Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

PSD2-Schnittstellen Streit über neue Kontoschnittstellen: Banken und Fintechs einigen sich

Geldhäuser müssen Drittanbieter seit rund einem Monat Datenschnittstellen bereitstellen. Weil das nicht klappte, kam es zum Streit. Jetzt gibt es ein Neun-Punkte-Papier.
Kommentieren
PSD2 tritt in Kraft: Warum Kunden Geduld brauchen Quelle: Getty Images
PSD2-Richtlinie

Etliche neue Vorgaben für das Onlinebanking und für das Bezahlen im Internet basieren auf der neuen EU-Zahlungsdiensterichtlinie, kurz PSD2.

(Foto: Getty Images)

Frankfurt Genau zwei Stunden haben Vertreter der vier großen deutschen Bankenverbände und Geschäftsführer vier bedeutender deutscher Finanz-Start-ups am vergangenen Freitag bei der Finanzaufsicht Bafin in Bonn zusammengesessen. Das Ergebnis: eine „gemeinsame Erklärung zur Migration auf PSD2-konforme Schnittstellen“, die jetzt veröffentlicht wurde. Der Inhalt: Banken und Fintechs haben sich darin auf neun Punkte verständigt, die ihr „Zusammenwirken“ fördern sollen. Branchenexperten geht diese Erklärung zum Teil nicht weit genug.

Hintergrund dieses „Spitzentreffens“ ist die zweite EU-Zahlungsdiensterichtlinie, kurz PSD2. Sie soll den Zahlungsverkehr in der Europäischen Union (EU) für Verbraucher sicherer und bequemer machen und zugleich den Wettbewerb fördern. Eine der Vorgaben: Banken müssen regulierten Drittanbietern – also Zahlungsauslöse- und Kontoinformationsdiensten – auf Wunsch ihrer Kunden Zugriff auf Zahlungskonten gewähren. Dafür müssen sie neue Datenschnittstellen (API) bereitstellen, die eigentlich schon seit 14. September genutzt werden sollten. Doch das hat nicht geklappt.

Die Bafin hatte daher schon Mitte August konkrete Vorgaben zu den API gemacht und eine Übergangsregelung erlaubt: Drittanbieter dürfen weiter über bisherige Datenschnittstellen – HBCI/FinTS und Webscraping – auf die Konten zugreifen. Zwischenzeitlich gab es viel Streit über die API.

Drittanbieter sahen ihre Geschäftsmodelle in Gefahr, da ihnen zu wenig Daten zur Verfügung stünden. Sie ermöglichen es Kunden, mehrere Bankkonten auf einen Blick zu verwalten (Multibanking), ihre Bonität vor einer Kreditvergabe prüfen oder ihre Verträge analysieren zu lassen, auch Zahlungen können sie darüber in Auftrag geben.

Die vier Fintechs, die am Tisch der Bafin saßen – Fintechs FinAPI, Finleap Connect (ehemals Figo und Finreach), Fintecsystems und Sofort, agieren quasi als Aggregatoren und sorgen dafür, dass andere Drittanbieter viele verschiedene Datenschnittstellen einfach an ihre IT-Systeme anbinden können. Mit den Bankvertretern haben sie sich nun beispielsweise darauf verständigt, dass sie „die PSD2 nicht nur als regulatorische Pflicht, sondern auch als Chance für die Etablierung neuer Zahlungsdienste“ sehen.

Zudem solle „den gemeinsamen Kundinnen und Kunden auch weiterhin eine sichere und komfortable Nutzung von bestehenden Zahlungsauslöse- und Kontoinformationsdiensten möglich sein“.

Am Komfort hapert es seit 14. September sogar schon bei Nutzung der alten Schnittstellen, denn die Banken mussten zu diesem Stichtag die Zwei-Faktor-Authentifizierung einführen: Wollen Kunden per Computer oder Smartphone auf ihr Konto zugreifen, müssen sie nun bei einigen Banken jedes Mal einen „zweiten Faktor“ eingeben. Den bekommen sie teils per SMS, über sogenannte Foto- und Push-TAN-Apps oder über TAN-Generatoren.

