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Quartalszahlen Auf diese fünf Punkte sollten Sie bei den Deutsche-Bank-Zahlen achten

Deutschlands größtes Geldhaus präsentiert am Freitag seine Zahlen. Wichtiger als der Gewinn dürften für Anleger Indizien seien, wie es künftig weitergeht.
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Anleger warten gespannt auf die Verkündung der Jahresbilanz 2018 der Deutschen Bank. Quelle: dpa
Christian Sewing

Anleger warten gespannt auf die Verkündung der Jahresbilanz 2018 der Deutschen Bank.

(Foto: dpa)

FrankfurtFür Christian Sewing ist es eine Premiere. Erstmals präsentiert er Geschäftszahlen der Deutschen Bank als Vorstandschef – und Patzer kann sich der 48-Jährige nicht erlauben. Die größte deutsche Geschäftsbank steht unter Druck. Läuft es nicht bald besser, bräuchte die Bank das, was man gerne einen „Befreiungsschlag“ nennt, womöglich eine Fusion mit der Commerzbank.

Mit dem abgelaufenen Geschäftsjahr kann die Bank nicht zufrieden sein, obwohl sie vermutlich erstmals seit 2014 unter dem Strich Geld verdient haben dürfte. Doch insgesamt rechnen Analysten nur mit einem Minigewinn.

Gerade einmal 332 Millionen Euro trauen die Finanzexperten der Bank als Nettogewinn zu, weil sie ihren Schätzungen zufolge im vierten Quartal unter dem Strich 300 Millionen Euro Verlust gemacht haben dürfte. Und auch an das ausgerufene Renditeziel von vier Prozent für dieses Jahr glauben Analysten nicht. Sie rechnen im Durchschnitt mit nur 2,5 Prozent.

Die Gretchenfrage für die Deutsche Bank lautet: Kann Sewing rechtzeitig eine Wende zum Besseren herbeiführen, oder droht eine Notfusion? Auf diese fünf Punkte sollten Sie bei der Präsentation der vorläufigen Jahreszahlen deshalb achten.

1. Der Ausblick

Kommt also die Notfusion mit der Commerzbank, oder kann Sewing sich weiter darauf konzentrieren, erst einmal seine „Hausaufgaben“ zu machen, für die er sich im vergangenen Herbst 18 Monate ausbedungen hatte? Das hängt nicht zuletzt davon ab, wie der Jahresauftakt bei der Deutschen Bank läuft.

Denn obwohl die Deutsche Bank wohl erstmals seit drei Jahren wieder einen Jahresgewinn ausweisen dürfte, hat das Vertrauen der Investoren in die Bank gelitten. Jeder zweite Analyst rät zum Verkauf der Aktie, die Bewertung des Instituts an der Börse ist erschütternd niedrig.

Damit die Bank nicht in eine Abwärtsspirale gerät, bei der geschäftliche Misserfolge Kunden abschrecken, was wiederum das Geschäft belastet, braucht sie schnelle Erfolge. Das erste Quartal ist bei Banken traditionell das wichtigste und ertragreichste Vierteljahr.

Wer einen schlechten Start erwischt, läuft dem Erfolg während des Rests des Jahres meist hinterher. Deshalb sind Sewings Aussagen und Andeutungen über den Geschäftsverlauf zu Jahresbeginn diesmal besonders wichtig.

Mit Erfolgserlebnissen im vierten Quartal ist dagegen nicht zu rechnen. Zum einen lief es für die Branche insgesamt schlecht, zum anderen litt das Geschäft zusätzlich unter einer Razzia, die einige Kunden abschreckte. Das soll die Bank einen signifikanten dreistelligen Millionenbetrag gekostet haben.

Diese heftige Reaktion der Kundschaft auf die polizeilichen Untersuchungen war mit ein Auslöser dafür, dass man sich in der Bank überhaupt gedanklich mit einem baldigen Zusammenschluss mit der Commerzbank beschäftigt.
Das macht jeden Halbsatz Sewings zum Geschäftsverlauf in den ersten Wochen des Jahres so wichtig.

2. Die Kostenziele

Sewing kann für sich verbuchen, dass er als erster Vorstandschef Ansätze für Kostendisziplin in der Deutschen Bank durchgesetzt hat. Mit dem Stellenabbau ist er nach Handelsblatt-Informationen auch zügiger vorangekommen als bislang vermutet – das dürfte sich auch auf die bereinigten Kosten im Jahr 2018 ausgewirkt haben.

Will Sewing die selbst gesteckten Renditeziele von vier Prozent auf das materielle Eigenkapital erreichen, wird er aber nach Einschätzung von Analysten noch einmal den Rotstift ansetzen und ehrgeizigere Kostensenkungen ins Auge fassen müssen.

Bislang ist es Sewings Ziel, die bereinigten Kosten ohne Sondereffekte wie Rechts- oder Restrukturierungsausgaben auf unter 22 Milliarden Euro zu senken. Die Frage ist, bleibt es dabei, oder schärft Sewing noch einmal nach?

