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Prognose KfW-Prognose: Die fetten Jahre am Kreditmarkt sind bald vorbei

Die KfW rechnet mit einem Abschwung im Kreditgeschäft mit Unternehmen. Das dürfte vor allem Sparkassen und Volksbanken treffen. Die denken jetzt um.
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Die staatliche Förderbank sieht auf die Geldhäuser in Deutschland schwierige Zeiten zukommen. Quelle: KfW
KfW-Zentrale in Frankfurt

Die staatliche Förderbank sieht auf die Geldhäuser in Deutschland schwierige Zeiten zukommen.

(Foto: KfW)

Frankfurt Die Worte sind deutlich. Nach Einschätzung von Bafin-Chef Felix Hufeld müssen sich deutsche Banken nach den jüngsten Ankündigungen der Europäischen Zentralbank (EZB) auf noch härtere Zeiten einstellen. EZB-Präsident Mario Draghi hatte zuletzt eine weitere Zinssenkung ins Spiel gebracht.

„Dann werden mehr Banken aus dem Markt gehen“, sagte Hufeld am Dienstagabend im Internationalen Club Frankfurter Wirtschaftsjournalisten (ICFW). Die meisten Sorgen mache er sich um kleine und mittlere private Banken, die anders als Sparkassen oder Volksbanken nicht auf Verbundstrukturen zurückgreifen können.

Auch die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) sieht auf die Geldhäuser in Deutschland schwierige Zeiten zukommen, wie der Kreditmarktausblick der staatlichen Förderbank zeigt, der dem Handelsblatt exklusiv vorliegt. Demnach müssen sich Banken und Sparkassen auf eine Abschwächung im Kreditgeschäft mit Unternehmen und Selbstständigen einstellen.

Nach einer ungestümen Wachstumsphase in den vergangenen Quartalen fallen die Zuwachsraten mittlerweile geringer aus. Dieser Trend dürfte sich in den kommenden Quartalen noch verstärken. Im ersten Quartal 2019 betrug das Kreditwachstum nur noch 6,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. In der Zeit von Oktober bis Dezember 2018 waren es 6,6 Prozent.

Im laufenden Vierteljahr dürfte das Wachstum auf fünf Prozent gesunken sein und im folgenden Quartal sogar auf 3,5 Prozent sinken. „Überdurchschnittliche Raten sind perspektivisch kaum noch zu erwarten“, heißt es im Kreditmarktausblick. Die verhaltenen Wirtschaftsaussichten dürften die „zuletzt noch sehr kräftige Kreditnachfrage tendenziell dämpfen“.

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Scheinbar im Gegensatz zu diesem verhaltenen Ausblick steht die gute Entwicklung bei der Vergabe längerfristiger Kredite, die eigentlich auf Investitionen und damit auf eine gute Konjunkturentwicklung hindeuten. Die KfW-Volkswirte vermuten dahinter allerdings einen Sondereffekt der Automobilbranche.

Wegen neuer Prüfverfahren habe es dort Verzögerungen bei Produktion und Absatz gegeben, diese seien womöglich im ersten Quartal wieder in Schwung gekommen.

Zwar könnten bestimmte Sondereffekte das Kreditgeschäft noch einmal vorübergehend nach oben treiben, etwa wenn Firmen Liquiditätsengpässe überbrücken wollen oder einen höheren Lagerbedarf finanzieren müssen. „Insgesamt aber dürften die fetten Jahre am Kreditmarkt demnächst vorbei sein“, so die KfW.

Für die Finanzbranche wären sinkende Wachstumsraten im Firmenkreditgeschäft eine schlechte Nachricht. Einigen Banken ist es bislang gelungen, durch die Ausweitung ihres Kreditgeschäfts die Effekte der Niedrigzinspolitik zumindest teilweise auszugleichen.

Im vergangenen Jahr hatten nach Kalkulation der KfW vor allem die Sparkassen und die Genossenschaftsbanken die meisten neuen Kredite vergeben können. Sie weisen einen Marktanteil von 28 und 22 Prozent am Neugeschäft in dieser Zeit auf.

Noch größer ist die Dominanz von Sparkassen und Genossenschaftsbanken bei langfristigen Krediten, die von Unternehmen häufig für Investitionen genutzt werden: Hier betrug der Anteil bei den Sparkassen 35 Prozent und bei den Genossenschaftsbanken 29 Prozent. Im Falle einer weiteren Konjunkturabkühlung dürfte vor allem die Nachfrage nach langfristigen Investitionskrediten sinken.

Eine geringere Kreditnachfrage müsste eigentlich den starken Wettbewerb der Banken untereinander anheizen und zu weiter sinkenden Margen führen. Bislang ist davon aber wenig zu spüren, wie ein Auszug aus der Studie Unternehmenskredite der Investmentbank FCF Fox Corporate Finance zeigt, der dem Handelsblatt vorliegt.

„Umdenken bei Banken"

„Das Zinsniveau für Unternehmenskredite ist so niedrig wie noch nie, und die Unternehmen nutzen dies in erheblichem Maße“, sagt Arno Fuchs, Vorstandschef von FCF. Doch die Margen, also die Gewinnspannen für die Banken, sind dennoch gestiegen – zwischen September 2018 und April 2019 von 1,4 Prozent auf 1,47 Prozent.

„Nach langer Zeit des brutalen Konkurrenzkampfes um Unternehmenskredite beobachten wir seit Ende des dritten Quartals 2018 bei Banken erste Anzeichen eines Umdenkens“, sagt Fuchs. Er führt das auf die gestiegene Unsicherheit in Bezug auf das Wirtschaftswachstum sowie den Brexit zurück. Außerdem habe der Wettbewerbsdruck seitens des Kapitalmarkts abgenommen, da die EZB weniger Anleihen kauft.

Auf eine größere Vorsicht bei der Kreditvergabe deutet auch die vierteljährliche Kreditumfrage der Bundesbank hin: Im April zeigte die Befragung erstmals, dass die Banken die Kreditkonditionen für Unternehmen mehrheitlich ein klein wenig verschärft hatten. Zuvor hatten sich die Kreditbedingungen über eine lange Phase immer weiter gelockert.

Das rief dieses Jahr auch die Bankenaufseher auf den Plan, die zu laxe Kreditvergabestandards bei den Banken fürchten. Die deutsche Finanzaufsicht Bafin startete im April eine Umfrage unter Banken über deren Kreditvergabepraxis.

Mehr: Die KfW Capital sollte den Markt für Wagniskapital in Deutschland stärken. Doch die rund 90 Millionen, die sie bislang investiert hat, sind Unternehmensgründern nicht genug.

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