Pysche Abgestürzte Helden: Die Bankerkrise

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Nicht nur die Mitarbeiter von großen Privatbanken sind in die Kritik geraten, auch Landesbanken haben sich mächtig verzockt. Quelle: ap

Nicht nur die Mitarbeiter von großen Privatbanken sind in die Kritik geraten, auch Landesbanken haben sich mächtig verzockt.

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Die Institute haben in den Filialen die Ziele für das laufende Jahr festgelegt. Die Debatte über die Folgen der Krise, darüber, welche Lehren die Banken daraus ziehen sollten, rückt in den Hintergrund. Öffentlich üben sich die Manager zwar noch in Demut und geloben Besserung. Intern ist aber alles beim Alten. „Als sei die Krise nur ein kleiner Ausrutscher gewesen“, sagt der Personalrat einer Sparkasse. Die Bankenexperten von Verdi formulieren es dramatischer: „Die Zustände im Vertrieb sind schlimmer als jemals zuvor, Zielvorgaben wurden sogar erhöht.“

Diskussionen? Fragen? „Execution only“ steht oft über den Schreiben, mit denen Produkte vorgestellt, Verkaufsoffensiven eingeläutet werden. Und wenn ein Bankberater doch Zweifel anmeldet, vielleicht sogar kritisiert, dass man nicht Verkäufer und Berater in einer Person sein könne, bekommt er Antworten wie: „Wir sind eine Bank, wir verkaufen Finanzprodukte, wenn der Kunde Beratung will, muss er zur Verbraucherberatung gehen “, berichtet einer, der es wagte, seinem Chef zu widersprechen.

Es sind vor allem die älteren Mitarbeiter, die damit kämpfen, die noch andere Zeiten kennen, als Bankberatung den Nimbus hatte: sicher, seriös, sauber. „Die Jüngeren haben weniger Hemmungen, Teil einer Drückerkolonne zu sein“, erzählt ein Betriebsrat, „die sind schon entsprechend ausgesucht worden.“

Die Älteren macht der Job dagegen mitunter krank. Seit Jahren nehmen psychische Erkrankungen von Bankmitarbeitern deutlich zu – ein Plus von 70 Prozent seit Mitte der 90er-Jahre meldet die AOK. Laut Studien anderer Krankenkassen kommen psychische Erkrankungen im Kreditgewerbe häufiger vor als in anderen Branchen. Die Zahlen könnten jetzt erneut steigen.

Der Saal in der Frankfurt School of Finance & Management ist gut gefüllt – vor allem mit jungen Leuten, die kurz vor dem Abitur stehen oder eine Bankausbildung machen. Einige haben zu diesem Tag der offenen Tür an der privaten Hochschule für Banker ihre Eltern mitgebracht.

Vorn am Pult steht Udo Steffens, Präsident der Frankfurt School, und stellt die Privat-Uni vor: „Im Hintergrund stehen die Dresdner Bank, die HVB, die BHF“, zählt er auf und zeigt auf eine Power-Point-Grafik an der Wand mit den Logos der Institute, „die Großbanken, sofern sie noch groß sind.“

Steffens macht eine kleine Pause, schmunzelt und schaut erwartungsvoll ins Publikum. Stille. Keine Reaktion. Steffens nimmt den Faden wieder auf: „Keiner lacht? Da gibt es wohl nichts zu lachen.“

Weltweit verlieren Tausende der einstigen Geldvermehrer ihren Job, weil sie Risiken unterschätzt haben. Die Meister des Universums haben sich als windige Experten entpuppt. Bei den jungen Menschen, die hier in der Frankfurt School zu den Geldjongleuren von morgen ausgebildet werden wollen, ist die Bewunderung für die Bankenwelt – mag sie noch so angeschlagen sein – völlig intakt. Das Finanzdebakel tut der Euphorie über den Beruf keinen Abbruch. „Es gibt nicht zu viele Investmentbanker, sondern zu wenige gute“, sagt einer der Studenten, „Risiken muss man künftig kreativer managen.“ Einer seiner Kommilitonen ist ebenfalls optimistisch: „Die guten Jahre werden wiederkommen.“

Diese Sicht färbt auf den Nachwuchs ab. „Leute, die was können, werden immer gebraucht“, sagt Melinda Saatmann, eine 19-Jährige aus einer Kleinstadt östlich von Frankfurt. Sie will hier ihren Bachelor in Betriebswirtschaft machen. Jetzt steht sie mit ihrer Mutter im Innenhof der Schule an einem Teich und gönnt sich eine Zigarettenpause. Weiß sie, was der Job in einer Bank bedeutet? „Klar, man muss verkaufen können. Das kann ich, ich hab' in einem Klamottenladen gejobbt.“ Und ihre Mutter ergänzt: „Die Stellen in Banken sind krisensicherer als in anderen Branchen, man lässt Banken nicht insolvent gehen.“ Sie verzieht nicht das Gesicht. Ihr Satz war kein Stück ironisch gemeint.

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