen Bank hervor. Trotz der negativen Folgen für die Beschäftigten sei dies der einzige Weg, das einstige Flaggschiff der deutschen Finanzbranche wieder in sicheres Fahrwasser zu bringen.

Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing habe seit seinem Antritt im vergangenen Jahr kontinuierlich die Weichen für diesen Umbau gestellt, indem er das Geldhaus auf stabilere Geschäfte ausgerichtet und sich wieder auf den Kernmarkt der Deutschen Bank – Deutschland und Europa – konzentriert habe. Zudem hebt die französische Zeitung die Probleme des deutschen Bankensektors insgesamt hervor. Allein im vergangenen Jahr seien in diesem Wirtschafsbereich über 32.000 Stellen abgebaut worden – offenbar der höchste Wert seit der Wiedervereinigung 1990.

„The Guardian“ – Londoner Deutsch-Banker haben Angst um ihren Job

Die Deutsche Bank blickt laut Aufsichtsratschef Achleitner mit Selbstbewusstsein und Optimismus in die Zukunft – dabei steckt das Geldhaus in einer schweren Krise. Laut dem britischen Guardian grassiert in London die Angst vor Arbeitsplatzverlust und Stellenabbau unter den Deutsch-Bankern – wie viele Stellen in der britischen Hauptstadt betroffen sein werden ist unklar.

Laut der britischen Tageszeitung hat der Ruf der Deutschen Bank vor allem im vergangenen Jahr massiv gelitten. Neben dem Nichtbestehen des US-Banken-Stresstests habe auch die Razzia im Zuge der Panama-Papers-Ermittlungen für einen Vertrauensverlust gesorgt.

„New York Times“ – Deutsche Bank schraubt ihre Ambitionen zurück

Die New York Times beschreibt den Konzernumbau der Deutschen Bank als letzte Chance, aus der Verlustzone der vergangenen Jahre herauszukommen. Seit der Finanzkrise 2008 sei die Deutsche Bank nicht mehr richtig auf die Beine gekommen und habe sich an ihren eigenen Ambitionen verhoben.

Auch die Kredite an die Unternehmensgruppe von US-Präsident Donald Trump seien höchst riskant gewesen, andere Banken hätten dieses Geschäft niemals mitgemacht. Während andere europäische Banken wie UBS oder Barclays bereits nach der Finanzkrise 2008 einen Gang zurückgeschaltet und sich auf ihre Kernkompetenzen fokussiert hätten, habe die Deutsche Bank immer mehr auf Wachstum gesetzt und nach glamourösen und prestigeträchtigen Marktbereichen getrachtet. Das wurde ihr nun beinahe zum Verhängnis.

„Neue Zürcher Zeitung“ – Der Beginn der Reanimation der Deutschen Bank

Die Schweizer Tageszeitung zeichnet ein düsteres Bild von der Deutschen Bank. Das Geldhaus läge seit Jahren auf dem Sterbebett, der Börsenwert sei implodiert und ob der jetzt eingeleitete Konzernumbau tatsächlich zum Erfolg führt, sei völlig ungewiss.

Die Deutsche Bank hat laut der Neuen Zürcher Zeitung massive Fehlentwicklungen durchgemacht, zum Teil bereits vor der Finanzkrise. Die Investmentbank sei vollkommen überdimensioniert gewesen und die Ambitionen, die die Deutsche Bank mit diesem Geschäftszweig hatte, seien viel zu groß.

„De Tijd“: Erfolg der Deutsche-Bank-Umstrukturierung ist nicht sicher

Die belgische Zeitung „De Tijd“ hält den radikalen Konzernumbau bei der Deutschen Bank keineswegs für die Lösung aller Probleme des Geldhauses. „Die Umstrukturierung ist nicht von vornherein ein gewonnenes Spiel“, heißt es. Die Bank müsse zur Finanzierung des Konzernumbaus gleichzeitig die Kosten deutlich senken und die Einnahmen auf dem gleichen Niveau halten.

Dabei sei es ausgeschlossen, sich an der Börse zu finanzieren. „Die Aktie steht auf einem so niedrigen Niveau, dass der Weg zur Börse blockiert ist.“ Wenn die Konjunktur nicht mitspiele, könnte die Bank in einen echten Sturm geraten. Aber selbst wenn diese schmerzhafte Schlankheitskur gelingt, bleibe eine Bank übrig, die zu einer attraktiven Übernahmebeute geworden ist.

Mehr: Der Umbau der Deutschen Bank ist das Ende einer Irrfahrt. Der Sanierungsplan ist mutig, schmerzhaft und teuer – aber auch notwendig.

Deutsche Bank streicht 18.000 Arbeitsplätze

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2 Kommentare zu "Presseschau: „Die letzte Chance für die Deutsche Bank“ – das schreibt die internationale Presse zum Konzernumbau"

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  • Der Stellenabbau ist gerade im Investmentbereich absolut notwendig: Mitarbeiter, die hohe Boni kassieren und keine Gewinne erwirtschaften, sind für das Überleben der Bank nicht notwendig.
    Die Deutsche Bank zahlte in den letzten Jahren pro Jahr mehr als 10% ihrer Marktkapitalisierung als Boni aus und es wurden KEINE Gewinne erwirtschaftet, von Dividenden ganz zu schweigen.
    Der Stellenabbau ist sinnvoll!

  • Als Kant gemeint hat: "Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen", war das keine freundlich gemeinte Aufforderung. Es war beißender Spott. Mental reduzierte Fähigkeiten sieht man desshalb auch nicht nur am mitternächtlichen Stammtisch, wenn außer der Stimmung, auch der Alkoholspiegel gewaltig gestiegen ist. Denn eine der ausgeprägten menschlichen Eigenschaft - die Gier - zeigt die gleiche Wirkung. Rückblick: Mitte der Achtziger war der Trend bei den Großbanken weg vom Kleinsparer und Kleinanleger, hin zum Investment und Großkundengeschäft. Wer seinerzeit noch sein Girokonto oder Sparbuch bei der Deutschen Bank hatte, dem ist bestimmt noch die Arroganz und Borniertheit in Erinnerung, mit dem man den "lästigen Pfenniganleger" mehr oder weniger unverholen aufgefordert hat, sein Sparbuch doch gefälligst bei einer anderen Bank zu eröffnen. Ich habe das damals getan und bin heute heilfroh bei einer Genossenschafts Bank zu sein, die NICHT mit riskanten Kasino-Spekulationen das Geld der Kunden gefährdet. Die kriminellen Machenschaften der Deutschan Bank (wie sie jetzt nach und nach aufgedeckt werden) sind die ganz natürliche Erscheinung des Gier-getriebenen Kapitalismus. Kapitalismus könnte mit Vernunft und Verantwortung gelenkt, eine gute Sache sein. Aber, es wird sich bestimmt nichts ändern. Die Mehrheit wird von der Gier getrieben, für die vernünftiges Handeln lächerlich ist. Wer´s nicht glaubt, sollte oben bei Kant nochmal beginnen.