Das wirkt sich auch auf Drittanbieter aus: Zum Beispiel leidet der Bedienkomfort von Multibanking-Apps, da Kunden beim Aktualisieren mehrerer mit der App verknüpfter Konten auch mehrere TAN-Verfahren durchlaufen müssen. Eine solche App ist Numbrs. Fynn Kreuz, Mitglied der Geschäftsführung bei Numbrs, zeigt sich auf Anfrage des Handelsblatts von der Erklärung der Banken und Fintechs enttäuscht. „In Anbetracht der aktuellen Situation, die ein energisches Eingreifen der Aufsicht benötigt, ist die Erklärung für uns gegenstandslos“, sagt er. „Der aktuelle Diskurs ist nicht zielführend. Wechselseitige Sympathiebekundungen helfen niemandem.“

Die Forderung nach konkreten Fristen äußern auch andere: „Die Banken und Fintechs hatten lange genug Zeit, miteinander zu sprechen, jetzt sollte die Bafin konkrete Vorgaben machen“, sagte eine mit den Diskussionen vertraute Person dem Handelsblatt. Noch tut sie das nicht.

Die Behörde erwartet nach Aussage einer Sprecherin aber, dass „bis Jahresende deutliche, nach außen sichtbare Ergebnisse erzielt werden“, und behalte sich vor, ein Enddatum für die Umstellung festzusetzen. „Wir werden den Prozess der Umsetzung weiter intensiv begleiten und den Markt hier nicht alleine lassen“, sagte der Exekutivdirektor der Bankenaufsicht Bafin, Raimund Röseler, dem Handelsblatt.

Auf Unverständnis stößt bei manchen Beobachtern auch der Zeitpunkt der Erklärung. „Die PSD2 ist mit einem langen zeitlichen Vorlauf in Kraft getreten, da hätte man erwarten können, dass Banken und Drittanbieter sich schon frühzeitig auf eine verbraucherfreundliche Umsetzung der Vorgaben verständigen“, sagte Frank Christian Pauli, Finanzexperte des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv), dem Handelsblatt. „Für Verbraucher hat der reibungslose Zugriff auf ihr Bankkonto oberste Priorität, aber auch die Unsicherheiten bei der Nutzung von regulierten Drittanbietern sollten möglichst bald beseitigt werden“, so Pauli.

Auch ein Fintech-Vertreter meinte: „Realistisch betrachtet hätte eine Absichtserklärung vor zwei Jahren formuliert werden müssen.“ Ein anderer sagte dagegen: „Gut Ding will Weile haben.“

Ein positives Urteil zu der Erklärung kommt etwa von Christopher Schmitz, Partner der Unternehmensberatung EY und Experte für Bankschnittstellen. Aus Kundensicht sei „die Absichtserklärung der richtige Schritt“.

„Die gemeinsame Ausgestaltung unter Aufsicht der Bafin wird nach meiner Einschätzung zu einer schnelleren und für das Kundenerlebnis besseren Entwicklung hin zu PSD2-konformen Schnittstellen führen“, so Schmitz. Allerdings: Sollte sich keine für die Kunden tragfähige Lösung ergeben, erwarte er eine „verordnete Verpflichtung des Regulators mit enger Nachsteuerung“.

Tatsächlich scheint die Bafin in den vergangenen zwei Monaten schon großen Einfluss gehabt zu haben. Insbesondere für die Deutsche Kreditwirtschaft ist die nun vorliegende Absichtserklärung ein großer Schritt. Mitte August, als Bafin-Exekutivdirektor Röseler die mangelhaften Schnittstellen der Banken gerügt hatte, hatten sich die Bankenverbände in einer Stellungnahme noch „überrascht“ darüber gezeigt.

Die Banken und Sparkassen hätten „ihre Vorbereitungen nahezu erfolgreich abgeschlossen“, um die neuen PSD2-konformen Schnittstellen bereitzustellen. Zudem seien sie „erstaunt, dass vier Wochen vor dem Stichtag von der Aufsicht neue Anforderungen an die Schnittstellen“ gestellt würden, hieß es damals.

Dass inzwischen wirklich Einigkeit darüber herrscht, was nun „leistungsfähige Schnittstellen“ sind, darf aber bezweifelt werden. So gab der Drittanbieter Fintecsystems kurz nach Veröffentlichung der Erklärung eine eigene Stellungnahme heraus. Darin begrüßte Geschäftsführer Stefan Krautkrämer das Ergebnis des Spitzengesprächs, betonte aber zugleich die Bedeutung der „Datenparität“. Damit ist gemeint, dass Drittanbieter über die neuen API auf die gleichen Daten zugreifen können, die Bankkunden auch beim Onlinebanking sehen. „Ist dieser Leistungsumfang gegeben, steht einer schnellen Umstellung auf die neuen Schnittstellen nichts mehr im Wege“, so Krautkrämer.

Die neun Punkte im Wortlaut
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: PSD2-Schnittstellen - Streit über neue Kontoschnittstellen: Banken und Fintechs einigen sich

0 Kommentare zu "PSD2-Schnittstellen: Streit über neue Kontoschnittstellen: Banken und Fintechs einigen sich"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.