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PSD2-Richtlinie Diese deutschen Fintechs haben eine Bafin-Erlaubnis

Noch ist es ein exklusiver Kreis, doch ein paar Start-ups hat die Finanzaufsicht Bafin schon den Titel „Kontoinformationsdienst“ verliehen. Was die jungen Firmen damit machen.
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Wenn Dienstleister auf den digitalen Kontoauszug ihrer Kunden zugreifen wollen, brauchen sie eine Erlaubnis der Finanzaufsicht. Quelle: dpa
Kontoauszüge

Wenn Dienstleister auf den digitalen Kontoauszug ihrer Kunden zugreifen wollen, brauchen sie eine Erlaubnis der Finanzaufsicht.

(Foto: dpa)

FrankfurtDiese Erlaubnis der Finanzaufsicht Bafin ist wie ein Ritterschlag – zumindest für Finanz-Start-ups, die im Gegensatz zu Banken und großen Finanzdienstleistern bislang weitgehend unreguliert agiert haben. In Deutschland dürfen sich nach einiger Wartezeit nun immerhin vier Start-ups als Kontoinformations- oder auch Zahlungsauslösedienst bezeichnen.

Neben dem sperrigen Titel bekommen sie etwas sehr Praktisches: eine Art Schlüssel zum Bankkonto. Auf Wunsch ihrer Kunden dürfen sie damit auf deren Konto zugreifen, Daten auslesen oder Zahlungen abbuchen. Nach dem Pionier Figo haben jetzt auch die Wettbewerber Fintecsystems und FinAPI die Erlaubnis erhalten. Überraschend taucht auch das Start-up Billie im Bafin-Register auf.

Hintergrund der „Schlüsselvergabe“ ist die zweite EU-Zahlungsdiensterichtlinie, kurz PSD2. Sie wurde am 13. Januar 2018 in nationales Recht umgesetzt. Ihr Ziel: den Zahlungsverkehr in der EU für Verbraucher bequemer und sicherer machen und den Wettbewerb fördern.

Bisher haben insbesondere Fintechs bereits auf Kundenwunsch auf deren Konten zugegriffen, ab dem 14. September diesen Jahres ist dies aber nur noch mit entsprechender Erlaubnis der Aufsicht möglich. Banken müssen solchen regulierten Anbietern freien Zugriff auf die Konten gewähren.

Die Bafin-Erlaubnis des Münchner Start-ups Fintecsystems ist noch so frisch, dass sie im Register der Aufsicht nicht auftaucht. Dem Handelsblatt legte der Co-Gründer und Co-Geschäftsführer Dirk Rudolf den Erlaubnisbescheid der Behörde vor.

Die Erlaubnis zu bekommen kostet Unternehmen nicht nur Zeit und Geld, sie müssen beispielsweise auch eine Versicherung vorweisen, die im Haftungsfall einspringt. Zahlungsauslösedienste benötigen zudem mindestens 50.000 Euro Anfangskapital.

Erlaubnis weitergeben

Für Unternehmen, die diesen Aufwand scheuen, bietet Fintecsystems nun sein „License as a Service“-Geschäftsmodell. Nach dem gleichen Prinzip funktionieren auch das sogenannte „Regshield“ des Hamburger Start-ups Figo und die „FinAPI PSD2-Lizenz“ des Münchner Anbieters FinAPI.Dirk Rudolf erklärt: „Unter dem Schirm unserer PSD2-Erlaubnis können unsere Unternehmenskunden ihre Dienstleistungen weiterhin gesetzeskonform anbieten und müssen sich nicht im Detail mit den regulatorischen und

technischen Herausforderungen beschäftigen.“

Technisch bedeutet das: Ein Kunde erlaubt beispielsweise einem Kreditvermittler, dass dieser für eine Bonitätsprüfung Informationen von seinem Zahlungskonto nutzen darf. Die Daten, die für den Kontozugriff nötig sind – IBAN, Benutzername und Passwort –, geben die Kunden dann über die Eingabemaske von Fintecsystems ein, die auf der Website des Kreditvermittlers oder in seiner App integriert ist.

„Mit den Kontozugangsdaten kommen also nur wir in Kontakt“, so Rudolf. „Die Informationen, die wir beim Kontozugriff abgerufen haben, geben wir an unsere Unternehmenskunden weiter.“ Auf die gleiche Art können die Anbieter auch Zahlungen auf den Kundenkonten anstoßen.

Das Fintech Billie dagegen hat sich bei der Bafin nur als Kontoinformations- und nicht als Zahlungungsauslösedienst registrieren lassen und nutzt die Erlaubnis nur für das eigene Geschäft. Die Berliner bieten Vorfinanzierungsdienstleistungen für kleine und mittlere Unternehmen an – sogenanntes Factoring.

Billie bewerte die Bonität seiner Kunden auf Basis des Geldflusses, erklärt Co-Gründer Christian Grobe im Gespräch mit dem Handelsblatt. Dank der Bafin-Erlaubnis kann Billie die notwendigen Daten aus den Konten der Unternehmen ablesen und benötigt nicht ihre Bilanz.

„Damit ersetzen wir den Zugriff auf die klassischen Auskünfte wie Schufa und Bürgel“, sagt Grobe. Zugleich werde sichergestellt, dass „die Kreditentscheidung besser auf den aktuellen Verhältnissen des Unternehmens beruhen“.

Um die notwendigen Daten zu erhalten, könnte Grobe auch auf einen der regulierten Dienstleister setzen. „Wir nutzen für die Infrastruktur weiterhin Figo“, erklärt der Unternehmer. Doch mit einer eigenen Bafin-Erlaubnis sei er gegenüber seinen Kunden flexibler.

Noch dazu plant er eine Produkterweiterung: Seine Firmenkunden sollen einen besseren Überblick über ihre Liquidität erhalten. „Daher werden wir alle Konten in unsere Plattform einbinden“, so Grobe. Eine solche Übersicht bieten Banken und Finanz-Apps heute vielfach schon Privatkunden.

Wie die Bafin kürzlich dem Handelsblatt bestätigte, haben sich bei ihr mehr als 30 Firmen um eine Erlaubnis als Kontoinformations- oder Zahlungsauslösedienst beworben. Nach Angaben von Valdis Dombrovskis haben Aufsichtsbehörden EU-weit schon 200 Unternehmen eine solche Erlaubnis erteilt. Das sagte der Vizepräsident der EU-Kommission in der vergangenen Woche bei einer Veranstaltung in Brüssel.

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