Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Quartalsbilanz Commerzbank rutscht tief in die roten Zahlen

Der Abbau Tausender Stellen hat bei der Commerzbank im zweiten Quartal ein tiefes Loch in die Bilanz gerissen. Auch das operative Geschäft läuft schlechter als ein Jahr zuvor. Die Aktie fällt zum Börsenstart deutlich.
Update: 02.08.2017 - 08:12 Uhr Kommentieren

Quartalszahlen der Commerzbank leiden unter Stellenabbau

FrankfurtDer Abbau Tausender Stellen hat die Commerzbank im zweiten Quartal noch tiefer als erwartet in die roten Zahlen gedrückt. Unterm Strich fiel ein Verlust von 637 Millionen Euro an – nach einem Gewinn von neu ausgewiesenen 215 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum, wie das Geldhaus am Mittwoch in Frankfurt mitteilte.

Auch im Tagesgeschäft lief es schlechter: Der operative Gewinn sank von revidierten 351 Millionen auf 183 Millionen Euro. Die Erträge – die gesamten Einnahmen – gingen von 2,24 Milliarden auf 2,07 Milliarden Euro zurück. Trotzdem soll es zum Jahresende zu einem „leicht positiven“ Ergebnis reichen.

Bis der tiefgreifende Konzernumbau sich auszahlt, dürften aber noch zwei Jahre vergehen. In diesem Jahr werden der Commerzbank nur Sondererträge von 390 Millionen Euro – vor allem aus dem Verkauf der Zentrale in Frankfurt – zu einem kleinen Gewinn verhelfen.

Die Commerzbank hatte bereits angedeutet, wie das Quartal gelaufen ist, als sie die Rechnung für den Stellenabbau präsentierte: Genau 807 Millionen Euro stellte das Institut für Abfindungen und andere Kosten zurück. Die teilverstaatlichte Commerzbank hatte im Herbst angekündigt, bis zum Jahr 2020 insgesamt 9.600 Vollzeitstellen zu streichen. An ihren Filialen hält sie dagegen fest.

Der Verlust fiel im ersten Halbjahr etwas höher aus als Analysten erwartet hatten – sie hatten mit einem Minus von 556 Millionen Euro gerechnet. Grund dafür ist ein schwächeres operatives Geschäft. Mit 515 Millionen Euro lag der operative Gewinn um 19 Prozent unter dem Vorjahr. Das liege auch daran, dass die Bank mehr für die Kundengewinnung und die Digitalisierung des Geschäfts ausgegeben habe, hieß es in der Mitteilung.

Trotz der Restrukturierungsaufwendungen liegt die harte Kernkapitalquote bei 13,0 Prozent. Noch im ersten Quartal dieses Jahres betrug diese Quote 12,5 Prozent. Der Kurs der Aktie liegt zum Handelsauftakt 2,3 Prozent im Minus und notiert bei 10,95 Euro.

Mehr als eine halbe Millionen neue Kunden

Seit dem Start des Umbaus im Oktober habe die Commerzbank mehr als eine halbe Million Kunden gewonnen, 100.000 steuerte die Tochter Comdirect mit der Übernahme des Online-Brokers Onvista bei. „Im Kundenwachstum liegen wir über Plan, auch weil wir investiert haben“, sagte Vorstandschef Martin Zielke. „Bis sich das in Ertragswachstum niederschlägt, wird aber noch etwas Zeit vergehen.“ Normalerweise lohnten sich solche Investitionen in etwa eineinhalb Jahren.

Vorangekommen ist die Bank beim Abbau ihrer Schiffskredite. Im ersten Halbjahr sei das Portfolio von fast fünf Milliarden auf 3,9 Milliarden Euro geschrumpft, bis zum Jahresende soll es nur noch drei Milliarden schwer sein. Dabei halbierte sich der Verlust in der Abbau-Sparte auf 115 (Vorjahr: 251) Millionen Euro.

Die Abschreibungen auf faule Kredite halten sich dabei in Grenzen. Im Konzern rechnet die Commerzbank nun mit einer Risikovorsorge von 800 Millionen Euro. Bisher sollten auf die erwarteten 300 Millionen Euro aus dem operativen Geschäft bis zu 600 Millionen für Schiffskredite hinzukommen. Im ersten Halbjahr stiegen die Rückstellungen leicht auf 362 (335) Millionen Euro.

Finanzvorstand Stephan Engels stellte für das Gesamtjahr ein „leicht positives“ Ergebnis in Aussicht. Dazu tragen allerdings Sondereffekte von 390 Millionen Euro bei. 220 Millionen Euro bringt allein der Verkauf des Commerzbank-Towers an den südkoreanischen Samsung-Konzern. Die Bank bleibt aber Mieter in dem höchsten Gebäude Deutschlands, das bisher einem Commerz-Real-Fonds gehörte. Mehr als 80 Millionen Euro erwartet die Bank aus der Auflösung des Ratenkredit-Joint-Ventures mit BNP Paribas. 90 Millionen Euro bringt der Verkauf der Anteile am Kartendienstleister Concardis an die Finanzinvestoren Bain Capital und Advent.

Trotz der vielen Stellenstreichungen will die Bank betriebsbedingte Kündigungen vermeiden, schließt sie aber nicht völlig aus. Etwa 1650 Stellen waren bis Ende März bereits weggefallen, auf Vollzeitbasis waren noch 41.600 Menschen bei der Bank beschäftigt.

Die Commerzbank leidet wie viele andere Banken unter den niedrigen Zinsen, die die Einnahmen schmälern. Hinzu kommen hausgemachte Probleme wie faule Schiffskredite angesichts der Krise der Container-Reedereien.

  • dpa
  • rtr
Startseite

0 Kommentare zu "Quartalsbilanz: Commerzbank rutscht tief in die roten Zahlen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote