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Quartalszahlen Spanische Großbank BBVA profitiert von internationaler Aufstellung

Die zweitgrößte spanische Bank steigert Zinsüberschuss und Nettogewinn. Damit entzieht sie sich der Misere der meisten nationalen Rivalen.
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Spanien: BBVA profitiert von internationaler Aufstellung Quelle: Reuters
BBVA-Zentrale in Madrid

Drei Viertel ihres Gewinns erzielt die spanische Großbank außerhalb der Euro-Zone.

(Foto: Reuters)

Madrid BBVA hat im zweiten Quartal Gewinn und Zinsüberschuss gesteigert. Damit steht die zweitgrößte spanische Bank besser da als die meisten nationalen Konkurrenten, die stark unter dem Niedrigzinsumfeld leiden.

76 Prozent ihres Gewinns erzielt BBVA außerhalb der Euro-Zone, allein 42 Prozent davon in Mexiko. Dementsprechend unabhängiger ist das Geldhaus von den europäischen Leitzinsen. So stieg der Zinsüberschuss von BBVA im abgelaufenen Quartal um 6,2 Prozent. Der Nettogewinn legte um 2,6 Prozent auf 1,28 Milliarden Euro zu.

Das Ergebnis hätte sogar noch besser ausfallen können. Aber BBVA hat im vergangenen Jahr das Geschäft in Chile verkauft, die ausbleibenden Einnahmen aus dem Land drücken verglichen mit dem Vorjahreszeitraum den Nettogewinn. Bereinigt um den Verkauf in Chile wäre der Nettogewinn um sechs Prozent gestiegen.

Geholfen hat dagegen eine gesunkene Risikovorsorge im zweiten Quartal, vor allem in Spanien, wo BBVA faule Kredite verkauft hat. Die Bruttoeinnahmen stiegen um 1,4 Prozent auf 5,9 Milliarden Euro und lagen damit ebenso wie der Gewinn über den Erwartungen den Analysten.

„Das sind gute Zahlen“, sagt Daragh Quinn, Analyst von Keefe, Bruyette & Woods, dem Handelsblatt. „BBVA hat sich in den vergangenen Monaten im Vergleich mit seinen Rivalen recht gut geschlagen.“ Gleichwohl sei der aktuell hohe Zinsüberschuss der Spanier in Zukunft womöglich gefährdet, da Zinssenkungen in den USA und in Mexiko wahrscheinlich seien.

Auch Spaniens Geldhäuser leiden unter Niedrigzinspolitik

Anders als BBVA und Spaniens Platzhirsch Banco Santander, die beide viel Geschäft außerhalb der Euro-Zone haben, leiden die spanischen Banken derzeit stark unter der weiteren Lockerung der Geldpolitik in der Euro-Zone. Nachdem der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, am vergangenen Donnerstag erneute Zinssenkungen in Aussicht gestellt hatte, senkten Caixabank, Banco Sabadell und Bankia bei der Vorstellung ihrer Halbjahresergebnisse ihre Prognosen für dieses Jahr. Alle drei konzentrieren sind vor allem auf dem spanischen Markt aktiv.

Caixabank, Nummer drei in Spanien hinter Santander und BBVA, rechnet jetzt nur noch damit, dass ihre Einnahmen um ein statt wie zuvor geplant um drei Prozent steigen. Banco Sabadell, Nummer vier auf dem spanischen Markt, geht davon aus, dass der Zinsüberschuss um ein Prozent sinkt oder stagniert, während die Bank zuvor einen Anstieg zwischen ein und zwei Prozent in Aussicht gestellt hatte. Die verstaatlichte Bankia senkte die Gewinnerwartung für 2020. Das geplante Gewinnziel von 1,3 Milliarden Euro könne die Bank nun nicht mehr erreichen, erklärte sie.

