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Quartalszahlen Zahlen der US-Banken – JP Morgan stellt Konkurrenz in den Schatten

In der Branche zeigt sich ein gemischtes Bild. Bei Goldman Sachs und Wells Fargo brach der Gewinn ein. JP Morgan übertrifft die Erwartungen.
Update: 15.10.2019 - 17:12 Uhr Kommentieren
Die Skyline von New York bei Sonnenuntergang. Quelle: E+/Getty Images
Skyline von Manhattan

Die Skyline von New York bei Sonnenuntergang.

(Foto: E+/Getty Images)

New York Mit Jamie Dimon kann so schnell niemand mithalten. Der Chef von Amerikas größter Bank, JP Morgan Chase, hat am Dienstag starke Quartalszahlen vorgelegt. Die Bank meldete Erträge von 29,3 Milliarden Dollar – ein neuer Rekord. Der Nettogewinn stieg um acht Prozent auf 9,1 Milliarden Dollar.

Dimon ist damit schon jetzt der klare Sieger der Quartalssaison. Am Dienstag legten neben dem Branchenführer auch Goldman Sachs, Citigroup und Wells Fargo Zahlen vor – mit deutlich schlechterem Ausgang.

Dimon, der am längsten amtierende Chef einer amerikanischen Großbank, verwies auf die „Widerstandsfähigkeit“ seines Instituts, „das sich selbst in einem schwierigen Zinsumfeld behaupten kann“.

Vor allem das Handelsgeschäft und das Investmentbanking waren bei JP Morgan stark, mit einem Plus von 14 Prozent. Der Handel mit festverzinslichen Wertpapieren, Devisen und Rohstoffen stieg um 25 Prozent und konnte damit eine Schwäche im Aktienhandel wettmachen. Beim weltweiten Investmentbanking bleibt die Bank Spitzenreiter.

Das Geschäft mit Emissionen von Anleihen und Aktien stieg um 18 Prozent auf 1,5 Milliarden Dollar. JP Morgan leidet wie andere Institute jedoch auch an der Schwäche im Markt für Fusionen und Übernahmen. Hier lagen die Erträge bei 506 Millionen Dollar, ein Minus von 13 Prozent.

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Schon seit sieben Quartalen legt die Bank höhere Gewinne vor. Dieser Trend hielt nun trotz sinkender Leitzinsen an. Auch das Privatkundengeschäft war stark, mit einem Gewinnanstieg von fünf Prozent auf 4,3 Milliarden Dollar.

Der Zinsüberschuss, ein wichtiger Puffer für das volatile Handelsgeschäft, stieg entgegen den Erwartungen um zwei Prozent auf 14,3 Milliarden Dollar. Das ist die Differenz aus den Zinsen, die die Bank für die Vergabe von Krediten bekommt, abzüglich der Zinsen, die sie für Einlagen zahlt.

Über die Zukunft des Bürovermieters Wework wollte sich Dimon nicht äußern. Die Bank hat sowohl dem krisengeschüttelten Unternehmen als auch dessen Gründer und ehemaligem Chef Adam Neumann hohe Kredite gewährt. Neumann konnte diese zum Teil mit seinen Unternehmensanteilen besichern. Nach dem abgesagten Börsengang, der eigentlich im September stattfinden sollte, steckt Wework jedoch in einer schweren Krise.

Noch im Januar war das Unternehmen mit 47 Milliarden Dollar bewertet worden, nun wird über eine Bewertung von gut zehn Milliarden Dollar diskutiert. Das Unternehmen ist derzeit sowohl mit JP Morgan als auch mit Großinvestor Softbank in Diskussionen über weitere Finanzierungsmöglichkeiten.

Goldman Sachs schnitt im dritten Quartal dagegen deutlich schlechter ab. Der Gewinn brach um rund ein Viertel auf 1,8 Milliarden Dollar ein. Die Erträge fielen um sechs Prozent auf 8,3 Milliarden Dollar. Vor allem das Investmentbanking, Goldmans Kerngeschäft, schwächelte.

