Pysche Abgestürzte Helden: Die Bankerkrise

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Einige Meter weiter fachsimpelt eine Gruppe von Studenten: „Bei Aktien soll man einsteigen, wenn die Kurse unten sind.“ Das gelte auch im Beruf. Die Finanzwelt habe sich ja stets wieder erholt.

So ein bisschen Weltwirtschaftskrise bringt hier keinen aus dem Konzept. Zu lange hat die Bankenwelt funktioniert. Kein Grund, jetzt irgendetwas infrage zu stellen.

Werner Gross sitzt an einem ausladenden Tisch in seiner Praxis in einem Offenbacher Hinterhofhaus. Im Zimmer nebenan steht der schwarze Sessel, wo seine Klienten sich den Frust vom Leib reden. Hier hat er Holzstühle aufgestellt und den Raum in Gelb und Blau eingerichtet. Gelb, die Farbe der Sonne, steht für Optimismus. Blau, die Farbe des Himmels, für Ruhe und Weite. Sie kann helfen, Distanz zu gewinnen.

Ein langer Weg für einen Banker, manchmal zu lang: „Sie sind äußerst effizienzorientiert“, sagt Gross, „nach drei Terminen bei einem Psychologen muss alles wieder im Lot sein.“ Ansonsten verlieren sie die Geduld. Gross: „Dabei braucht eine positive Veränderung Zeit.“

Der Banker, ein schwieriger Patient. Einer, dem es sehr schwer fällt, sich psychische Probleme überhaupt einzugestehen. Es müsse schon einiges passieren, bevor sich Menschen, die sich für rational hielten und am liebsten alles in Zahlen ausdrückten, dazu durchringen könnten, räumt Gross ein. Solche extremen Zeiten erleben sie jetzt, die Psychologen und Coaches, die die Banker-Psyche reparieren sollen.

Markus Kramer versucht, sich selbst zu helfen, wenn die Zweifel an ihm nagen, er nicht mehr weiß, wie es weitergehen soll in seinem Job. „Meine Frau arbeitet auch bei einer Bank“, erzählt er, „es tut gut, die Probleme mit ihr zu wälzen, auch wenn sie Glück hatte mit ihrem Chef, der mehr Verstand und Rückgrat aufbringt.“ Ansonsten helfe eine Flasche Bier, wenn er mal wieder partout nicht einschlafen könne.

Doch auch Kramer kennt Kollegen, die andere Mittel brauchen. Bei denen kein Bier hilft und auch kein Jogging, kein Yoga und keine Atemübungen. Die nur mit Hilfe von Tabletten über die Runden kommen.

So weit will er es nicht kommen lassen. Es gebe sie ja noch, dieBanken, die ihre Berater nicht so unter Druck setzen, die ihnen mehr Zeit geben, ihre Ziele zu erreichen. „Ich schreib' gerade Bewerbungen.“ Es klingt, als ob er noch nicht wüsste, ob er die Kraft haben wird, sie abzuschicken.

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