Raiffeisen Bank International Geringere Risikokosten – Österreichs größte Bank verzeichnet Plus von 29 Prozent

Die Raiffeisen Bank legt starke Quartalszahlen vor. Sie profitiert besonders von der gemäßigten Konjunktur in Osteuropa. An der Börse geht es dennoch bergab.
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„Wir bleiben gewohnt vorsichtig bei der Kreditvergabe.“ Quelle: Reuters
Raiffeisen-CEO Johannes Strobl

„Wir bleiben gewohnt vorsichtig bei der Kreditvergabe.“

(Foto: Reuters)

WienDie Begrenzung von Risiken ist für Johann Strobl eine Lebensaufgabe. Viele Jahre lang war er Risikovorstand der auf Osteuropa spezialisierten Raiffeisen Bank International (RBI). Seit Frühjahr 2017 ist er dort Vorstandschef.

Groß ist die Freude beim 58-Jährigen deshalb über die makroökonomischen Perspektiven der Länder zwischen Tschechen und Ungarn bis nach Bulgarien und Rumänien. „Der Höhepunkt ist in vielen Ländern überschritten“, sagte der promovierte Ökonom bei der Vorlage der Halbjahresbilanz in Wien am Donnerstag. „Das ist eine gesunde Entwicklung.“

Es ist im Interesse der Bank, wenn Überhitzungstendenzen in den Kernmärkten möglichst gering sind. Andernfalls könnte eine erhöhte Kreditvergabe dafür sorgen, dass einige Darlehen irgendwann nicht mehr bedient werden können und als ausfallgefährdet gelten.

Davon profitiert die größte Bank in Österreich. Die Zahl der faulen Kredite ging in den ersten sechs Monaten weiter sehr deutlich zurück, auf 4,8 Prozent. Gleichzeitig legte der Zins- und Provisionsüberschuss leicht zu. Das Konzernergebnis stieg im ersten Halbjahr um 29 Prozent auf 756 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Darin ist bereits der Verlust von 121 Millionen Euro aus dem Verkauf der polnischen Tochter an BNP Paribas enthalten.

Die Franzosen hatten im Frühjahr die Raffeisen Bank Polska S.A. für 775 Millionen Euro übernommen. „Alles läuft planmäßig. Wir rechnen mit einem Closing im vierten Quartal“, sagte Strobl am Donnerstag. Die Fremdwährungskredite in Schweizer Franken und Euro wurden dabei nicht verkauft.

Beim Konkurrenten Erste Group sieht die Situation noch besser aus. Dort hat der Bestand mit faulen Krediten mit einer Quote von 3,6 Prozent den niedrigsten Stand seit zehn Jahren erreicht. Konzernchef Andreas Treichl kündigte kürzlich eine weitere Reduktion an.

Bankchef mahnt vor neuen Risiken

Das strebt auch die RBI an – Strobl warnt daher vor genau diesen Risiken. „Wir sehen in einigen Ländern eine Überhitzung.“ Der Markt für Arbeitskräfte sei „ausgetrocknet“. Insbesondere Länder wie Tschechien, die Slowakei, Ungarn und Polen leiden angesichts des starken Wirtschaftswachstums unter Fachkräftemangel.

Die Volkswirte der RBI geben daher einen defensiven Ausblick. Noch wächst das Bruttoinlandsprodukt in vielen osteuropäischen Ländern zwischen vier und fünf Prozent jährlich. Für 2020 erwarten die Experten allerdings eine Abschwächung auf zwei bis drei Prozent.

Das gilt sowohl für Mittelosteuropa als auch Südosteuropa. Dort werden der private Konsum aber auch die Investitionen an Fahrt verlieren. Wie Strobl betonte, plane seine Bank vorerst keine Expansion in neue Märkte in Osteuropa. Die Raiffeisen ist in 14 Ländern aktiv, darunter auch in Russland und der Ukraine. Sie ist der große Konkurrent der ebenfalls österreichischen Erste Group und der italienischen Unicredit in Osteuropa.

An der positiven Entwicklung sollen auch die krisenerprobten Aktionäre der RBI beteiligt werden. Die Anteilseigner sollen zwischen 20 bis 50 Prozent des Nettoergebnisses erhalten, hieß es. Für das vergangene Jahr hatte Raiffeisen eine Dividende von 62 Cent ausgezahlt.

Die Aktie sackte am Donnerstagvormittag zeitweise dennoch um über fünf Prozent ab. Experten führen das auf US-Sanktionen gegen Russland zurück, dem wichtigsten Einzelmarkt der Bank. Vorstandschef Strobl wollte sich nicht zum Aktienkurs äußern. Mit einer Notierung von mehr als 26 Euro ist das Papier noch immer mehr als doppelt so teuer wie vor zwei Jahren.

Von den 17 Analysten, die die RBI beobachten, empfiehlt die Hälfte das Papier als Kauf. Die französische Bank BNP Paribas sieht die Österreicher hingegen als „Underperformer“. Die RBI mit rund 50.000 Mitarbeitern gehört zu 58,8 Prozent den Raiffeisenlandesbanken in Österreich. Die restlichen Anteile befinden sich im Streubesitz.

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