Das Institut leidet wie JP Morgan unter der Schwäche im Markt für Fusionen und Übernahmen sowie unter dem schlechten Klima für Börsengänge. Das Geschäft mit Neuemissionen ging um neun Prozent auf 971 Millionen Dollar zurück.

Auch bei Anleihe-Emissionen hat sich die Stimmung deutlich verschlechtert, gerade der Markt für sogenannte Leveraged-Finance-Transaktionen hat sich nach den Zinssenkungen der amerikanischen Notenbank deutlich abgekühlt.

Dort geht es um Kredite an ohnehin schon hochverschuldete Unternehmen, deren Zinsen an den Leitzins gekoppelt sind. Diese riskanten Kredite waren im vergangenen Jahr noch extrem beliebt und stießen auf hohe Nachfrage von Investoren.

„Die Erwartungen waren für Goldman Sachs ohnehin nicht besonders hoch, doch die Bank konnte noch nicht einmal diese erfüllen“, kritisiert Octavio Marenzi von der Kapitalmarktberatung Opimas. „Die Erträge im Investmentbanking gingen um 15 Prozent zurück, während JP Morgan hier um sieben Prozent zulegen konnte.“

Goldman musste auch Beteiligungen an börsennotierten und privaten Unternehmen nach unten korrigieren. Ein Minus von 267 Millionen Dollar kommt von Beteiligungen an dem Fahrdienstleister Uber, dem Biotech-Unternehmen Avantor und dem Finanzdienstleister Tradeweb.

Goldman und Morgan Stanley waren die führenden Investmentbanken für Ubers Börsengang im Mai, der überraschend schlecht lief. Die Aktie liegt seitdem rund 30 Prozent unter dem Ausgabepreis, nach dem die Unternehmensbewertung vor dem Börsengang bereits deutlich gesenkt werden musste.

Wie groß die Abschreibungen an der Wework-Beteiligung waren, teilte Goldman bisher nicht mit. Analystenschätzungen zufolge hält die Bank rund 1,4 Prozent an dem krisengeschüttelten Start-up.

Betsy Graseck von Morgan Stanley rechnet mit Abschreibungen in Höhe von 264 Millionen Dollar. Ein überraschender Lichtblick war das Handelsgeschäft, das lange Zeit das Sorgenkind der Bank war. Die Handelsumsätze stiegen um sechs Prozent auf 3,3 Milliarden Dollar. Sowohl der Handel mit Aktien als auch der mit festverzinslichen Wertpapieren, Devisen und Rohstoffen legte zu.

Auch die Citigroup konnte ihren Nettogewinn für das dritte Quartal leicht auf 4,9 Milliarden Dollar steigern. Das Institut konnte Goldman im Investmentbanking offenbar auch Geschäft abjagen. Die Erlöse aus dem Geschäft mit Anleiheemissionen stiegen um sieben Prozent.

Analysten missfällt allerdings, dass die Kosten der Bank im abgelaufenen Quartal leicht gestiegen sind, obwohl Vorstandschef Michael Corbat diese eigentlich weiter senken wollte und in den vergangenen Wochen Hunderte Wertpapierhändler entließ.

Einen Gewinneinbruch musste dagegen auch Wells Fargo vermelden. Der Nettogewinn fiel um 23 Prozent auf 4,6 Milliarden Dollar. Die Erträge lagen etwa auf Vorjahresniveau bei 22 Milliarden Dollar. Wells kämpft seit Jahren mit Skandalen und stellte 1,6 Milliarden Dollar für Gerichtskosten zurück. Nächste Woche rückt Charlie Scharf auf den Chefsessel der Bank aus San Francisco. Er war zuvor Chef der Bank of New York Mellon.

Mehr: Die Protokolle der Fed-Sitzung vom September zeigen, dass die Ansichten der US-Währungshüter über die weiteren Wirtschaftsaussichten auseinandergehen.

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