Zinssenkungen belasten spanischen Banken besonders, weil sie stark im klassischen Retail-Geschäft mit Krediten und Hypotheken aktiv sind. Die Aktienkurse der Banken sind bereits länger auf Sinkflug. Seit dem Jahresanfang haben die Aktien von Caixabank, Sabadell und Bankia zwischen 22 und 28 Prozent verloren. Ganz anders ist dagegen das Bild bei Santander und BBVA, deren Papiere in etwa auf dem Niveau vom Jahresbeginn liegen.

Gleichwohl leiden auch die beiden Platzhirsche unter den niedrigen Zinsen. Sie versuchen ebenso wie die national tätigen Banken, die geringeren Einnahmen durch Kostensenkungsprogramme, zunehmende Digitalisierung und den Abbau fauler Kredite (NPL) aufzufangen. BBVA hat seine Effizienz durch den zunehmend digitalen Kontakt mit seinen Kunden im ersten Halbjahr erhöht. Die Bank wendet nun 49 Cents auf, um einen Euro zu verdienen. Ein halbes Jahr zuvor waren es noch 49,7 Cents.

Bei den Banken, die Personal abbauen, drücken die Kosten dafür zunächst auf die Gewinne. Der Ertrag von Caixabank, die 2000 Mitarbeiter abbaut, sank deshalb im ersten Halbjahr um 52 Prozent. Ohne diese Kosten wäre der Gewinn um 0,7 Prozent gestiegen, erklärte die Bank.

Spanische Bankbranche gilt als saniert

Auch mit dem Abbau notleidender Kredite (NPL) können die Banken ihre Bilanz stärken. Im vergangenen Jahr haben spanische Banken NPL in Höhe von 40 Milliarden Euro abgebaut – mehr als in jedem anderen EU-Land. Die spanische Bankbranche, die wie andere in Europa und der Welt stark unter der Finanzkrise litt, gilt inzwischen als saniert. Von über 50 Sparkassen und Banken, die es zuvor in Spanien gab, sind heute nur noch rund ein Dutzend übrig.

Der Chef des arbeitgebernahmen Wirtschaftsforschungsinstituts Instituto de Estudios Económicos, Iñigo Fernández de Mesa, ist überzeugt, dass die robuste spanische Banklandschaft einer der wichtigsten Gründe für das starke Wirtschaftswachstum Spaniens ist. „Wir haben in der Krise die nötigen Reformen umgesetzt und unser Finanzsystem so weit saniert wie kein anderes Land in Europa“, sagt er. „Die Banken haben heute saubere Bilanzen, sind enorm effizient und vergeben seit dem Jahr 2013 wieder Kredite.“ Spaniens Wirtschaft wächst seit Jahren deutlich stärker als die übrigen großen EU-Länder.

Dennoch sehen Experten auch in Spanien noch Spielraum für eine weitere Konsolidierung auf dem Bankenmarkt. Gespräche dazu hat es bereits gegeben. Anfang des Jahres hat die Regionalbank Abanca ein Angebot für die ebenfalls regionale Liberbank gemacht. Anschließend verhandelten Liberbank und Unicaja.

Auch wenn daraus noch nichts geworden ist, bleibe „die Logik für den Zusammenschluss von regionalen Banken intakt“, sagt Marco Troiano von der Agentur Scope Ratings. Ihnen werde es künftig schwerer fallen, mit ihren großen, nationalen Rivalen zu konkurrieren, argumentiert er. „Sie haben derzeit sehr gut etablierte lokale Marken, aber es besteht das Risiko, dass sie an Kraft verlieren, wenn die digitale Konkurrenz wächst.“ Denn Investitionen in die IT, die erforderlich seien, um den Anschluss nicht zu verlieren, würden überregionale Banken weniger belasten als ihre kleineren Wettbewerber, erläutert Troiano.

Mehr: Im Skandal um abgehörte Telefonate ist nach mehreren amtierenden und ehemaligen BBVA-Managern nun auch das zweitgrößte spanische Institut als juristische Person selbst im Fokus der Ermittler.

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