Rabattschlachten Verbraucherzentrale mahnt Kreditportal Smava ab

Das aggressive Marketing von Smava macht Verbraucherschützer hellhörig. Auch die anderen Kreditportale haben die Marktwächter auf dem Radar.
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Das Kreditvergleichsportal Smava und seine Mitbewerber werben mit Versprechen, auf die sie keinen Einfluss haben. Quelle: PR
Werbegrafik von Smava

Das Kreditvergleichsportal Smava und seine Mitbewerber werben mit Versprechen, auf die sie keinen Einfluss haben.

(Foto: PR)

FrankfurtNach ersten Beschwerden knüpfen sich Verbraucherschützer jetzt die Kreditvergleichsportale vor – und sie sind nicht zimperlich. Die Marktwächter Finanzen der Verbraucherzentrale Sachsen verschickten jüngst eine große Pressemitteilung, sie hätten Smava erfolgreich abgemahnt wegen irreführender Werbung. Auslöser seien Beschwerden von Verbrauchern gewesen.

Smava sorgte im Februar für Schlagzeilen, als sich das Portal mit den Konkurrenten Check24 und Finanzcheck eine irre Rabattschlacht um den billigsten Ratenkredit lieferte. Bis auf minus fünf Prozent schaukelten sie sich damals herunter, und dann bot Finanzcheck sogar einen Kredit für minus 100 Prozent an. Ende Mai gab es noch einmal eine Minus-fünf-Prozent-Aktion. Die Finanz-Start-ups haben keine Banklizenz, sondern vermitteln die Kredite nur.

Anlass zu ersten Verbraucherbeschwerden gab nun das „Auszahlungsversprechen für Kredite“, das Smava bewirbt. Nach Auffassung der Marktwächter handelte es sich dabei um irreführende Werbung für die Kreditvergabe, da der Eindruck vermittelt wurde, dass die Zuteilung des Kredites von Smava zugesichert werden konnte – dass Verbraucher also in jedem Fall den beworbenen Kredit erhalten würden.

Zweifelhafte Garantie

„Tatsächlich hat Smava auf die Vergabe des Kredites aber keinen Einfluss und konnte die Zuteilung folglich nicht gewährleisten“, erklärt Kerstin Schultz, Leiterin des zuständigen Teams der Verbraucherzentrale Sachsen. „Das darf grundsätzlich nur ein Kreditinstitut mit Zulassung der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht.“

Die Marktwächter mahnten Smava ab und forderten das Unternehmen auf, eine Unterlassungserklärung abzugeben. Darin sicherte Smava zu, „derartige Kreditzusagen zukünftig nicht mehr zu bewerben“, heißt es vonseiten der Verbraucherzentrale. Doch dieser Erfolg der Verbraucherschützer könnte ins Leere laufen. Denn so schnell will sich Smava nicht ausbremsen lassen.

Kein Wunder, das Auszahlungsversprechen ist nach eigener Auffassung ein Alleinstellungsmerkmal der Berliner gegenüber den Konkurrenten. Entsprechend vehement verteidigt sich das Portal gegenüber dem Handelsblatt. Das Auszahlungsversprechen werde schon seit 2015 gegeben und wurde bisher nicht beanstandet.

Jeder Kreditinteressent muss auf den Portalen eine Fülle von Daten zu seiner persönlichen und finanziellen Situation eingeben. Auf dieser Basis erstellen die angeschlossenen Banken ein Scoring und unterbreiten über das Portal ein Kreditangebot. Smava hat diesen Vorgang so oft beobachtet, dass man sich inzwischen zutraut, schon nach der Dateneingabe eine Aussage über die Wahrscheinlichkeit für eine Kreditzusage zu machen.

Daran soll sich trotz Unterlassungserklärung grundsätzlich nichts ändern, erklärte das Unternehmen auf Nachfrage. „Wir weisen nun noch stärker darauf hin, dass für eine adäquate Auszahlungswahrscheinlichkeitseinschätzung und ein Auszahlungsversprechen ein vollständiger Kreditantrag notwendig ist“, so die Berliner. Ob Smava so einfach davonkommt, bleibt abzuwarten. Man werde die Umsetzung genau prüfen, heißt es aus Sachsen.

Auch die anderen Kreditportale haben die Marktwächter auf dem Radar. Gerade im Zuge der Null- oder Negativzinskredite nehmen die Beschwerden zu verschiedenen Vergleichsportalen zu, wie die Sachsen berichten. Verbraucher seien enttäuscht, weil sie statt der beworbenen Konditionen eine Flut an Alternativangeboten erhielten. „Daneben verzeichnen wir Beschwerden, bei denen ein Missbrauch von Verbraucherdaten und der Datenschutz allgemein ein mögliches Problem darstellen könnten“, erklärt Kerstin Schultz vom Marktwächter-Team. Sie ruft weitere Betroffene auf, sich zu melden.

In Berlin ist man irritiert ob dieser Drohgebärde. „Uns liegen keine weiteren Kritikpunkte der Verbraucherzentrale vor“, sagt Smava.

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