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Quartalszahlen Die Deutsche Bank muss um Kunden und Mitarbeiter kämpfen

Die Quartalszahlen zeigen, wie notwendig der Strategiewechsel der Deutsche Bank ist. Doch auch im Kerngeschäft verdient sie noch nicht genug.
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Die Deutsche Bank muss um Kunden und Mitarbeiter kämpfen Quelle: dpa
Zentrale der Deutschen Bank

Das größte deutsche Kreditinstitut befindet sich mitten im Umbau.

(Foto: dpa)

Frankfurt Es ist ein schwieriger Spagat, den die Deutsche Bank wagt: Zwar erntet der Vorstand von allen Seiten – Mitarbeitern, Analysten, Ratingagenturen und Aufsehern – Applaus für die grundsätzliche Richtung ihrer neuen Strategie, doch dass der Plan von Vorstandschef Christian Sewing aufgeht, bezweifeln viele. Das Umsetzungsrisiko des Projekts gilt als enorm. Die größte Gefahr droht der Bank durch die Abwanderung von verunsicherten Kunden und Mitarbeitern.

Die Bank ist sich dieser Gefahr bewusst: In den 36 Stunden nach Verkündung der neuen Strategie Anfang Juli hat das Institut mehr als 5.000 der wichtigsten Kunden weltweit schriftlich oder telefonisch über die Pläne informiert. „Nur wenige haben Bedenken geäußert“, betonte Sewing im Gespräch mit Analysten. Die Bank beobachte die Aktivitäten dieser Schlüsselkunden täglich.

Es sind vor allem die Finanzprofis, die skeptisch bleiben. „Sie schrumpfen in der Investmentbank, wollen aber gleichzeitig Marktanteile bei der Platzierung von Aktien und Anleihen sowie im Beratungsgeschäft gewinnen? Wie soll das funktionieren“, hakte ein Analyst am Mittwoch bei der Präsentation der Zahlen für das zweite Quartal nach.

Aber Sewing ist sich sicher: „Sie glauben nicht, wie wichtig Klarheit ist.“ Für Kunden und Mitarbeiter sei nun deutlich, welche Geschäfte die Bank fortführe und welche nicht und wo man investiere. Das motiviert die Mannschaft. „Ich spüre eine neue Dynamik, vielerorts auch eine Aufbruchsstimmung“, schreibt er an seine Mitarbeiter.

Unerreichbare Rendite

Dass es für einen Aufbruch höchste Zeit ist, hatten zuvor die Zahlen für die Monate April bis Juni gezeigt. Dass der Umbau die Bank in die roten Zahlen drücken würde, war von vornherein klar: Wegen des Umbaus machte das Institut 3,1 Milliarden Euro Verlust nach Steuern. Darin waren Restrukturierungsaufwendungen in Höhe von 3,4 Milliarden Euro enthalten. Insgesamt soll der Umbau 7,4 Milliarden Euro kosten.

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Doch selbst ohne die Umbaukosten fiel das Ergebnis alles andere als zufriedenstellend aus. Ohne die neue Strategie hätte die Bank wohl spätestens heute einräumen müssen, dass sie ihr ursprünglich anvisiertes Ziel von vier Prozent Rendite auf das materielle Eigenkapital niemals hätte halten können. Denn rechnet man die Restrukturierungskosten heraus, dann blieben nach Steuern gerade einmal 231 Millionen Euro an Gewinn übrig.

Vor Verkündung der neuen Strategie vor zwei Wochen hatten Analysten der Bank noch einen Gewinn von 378 Millionen Euro zugetraut. Die Rendite auf das materielle Eigenkapital, die bereits im ersten Quartal gerade einmal 1,3 Prozent betrug, hätte ohne Umbaukosten im zweiten Vierteljahr nur 1,4 Prozent erreicht. Fortschritte in der deutschen Privatkundenbank und im Asset-Management konnten Rückschläge im Investmentbanking nicht ausgleichen.

Der Restrukturierungsplan kam zur rechten Zeit“, urteilen die Analysten des Brokers Keefe, Bruyette & Woods (KBW). KBW-Analyst Thomas Hallet hält unter anderem unerwünschte Kundenabwanderungen sowie das ungünstige Zinsumfeld für ein Risiko. Daher zweifelt er, dass die Bank die Rendite auf das materielle Eigenkapital bis 2022 auf acht Prozent steigern kann und traut ihr nur die Hälfte zu. Auch viele Investoren zeigten sich enttäuscht: Zeitweise fiel der Aktienkurs der Bank am Mittwoch um fünf Prozent, nachmittags lag das Minus noch immer bei mehr als zwei Prozent.

Zur Skepsis mag beitragen, dass die Bank auch für die Kernbank keine überzeugenden Zahlen vorlegen konnte: In den Geschäftsfeldern, die die Bank fortführen will, schrumpften die Erträge im ersten Halbjahr um drei Prozent – im fortgeführten Investmentbanking waren es sogar zwölf Prozent. Damit schlugen sich diese „erwünschten“ Geschäftsfelder besser als die Deutsche Bank in ihrer heutigen Form: Die musste insgesamt einen Ertragsrückgang von sechs Prozent verkraften, im Investmentbanking sogar 16 Prozent.

Der Handelsblatt Expertencall
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