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Asoka Wöhrmann

Er leitet seit Herbst 2018 die DWS.

(Foto: Bert Bostelmann für Handelsblatt)

Projekt Pacific Investoren begrüßen Fusionsgespräche zwischen DWS und UBS-Fondssparte

Die Deutsche Bank und die UBS sprechen über den Zusammenschluss ihrer Fondstöchter – aber nur als Alternative zu einer Fusion mit der Commerzbank.
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Frankfurt/ZürichAm Anfang jeder großen Fusion steht ein geheimer Projektname – und der existiert bereits für den möglichen Zusammenschluss der Fondstöchter der Deutschen Bank und der Schweizer UBS. „Pacific“ so lautet das Codewort, unter dem die beiden Geldhäuser seit etwa zwei Monaten intensiv miteinander sprechen.

In Frankfurter Finanzkreisen ist von konstruktiven Verhandlungen die Rede. Aber noch stünden die Chancen, dass es zu einer Fusion der Deutschen-Bank-Tochter DWS mit dem Asset-Management der Schweizer komme, 50 zu 50. Den Informationen zufolge strebt DWS-Chef Asoka Wöhrmann einen Deal an, bei dem die UBS ihr verwaltetes Vermögen in die Fondstochter der Frankfurter einbringt und im Gegenzug Aktien erhält.

Doch genau hier liegt der Knackpunkt der Transaktion, die viele große Investoren begrüßen würden. Die Deutsche Bank will auf jeden Fall die Kontrolle über die DWS behalten, und damit haben die Schweizer ihre Schwierigkeiten.

Die Gespräche über die Zukunft der DWS liefen völlig unabhängig von den gleichzeitigen Verhandlungen über eine Fusion zwischen Deutscher Bank und Commerzbank, heißt es in den Frankfurter Finanzkreisen. Bei den Kontakten mit der UBS gehe es ausschließlich darum, der eigenen Fondstochter die kritische Größe zu verschaffen.

Das sehen einige Großinvestoren allerdings anders. „Für die Deutsche Bank würde so ein Schritt nur schwer zu einer Commerzbank-Übernahme passen“, meint Michael Hünseler vom Vermögensverwalter Assenagon. Sein Argument: Durch den geplanten Aktiendeal mit der UBS würde kein Geld an die Deutsche Bank fließen. Frisches Kapital wäre aber dringend nötig für eine Übernahme der Commerzbank.

Für den Fall, dass der Zusammenschluss mit dem Frankfurter Nachbarn scheitert, „wäre eine Kombination von DWS und UBS so etwas wie eine zweitbeste Lösung“, meint Hünseler.

Wer bekommt die Kontrolle?

Mittlerweile verhandeln Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing und sein Kollege Martin Zielke von der Commerzbank seit fast sechs Wochen über einen Zusammenschluss, aber noch immer sei keine endgültige Entscheidung gefallen, ob es zu einem Deal komme, heißt es in Finanzkreisen. Allerdings sind im Umfeld der Deutschen Bank zunehmend skeptische Stimmen zu hören.

Das ist zum einen der Komplexität eines Zusammengehens geschuldet, zum anderen auch dem hartnäckigen Widerstand auf der Arbeitnehmerseite. Zunächst hatte man in Finanzkreisen die Gegenwehr der Gewerkschaften nicht ernst genommen. Mittlerweile wird die Abwehrhaltung der Arbeitnehmervertreter als Faktor genannt, der einen Deal behindern oder sogar zum Scheitern bringen könnte. Auch einige der größten Aktionäre der Deutschen Bank sehen die Fusionspläne nach wie vor skeptisch.

Der Spielraum der Deutsche-Bank-Führung für eine Commerzbank-Übernahme ist eng: „Das ist keine eindeutige Sache, die sich klar lohnt“, sagte eine mit den Gesprächen vertraute Person. „Die negativen Einmaleffekte sind ein großes Problem, und es ist schwer einzuschätzen, ob die Dissynergien nicht letztlich höher ausfallen als kalkuliert.“ Mit Dyssinergien sind wegfallende Erträge durch überlappende Kundenstrukturen gemeint.

Die Deutsche Bank rechnet Finanzkreisen zufolge damit, dass sie Erträge zwischen 1,0 und 1,5 Milliarden Euro verlieren würde, wenn sie die Commerzbank übernimmt und ein Teil der Kunden abwandert. Aufsichtsratschef Paul Achleitner hatte angekündigt, dass die Bank spätestens zur Vorstellung der Zahlen für das erste Quartal ein Update zur Fusion geben werde. Diese Frist läuft am Freitag aus.