3. Die Erträge

Egal, wie erfolgreich Sewing als Sparkommissar ist, ohne eine günstigere Ertragsentwicklung hat er keine echten Chancen, seine Renditeziele zu erreichen. Deshalb spielt die Ertragslage der Bank im Allgemeinen sowie der Firmenkunden- und Investmentbanking-Sparte im Besonderen eine wichtige Rolle.

Auch wenn Sewing stärker auf stabile Ertragsquellen wie das Privatkundengeschäft oder das Geschäft der Transaktionsbank setzen will, er bleibt bis auf Weiteres auf Erfolge in der Kapitalmarktsparte angewiesen. Sie ist nach wie vor ein enorm wichtiges Standbein.

Wichtig ist auch ein Blick auf die Qualität der Erträge. Denn ein Teil der Erträge dürfte im abgelaufenen Jahr einer Kuriosität des Bilanzrechts geschuldet sein. Unternehmen müssen ihre eigenen Verbindlichkeiten zu Marktpreisen bewerten.

Steigt die Bonität beziehungsweise sinken die Risikoaufschläge, dann sind die Schulden „mehr wert“ (für die Gläubiger), und das mindert dann das Ergebnis. Verschlechtern sich Reputation und Risikowahrnehmung, sodass die Risikoaufschläge steigen, dann steigt auch das Ergebnis – obwohl das ja eine schlechte Nachricht ist und kein Geld in die Kasse spült.


Bei der Deutschen Bank sind diese Risikoaufschläge im vierten Quartal spürbar gestiegen – und das dürfte sich dann auch positiv auf die Erträge ausgewirkt haben. Diesen Effekt muss man herausrechnen, wenn man wissen will, wie es um das Institut insgesamt bestellt war.

Welches Ausmaß solche Effekte haben könnten, zeigte das Geschäftsjahr 2017. Damals war der Wert der Schulden gestiegen und belastete die Erträge mit etwa 500 Millionen Euro.

4. Geldwäsche-Themen und Rechtsrisiken

Probleme bei den Systemen in der Geldwäscheprävention waren bei der Deutschen Bank im Jahr 2018 ein riesengroßes Thema: Die Bafin schickte wegen Mängeln der internen Systeme einen Sonderbeauftragten in die Bank, der nun akribisch darüber wacht, wie zügig die Bank monierte Mängel abstellt.

Derzeit muss die Bank ihre Kundenakten im Investmentbanking aktualisieren, bis Juni müssen 20.000 riskante Kunden entweder aktualisiert oder gekündigt werden. Das bindet Mitarbeiterkapazitäten und kann auch Geschäft kosten.

Unklar ist auch, welche Probleme der Deutschen Bank noch aus ihrer früheren Geschäftsverbindung zur dänischen Danske Bank erwachsen können. Die Deutsche Bank war Korrespondenzbank für die estnische Filiale der Danske und hat Milliardensummen in deren Auftrag transferiert, darunter auch viel dubioses Geld.

Die amerikanische Notenbank sieht sich das Geschäftsgebaren der Deutschen Bank derzeit genau an, am Montag soll der Geldwäschebeauftragte des Instituts, Stephan Wilken, dem Europaparlament Rede und Antwort stehen. Welche aufsichtsrechtlichen oder finanziellen Auswirkungen das haben kann, ist noch völlig unklar.

Auch ein alter Geldwäscheskandal der Bank in Russland ist noch nicht völlig ad acta gelegt. Zwar hat sich die Bank mit einigen Aufsichtsbehörden bereits auf Strafzahlungen geeinigt, doch eine Einigung mit dem US-Justizministerium steht noch aus.

5. Gretchenfrage Fusion

Fusioniert sie oder fusioniert sie nicht – das ist die Gretchenfrage zur Deutschen Bank. In den vergangenen Wochen haben sich die Indizien gehäuft, dass die Deutsche Bank schon in diesem Jahr, vielleicht schon im Sommer mit der Commerzbank fusionieren könnte.

Das liegt an dem wachsenden Druck, unter dem die Bank steht – und an den wachsenden Zweifeln, dass sie die Trendwende schafft, bevor ihr die Kunden und die Investoren in Scharen davonlaufen. Schon jetzt sind die Refinanzierungskosten der Bank höher als die der Konkurrenz, was das Institut weniger wettbewerbsfähig macht.

Als großes Hindernis gilt die noch ausstehende Integration der Postbank. Es wäre für die Deutsche Bank schwer, neben der Postbank parallel auch noch die Commerzbank auf ihre IT-Systeme zu heben. Jede Aussage über den Stand der Postbank-Integration ist damit auch eine Aussage über die Fusionsfähigkeit der Deutschen Bank.

Eigentlich wollte sich Sewing ja noch Zeit nehmen, seine Aufräumarbeiten bei der Deutschen Bank fortzusetzen. Im September war noch von 18 Monaten und damit einem Zeitrahmen bis Frühjahr 2020 die Rede.

Jede Aussage Sewings darüber, ob dieser Zeitrahmen noch gilt oder nicht, ist deshalb spannend. Und wenn Sewing gar nichts dazu sagen will, wie lange er noch für seine Hausaufgaben benötigt, dann ist das auch eine spannende (Nicht-)Aussage.

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