Pro und Contra Der Kampf der Sparkassen gegen die Regulierung

Die Sparkassen wollen von der Banken-Regulierung ausgenommen werden. Es gibt gute Gründe dafür - und dagegen. Sie werden heute auf einer Handelsblatt-Tagung mit den Sparkassen diskutiert. Die wesentlichen Argumente.
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Die Sparkassen und dir Regulierung - ein spannendes Thema mit vielen Widersprüchen. Quelle: dpa

Die Sparkassen und dir Regulierung - ein spannendes Thema mit vielen Widersprüchen.

(Foto: dpa)

Frankfurt/BerlinMehr Kapital auf der hohen Kante, falls mal etwas schiefgeht; keine zu großen Finanzkonzerne, die am Ende vom Steuerzahler aufgefangen werden müssen; eine engmaschige Aufsicht über jene Banken, die den Bezug zur Realwirtschaft verloren haben - all das verlangen die internationalen Aufsichtsbehörden von allen Banken.

Die Sparkassen allerdings sagen: Wir sind anders. Wir brauchen diese Regulierung nicht. Heinrich Haasis, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes drückt es gegenüber Handelsblatt Online so aus:  „Es ist wie so oft: Die, die man packen kann, werden als erste gegriffen. Das bilanzwirksame Geschäft ist nun mal leichter erfassbar als jenes, das außerhalb stattfindet, also beispielsweise im Derivatebereich.“ 

Und bilanzwirksam, das ist das Geschäft der Sparkassen mit kleinen und mittleren Unternehmern, mit Kommunen und Privatleuten. Haasis befürchtet, dass dieses Geschäft schwieriger wird. Schwieriger, wenn die Regulierung, die als Folge der Finanzkrise verschärft werden soll, auch für die 430 Sparkassen in Deutschland greift, die zusammengenommen eine höhere Bilanzsumme haben als die Deutsche Bank.

Er wehrt sich. Betreibt er puren Lobbyismus oder hat er Recht? Sechs Gründe, warum die Sparkassen Recht haben, stehen sechs Gründen gegenüber, warum sie auf dem falschen Dampfer sind. Entscheiden Sie selbst:

Sollten Sparkassen von der Bankenregulierung ausgenommen werden?

Ja. Die Sparkassen mit ihrem regional ausgerichteten Geschäftsmodell haben sich als Stabilisator in der Finanzmarktkrise erwiesen. Ungerechterweise müssen sie jetzt auch noch die Zeche der weltweit angestoßenen Finanzmarktregulierung zahlen. Die Ursache für die Fast-Kernschmelze des internationalen Finanzsystems waren aber nicht die stabilen Geschäfte der Sparkassen.

Ja. Im Zuge der Einführung der härteren Eigenkapitalanforderungen nach Basel III werden sich die Mittelstandskredite verteuern. Der Mittelstand stellt aber das volkswirtschaftliche Rückgrat Deutschlands dar und ist nach wie vor stark kreditfinanziert. Es wäre ein Treppenwitz, wenn die Bankenregulierung zu Kreditkosten führt, die den Mittelstand stark belasten und die Wirtschaft in Deutschland damit abwürgen.

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25 Kommentare zu "Pro und Contra: Der Kampf der Sparkassen gegen die Regulierung"

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  • Und wer muss am Ende unter dem ganzen Regularien leiden? Der kleine Mitarbeiter, der sich Tag für Tag für sein Spk einsetzt und sich abkämpfen. Genau die, die für die Verlustgeschäfte von Landesbanken und Großbanken am wenigsten können.
    Nicht die einzelnen Spk und deren Mitarbeiter sind schuld an den Problemen. Die Geschäfte und Fehlkäufe (BayernLB) haben die Landesbanken schon selbst gemacht und POLITIKER und hohe Persönlichkeiten entschieden. Unter diesen Verlusten litten die Spk anteilig und letztendlich die Mitarbeiter durch entsprechende Einsparungen und Outsourcing.

  • Von der Bankenkrise 2008/9 so richtig betroffen waren als erste die Banken mit staatlichem Eigentümer, nämlich die Landesbanken. Brüssel hatte ihnen verboten, ab 1.1.2006 mit vom Steuerzahler garantierten Geld zu arbeiten. Daraufhin haben diese Banken noch unheimliche Summen aufgenommen (für die wir eh haften), um dann in eigenartige Finanzvehikel zu investieren ("Kreditersatz-geschäft"), die sich als Katastrophe entpuppten. Die privaten Banken schafften es fast alle ohne Staatshilfe!

  • Korrektur:

    Im letzten Satz muss es natürlich heißen "NICHT völlig losgelöst von der Aufgabe, ... zu diskutieren".

  • Die Schuldenkrise in Europa, nicht zu letzt in Griechenland, hat deutlcih werden lassen, wie dringend erforderlich es zu ihrer Überwindung ist, in den die entsprechenden Volkswirtschaften Wachstum und das heißt, eine starke wirtschaftliche Dynamik zu erreichen.

    Das heißt aber nichts anderes, als dass man VERSTÄRKT unternehmerische, innovative Aktivitäten fördern MUSS.

    Und weil es besonders Gründer, kleine und mittelgroße Unternehmen sind, die über ihr (von Innovationen getriebenes) Wachstum Arbeitsplätze schaffen - das wohl drängendste Problem in den Krisenstaaten angesichts extrem hoher Jugendarbeitslosigkeit - , sind eben genau für diese günstige Bedingungen für unternehmerische, innovative Aktivitäten zu schaffen.

    Wie, bitte, soll das funktionieren, wenn die Banken alle über einen Kamm geschoren werden und der Vergabe von Krediten enge Risikoleitplanken gesetzt werden? Innovation ist IMMER mit hohen Risiken und großer Ungewissheit verbunden! Insofern ist Basel III - wie auch schon Basel II - innovations- und damit wachstumshemmend und unter dem Strich angesichts der Wirtschafts- und Wachstumskrise in vielen EU-Staaten kontraproduktiv.

    Man sollte mal endlich damit anfangen, den Bankensektor und die Bankenregulierung völlig losgelöst von der Aufgabe, die Wirtschaft mit Geld zu versorgen, zu diskutieren. Das geht nämlich völlig an der Realität vorbei und wird den Problemen, die vor uns liegen, nicht gerecht.

    Mit freundlichen Grüßen an die Veranstalter und Teilnehmer der Tagung
    Stefan L. Eichner

  • @blindfish. Lieber bindfish, haben Sie wirklich alles gelesen was ich geschrieben habe? Dann haben Sie sicher auch gelesen, dass ich kein Konto in Deutschland habe sondern bei einer Bank in Asien.

  • Es wird von den 10 KLEINSTEN Sparkassen geredet.
    Millionen ist da shcon in Ordnung ;)

  • Es wird von den 10 KLEINSTEN Sparkassen geredet!

  • Mhm...

    Hab da mit dem Texteinfügen wollen etwas Schei*e gebaut! Denkt euch einfach beide Abschnitte unter Wolfgang´s Meinung...

  • Guten Morgen!

    "Bei den Volks- und Raiffeisenbanken sind zwar die Politiker nicht involviert, "

    >>> Natürlich sind Politiker -wie in so gut wie jedem Aufsichtsrat/Verwaltunsrat- auch bei den VR Banken vertreten! Das ist zum Glück i.d.R. nicht weiter tragisch, weil ja die Vorstände die Geschäfte leiten, und die Aufsichtsorgane (aus Bequemlichkeit, oft gepart mit Unwissenheit um die Materie) dies lediglich abnicken...

    "Diese Institute werben zwar damit, dass sie nicht von der Krise betroffen sein, das stimmt so aber nicht. Wie oben gezeigt sind diese sehr wohl betroffen und die Aussagen dieser Institute so nicht zutreffen. Und Zinsen auf ein Girokonto gibt auch nicht. Sparkasse, Volks- und Raiffeisenbanken erwirtschaften da zig Millionen zum Schaden der Kunden."
    1. Diese Institute sind unisono ohne Geld des Staates während der Finanzkrise ausgekommen! Die Landesbanken sind ein anderes Thema (in dem Artikel geht es auch nicht um diese)...
    2.Zu welchem Schaden der Kunden verdient denn eine Bank Millionen durch Girokonten?? Die Deckungsbeiträge durch Girokonten sind meistens negativ, sprich die Bank legt jeden Monat was drauf! Zumal: durch die steigenden Eigenkapitalanforderungen (Basel III etc.), gepaart mit dem aktuellen (negativen) Marktzinsen würde ich gerne wissen, wie da der Gewinn zustande kommt. Außerdem ist es doch wohl so, das man das Geld anlegen kann (und wenn´s nur auch dem klassischen Sparbuch ist), wenn man Zinsen oder Rendite erwirtschaften will...

  • "Die Beratung bei den Sparkassen für Anleger ist wie div. Prozesse gezeigt haben, ehr suboptimal. Von den Kosten liegen die auf Augenhöhe der Geschäftsbanken."

    Sie müssen die Verhälnismäßigkeit beachten! Natürlich gibt es und gab es Fehlberatungen (bei JEDER Ban). Aber wie oft??
    Diese ganzen Prozesse um Lehman-Anleihen usw. sind doch Kokolores! Wer sich mit einem marktgerechten Zins nicht begnügt und mehr will, geht auch mehr Risiko ein. Viele Zinsen auf der einen Seite nehmen, Verluste aber einklagen wollen passt schlecht zusammen! Bomben-Rendite mit Vollkasko gibt es einfach nicht.
    Zum Thema Kosten: Wir leben ja nicht im Kommunismus! Und es darf jeder frei wählen, zu welcher Bank er geht. Da die Gewährtägerhaftung nicht mehr gilt, sollte eine Sparkasse übrigens schon sehen, das am Ende des Jahres eine schwarze Zahl vorm Komma steht...

    "Wer Geld sparen will, der geht zu einer Onlinebank, holt sich eine Kreditkarte und kann so an allen ATM's weltweit sich mit Bargeld versorgen."

    ... und kann dann an jedem Geldautomat dieser Onlinebank kostenlos verfügen, oder wie?? ;D

    Ansonsten gebe ich ihnen uneingeschränkt Recht!!

    Mit den besten Grüßen

    Heinrich

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