So schnell dürfte es bei den Gesprächen mit der UBS dagegen keine Entscheidung geben. Angesichts sinkender Margen steht die gesamte Fondsbranche unter wachsendem Konsolidierungsdruck. Experten rechnen mit einer Welle von Übernahmen. Zur Jahreswende verwaltete die Fondssparte der UBS weltweit umgerechnet rund 693 Milliarden Euro, bei der DWS waren es 662 Milliarden Euro.

Gemeinsam wären die beiden damit etwa gleich groß wie der französische Konkurrent Amundi. Im Vergleich zu den US-Riesen Blackrock und Vanguard, die global umgerechnet 5,8 Billionen Euro und 4,6 Billionen Euro verwalten, würde die deutsch-schweizerische Firma aber unter ferner liefen rangieren.

Im vergangenen Jahr hatte die Deutsche Bank 19 Prozent ihrer Fondstochter an die Börse gebracht. Würde die DWS nun tatsächlich eigene Aktien für das verwaltete Vermögen der UBS-Fonds tauschen, würde das Frankfurter Geldhaus die Mehrheit verlieren. Doch das wäre für Vorstandschef Sewing nicht so schlimm.

Weil die DWS in der Rechtsform einer KGaA an den Aktienmarkt kam, könnte die Mutter den Fondsableger auch noch mit einem Anteil von 40 Prozent plus einer Aktie kontrollieren und die Gewinne anteilig konsolidieren. Diese Marke sei für die Deutsche Bank kritisch, heißt es in Finanzkreisen.

Sewing hat versprochen, dass in Zukunft zwei Drittel der Erträge der Bank aus den „stabilen“ Geschäftsbereichen kommen sollen, und dazu zählt das Asset-Management. Außerdem kann es sich der Vorstandschef angesichts erodierender Erträge und der schwierigen Lage im Investmentbanking kaum leisten, auf den Beitrag der DWS zu verzichten.

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Im vergangenen Jahr erwirtschaftete die Fondstochter einen Vorsteuergewinn von 625 Millionen Euro und erreichte eine Eigenkapitalrendite von 17,5 Prozent. Zum Vergleich: Der Gewinn vor Steuern der gesamten Deutschen Bank lag 2018 bei 1,33 Milliarden Euro und die Eigenkapitalrendite bei 0,4 Prozent.

Offiziell will die UBS einen möglichen Deal genauso wenig kommentieren wie die Deutsche Bank oder die DWS. Aber angesichts des Konsolidierungsdrucks in der Branche werden einem Zusammenschluss der Fondssparten durchaus Chancen eingeräumt. Entscheidend dürfte sein, wer in der fusionierten Einheit am Ende das Sagen hat.

Im Vergleich zur Deutschen Bank brächte die UBS in die gemeinsame Tochter etwas mehr verwaltetes Vermögen ein. Dass die Kontrolle über die Sparte langfristig bei den Frankfurtern bleibt, gilt an der Züricher Limmat deshalb als schwer vorstellbar.

Am Main heißt es dagegen, dass die UBS-Sparte vielleicht etwas größer sei, dafür arbeite die DWS aber profitabler. Im vergangenen Jahr verdiente die UBS im Asset-Management vor Steuern umgerechnet 402 Millionen Euro – weniger als die 625 Millionen der DWS. In Sachen Effizienz liegen beide ungefähr gleich auf. Sowohl die DWS als auch die Schweizer mussten 72 Cent ausgeben, um einen Euro einzunehmen.

Bei einem Großinvestor heißt es zur Frage der Kontrolle über ein gemeinsames Unternehmen, das Geschäft der DWS sei margenstärker als das der UBS. Deshalb wäre es gerechtfertigt, wenn der Anteil der Frankfurter an einer fusionierten Gesellschaft bei über 40 Prozent bliebe.

Grundsätzlich stößt das Projekt auf viel Wohlwollen bei den Investoren: „Betriebswirtschaftlich ist das eine interessante Idee“, meint Martin Stürner, Vorstand des Vermögensverwalters PEH Wertpapier. „Größenvorteile spielen in der Vermögensverwaltung eine wachsende Rolle, und beide Häuser würden sich auch gut ergänzen“, sagt auch Geschäftsführer Hünseler von Assenagon.

Die DWS sei im deutschen Publikumsfondsgeschäft stark, die UBS dafür in Asien und bei der Schweizer Kundschaft. Michael Klimek von Dolphinvest Consulting glaubt, dass die Unternehmen auch kulturell gut zusammenpassen würden. Bleibt die Streitfrage der Kontrolle und die Tatsache, dass DWS-Chef Wöhrmann bereits klargemacht hat, dass er seine Firma als aktiven Gestalter der Konsolidierung sieht – und nicht als deren Opfer.

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