Rating 2025: Diese gesetzlichen Krankenkassen haben das beste Preis-Leistungs-Verhältnis
Köln. Die Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung steigen seit Jahren deutlich. Grund sind die stark wachsenden Ausgaben der Kassen. Bereits in diesem Jahr haben 20 Krankenkassen ihre Zusatzbeiträge angehoben. Neben dem allgemeinen Beitragssatz von 14,6 Prozent ist der Zusatzbeitrag von 1,7 Prozent 2024 auf im Schnitt 3,13 Prozent gestiegen. Weitere Erhöhungen zum 1. Januar 2026 gelten als wahrscheinlich.
Steigende Beiträge sind der häufigste Grund für gesetzlich Versicherte, ihre Krankenkasse zu wechseln. „Wenn die Zusatzbeiträge zum Jahreswechsel steigen, schauen einige Versicherte gezielt nach anderen Krankenkassen“, beobachtet Sabine Wolter, Expertin der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Auch negative Serviceerfahrungen spielen eine wichtige Rolle.
Wer über einen Wechsel der gesetzlichen Krankenkasse nachdenkt, findet im aktuellen Rating des Deutschen Finanz-Service Instituts (DFSI) Orientierung. Das Institut hat bundesweit und regional geöffnete Kassen untersucht.
In die Gesamtbewertung fließen zu gleichen Teilen Finanzkraft, Leistungsangebot und Service ein. „Die gesetzlichen Krankenkassen stehen vor einem Dilemma“, fasst Thomas Lemke, Geschäftsführer des DFSI, zusammen. Einerseits müssen sie streng auf die Kosten achten, andererseits drückt eine zu hohe Abwanderungsrate zu anderen Kassen auf das Gesamtergebnis.
„Auf der Leistungsseite machen die gesetzlichen Kassen vieles richtig: Prävention, besondere Versorgungsangebote, Zahnleistungen und Prämien für gesundheitsbewusstes Verhalten werden Jahr für Jahr breiter und oft auch großzügiger“, sagt Lemke. Dennoch fällt die Gesamtnote in diesem Jahr schlechter aus als im Vorjahr – aus einem einfachen, aber gewichtigen Grund: Die Finanzkraft vieler Kassen hat sichtbar nachgelassen. Keine Kasse erhält die Bestnote „exzellent“. Immerhin drei bundesweit und zwei regional geöffnete Kassen werden mit „sehr gut“ bewertet.
Gesundheitsversorgung individueller gestalten
Die Techniker Krankenkasse (TK) schneidet im Ranking am besten ab. Sie erreicht im Gesamtergebnis aus Finanzkraft, Leistungen und Service 85,2 von 100 möglichen Punkten. Die TK setzt zudem stark auf Digitalisierung. „Ich bin der Überzeugung, dass Gesundheitsdaten der Dreh- und Angelpunkt für eine moderne Versorgung sind“, sagt Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der TK. Die Chance, die Gesundheitsversorgung effizienter, individueller und qualitativ besser zu gestalten, liege in der smarten Zusammenführung dieser Daten.
„Deutschland gilt im internationalen Vergleich noch immer als Nachzügler bei der Digitalisierung des Gesundheitssystems“, sagt Baas. Überhaupt Daten verfügbar zu machen, sei nun der erste Schritt. „In Zukunft wird es für Krankenkassen möglich sein, auf Wunsch der Versicherten individuelle Präventionsmaßnahmen zu entwickeln. Dann können wir Versicherten Services anbieten, die individuell auf ihre Gesundheit zugeschnitten sind und helfen, Krankheiten vorzubeugen, bevor sie entstehen.“
Mit Kunden über alle Kanäle kommunizieren
Auch die bundesweit geöffnete Hanseatische Krankenkasse (HEK) erzielt in der Gesamtbewertung ein sehr gutes Ergebnis. Sie setzt auf eine Kombination aus persönlicher und digitaler Betreuung: In vier regionalen Kundenzentren berät die HEK ihre Versicherten vor Ort – zusätzlich telefonisch, per Chat und über digitale Kanäle. „So erweitern wir stetig unsere zentrale Service-App“, beschreibt Torsten Kafka, Vorstand der HEK. Integriert sind dort unter anderem eine ärztliche Videosprechstunde und die elektronische Patientenakte (ePA). Auch bei Finanzkraft und Leistungsangebot schneidet die HEK überdurchschnittlich gut ab.
Die hkk Krankenkasse, die im Rating ebenfalls mit der Note „sehr gut“ abschneidet, überzeugt durch einen im Vergleich günstigen Beitragssatz: Mit einem Zusatzbeitrag von 2,19 Prozent liegt sie deutlich unter dem Durchschnitt aller gesetzlichen Kassen. Auch die hkk setzt stark auf Digitalisierung und bietet mehr als 50 Leistungen vollständig digital an. Zusätzlich umfasst ihr Angebot erweiterte Leistungen, etwa in den Bereichen Vorsorge und Impfungen. Man werde weiterhin die Verwaltungskosten so niedrig wie möglich halten, sagt Ilja Mertens, Pressesprecher der hkk. Er zeigt sich jedoch besorgt über die „Schere zwischen Einnahmen und Ausgaben“ in der gesetzlichen Krankenversicherung und spricht sich gegen „kurzfristige, symbolpolitische Maßnahmen“ aus. Stattdessen fordert er „nachhaltige, strukturelle Reformen“.
Unter den bundesweit geöffneten Krankenkassen werden 17 weitere mit der Note „gut“ bewertet. Bei den regional geöffneten Kassen schneiden die AOK Rheinland-Pfalz/Saarland und die AOK Bayern am besten ab. Im Gesamttest aus Finanzkraft, Zusatzleistungen und Service erhalten sie die Note „sehr gut“. Weitere 14 regional geöffnete Krankenkassen werden mit „gut“ bewertet.
Kassenwechsel geht schnell und einfach
Wer die gesetzliche Krankenkasse wechseln möchte, kann das ohne großen Aufwand tun. Entscheidend ist nur, sich bis zum Monatsende für eine neue Kasse zu entscheiden. Diese übernimmt sämtliche Kündigungs- und Wechselformalitäten mit der bisherigen Krankenkasse – die Versicherten müssen sich um nichts weiter kümmern.
„Bei einer Beitragserhöhung gilt immer ein Sonderkündigungsrecht von zwei Monaten“, erklärt Verbraucherschützerin Wolter. Das bedeutet: Ab dem Zeitpunkt, an dem die Krankenkasse ihre Mitglieder über den höheren Zusatzbeitrag informiert, können Versicherte innerhalb von zwei vollen Kalendermonaten kündigen. Der Wechsel erfolgt zum Ende des Monats, in dem die Kündigungsfrist abläuft.
Ein Beispiel: Wer bis Ende Dezember über eine Beitragserhöhung informiert wird, kann bis zum 28. Februar eine neue Mitgliedschaft beantragen. Zum 1. Mai ist der Kassenwechsel vollzogen. Die neue Krankenkasse übernimmt dabei automatisch die elektronische Abmeldung bei der bisherigen.
Wichtig zu wissen: Die sonst übliche Mindestbindungsfrist von zwölf Monaten entfällt in diesem Fall. Das Sonderkündigungsrecht gilt unabhängig davon, wie lange jemand bereits bei seiner Krankenkasse versichert ist.