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Privatbank Die Sutor Bank setzt auf umstrittene Finanzmakler

Hohe Provisionen, schlechte Beratung: Der Vertriebspartner der Sutor Bank steht in der Kritik. Pikant: Bankchef Freitag ist persönlich beteiligt.
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Die Sutor Bank setzt auf umstrittene Finanzmakler Quelle: Johannes Arlt für Handelsblatt
Thomas Meier (l.) und Robert Freitag

Die geschäftsführenden Gesellschafter stehen in der Kritik. Robert Freitag (rechts) ist an der Maklerfirma beteiligt, die für die Bank Finanzprodukte vertreibt.

(Foto: Johannes Arlt für Handelsblatt)

FrankfurtDie Sutor Bank inszeniert sich gern als Privatbank für die kleinen Leute. Das Hamburger Institut investiert in Fintechs und setzt bei der Anlageberatung auf Robo Advisor – alles, beteuert die Bank, um die Gebühren niedrig zu halten und Kleinsparern beim Vermögensaufbau zu helfen.

Robert Freitag, geschäftsführender Gesellschafter der Sutor Bank, lässt sich auf der Webseite des Geldhauses mit den Worten zitieren: „Behandle jeden, wie du selbst behandelt werden willst – diese Devise pflegen wir auch in unserem Kundengeschäft.“

Anlegerin Sandra Schneider, die ihren richtigen Namen nicht in der Zeitung lesen will, hat andere Erfahrungen gemacht: Sie hatte über einen selbstständigen Vermittler der Maklerfirma Multi-Invest Gesellschaft für Vermögensbildung einen Edelmetallsparplan der Sutor Bank abgeschlossen.

200 Euro monatlich sollte sie über 35 Jahre in das Gold-Produkt der Sutor Bank einzahlen. Als Abschlussprovision verlangte der Berater 6490 Euro. Vier Jahre lang sollten ihre Sparraten hauptsächlich dafür verwendet werden, die Provision abzustottern. Als ihr ein Bekannter dazu riet, die Zahlungen einzustellen, forderte die Multi-Invest die gesamte Provision auf einen Schlag ein.

Auf Handelsblatt-Anfrage räumt die Sutor Bank zwar ein, dass die Multi-Invest ein wichtiger Vertriebspartner der Bank ist. Auf die Höhe der Provisionen habe man jedoch keinen Einfluss: „In der Gestaltung ihrer Tarife ist die Multi-Invest autark“, teilt eine Sprecherin mit. „Wir empfehlen unseren Partnern jedoch ausdrücklich, Gebühren in einem vertretbaren Rahmen zu halten.“

Ganz ohne Mitspracherecht ist die Bank jedoch nicht: Bankchef Freitag ist selbst an der Multi-Invest Gesellschaft für Vermögensbildung beteiligt. Sein Anteil beträgt rund acht Prozent.

Für die Sutor Bank wird die Zusammenarbeit mit der Multi-Invest zum Reputationsrisiko. Seit Jahren häufen sich bei Verbraucherschützern und in Internetforen die Beschwerden über die Maklerfirma aus Eschborn bei Frankfurt. Die Provisionen seien exorbitant, die Beratungsgespräche vielfach ungenügend, so der Vorwurf. Bankchef Robert Freitag muss sich zudem fragen lassen, ob er durch sein finanzielles Engagement bei der Multi-Invest einen Interessenkonflikt riskiert.

Julia Redenius-Hövermann, Juraprofessorin und Expertin für Banken-Compliance an der Frankfurt School of Finance, sieht Beteiligungen zwischen Banken und Vertriebsorganisationen kritisch: Diese seien zwar grundsätzlich nicht verboten. „Aber selbst wenn die Beteiligung gering ist, hat so eine Konstellation natürlich einen Beigeschmack und kann zu Reputationsschäden führen.“

Sutor Bank sieht keinen Interessenkonflikt

Die Sutor Bank bewertet die Beteiligung dagegen positiv: Ein Interessenkonflikt sei nicht ersichtlich, da die Beteiligung nur bei acht Prozent liegt, so die Sprecherin. Diese trage jedoch zu einer langfristigen Kundenbindung bei und erlaube es Bankchef Freitag, „auch auf die Qualität des Schulungssystems bei der Multi-Invest“ einzuwirken.

Wie eine Beratung durch die so geschulten Multi-Invest-Berater abläuft, schildert Anlegerin Schneider. Ein selbstständiger Makler hatte einen Familienangehörigen von Schneider für den Finanzvertrieb angeworben. Beide saßen mehrere Sonntage in ihrer Küche und überzeugten sie unter anderem von dem Abschluss des Edelmetallsparplans.

„Er sagte, Gold sei wertbeständig, der Preis auf lange Sicht immer steigend“, berichtet Schneider. „Vertrauen, Vertrauen, Vertrauen“ – diese Worte habe der Makler in den Beratungsgesprächen immer wieder gebraucht. In der Anwesenheit des Familienangehörigen fasste Schneider Vertrauen – und unterschrieb, ohne die Unterlagen genauer zu prüfen.

Dass der Goldpreis mitunter großen Schwankungen unterliegt, sie Tausende Euro Provision zahlen und bis weit über ihr Renteneintrittsalter ihren Sparplan bedienen sollte, verschwieg der Vermittler. Aus Sicht der Multi-Invest handelt es sich bei solchen Fehlberatungen um Einzelfälle.

Für das Unternehmen seien mehr als 1800 freie Anlagevermittler tätig, erklärt Geschäftsführer Alexander Walleczek auf Anfrage. „Es liegt auf der Hand, dass es sich bei dieser Anzahl nicht vollständig ausschließen lässt, dass auch ‚schwarz Schafe‘ unter diesen Vermittlern sind.“

Kein Hinweis im Prospekt

Wer Verbraucherschützer und Anlegeranwälte fragt, erfährt: Der Name Multi-Invest tritt bei Beschwerden gehäuft auf. Dennoch hält die Sutor Bank an der Kooperation fest. Als Gesellschafter der Multi-Invest habe Freitag ein Auskunftsrecht, „was im Rahmen des Risikomanagements der Sutor Bank als positiv bewertet wird“, so die Banksprecherin.

Aus Sicht von Mario Bögelein, von der Kanzlei Bögelein und Axmann in Forchheim, der Anlegerin Schneider vertritt, bieten die Verflechtungen zwischen der Multi-Invest und der Sutor Bank eine weitere Angriffsfläche, um die hohen Provisionen anzufechten. Der Bundesgerichtshof vertrete seit vielen Jahren die Auffassung, dass Verbindungen zwischen Anlage- und Vertriebsgesellschaft transparent sein müssen.

„Wenn ich an allen Ecken und Enden mitverdiene, muss ein Hinweis im Prospekt erfolgen“, sagt Bögelein. Anleger sollten Verträge der Multi-Invest auf fehlerhafte Widerrufsbelehrungen und sittenwidrige Provisionen prüfen lassen, rät er. Und auch die Beteiligung von Sutor-Bank-Chef Freitag will Bögelein für seine Mandanten künftig nutzen. „Ich werde das in meinen Klagen anführen.“

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