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Ratingagenturen Morningstar übernimmt die Ratingagentur DBRS für 670 Millionen Euro

Die US-Fondsspezialisten drängen damit in den von Moody's, Fitch und S&P dominierten Rating-Markt. Das schreckt den europäischen Konkurrenten Scope auf.
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Morningstar-Chef Kunal Kapoor: Das Fondsnanalysehaus tritt mit der Übernahme in den Markt für Kreditratings ein. Quelle: PR
Morningstar

Morningstar-Chef Kunal Kapoor: Das Fondsnanalysehaus tritt mit der Übernahme in den Markt für Kreditratings ein.

(Foto: PR)

Das für Fonds- und Aktienratings bekannte US-Analysehaus Morningstar übernimmt die kanadische Rating-Agentur DBRS. Die Amerikaner zahlen dafür knapp 670 Millionen Euro, wie Morningstar am Mittwoch mitteilte.

Mit der Übernahme der weltweit viertgrößten Rating-Agentur will Morningstar im Geschäft mit der Bewertung von Emittenten von Staats- und Unternehmensanleihen Fuß fassen. Kunal Kapoor, CEO von Morningstar sagte der Mitteilung zufolge: „Die Möglichkeit, Investoren mit unabhängigem Research und Marktmeinungen zu einer Vielzahl von Wertpapieren zu versorgen, hat unseren Entschluss gefördert, in das Geschäft mit Kredit-Ratings einzusteigen.“

Das Geschäft mit Ratings von Anleihe-Emittenten wird von einem US-Trio dominiert: S&P, Moody’s und Fitch. Dieses Oligopol will Morningstar nun angreifen. Als viertgrößter Spieler decke DBRS rund 2400 Emittenten und 50.000 Wertpapiere ab, hieß es weiter.

Die DBRS hatte sich zuletzt in der Eurokrise als besonders nachsichtige Agentur einen Namen gemacht. Anfang 2017 gab nur sie Portugal eine Bonitätsnote innerhalb des sogenannten Investmentgrade für sichere Schuldner.

Damit sorgte DBRS dafür, dass die Europäische Zentralbank im Rahmen ihres Anleihekaufprogramms portugiesische Bonds kaufen und von Banken als Sicherheit akzeptieren konnte. Die großen Fitch, Moody’s und S&P hatten Portugal seinerzeit bereits auf Ramsch-Niveau abgesenkt.

Der Deal könnte vor allem Europas größte Ratingagentur Scope unter Zugzwang bringen. DBRS hatte erst zu Jahresbeginn neue Büros in Europa eröffnet. Mit Morningstar im Rücken könnte die Agentur ihre Expansion vorantreiben. Für Scope könnte es dadurch noch schwerer werden, gegen das Oligopol aus S&P, Moody’s und Fitch anzukämpfen.

Scope-CEO Florian Schöller sagte dem Handelsblatt, DBRS sei zwar ein starker Konkurrent gewesen. Bei Ratings im Segment von Unternehmens- und Staatsanleihen liege man aber schon heute vor den Kanadiern.

Scope selbst habe zwar ebenfalls eine Übernahme von DBRS intensiv geprüft, sich schlussendlich jedoch dagegen entschieden. „Die Gefahr, dass durch die Übernahme der starke europäische Charakter des Instituts verwässert und damit die klare Differenzierung zu den US-Anbietern entfällt, erschien uns zu hoch“, so Schöllers Begründung.

Mit der Übernahme von DBRS werden nun 95 Prozent aller Rating-Entscheidung innerhalb einer Quadratmeile von Manhattan getroffen. Das ist nach Ansicht von Schöller vor allem für europäische Emittenten ein Nachteil: „Die Ratingmethodiken der US-Agenturen sind stark auf die US-Wirtschaft ausgerichtet. Sie berücksichtigen kaum regionale Besonderheiten.“

So würden beispielsweise der Kassenbestand von Unternehmen oder Pensionsrückstellungen in den USA anders bewertet als in Europa. Auch familiengeführte Unternehmen kennen die Amerikaner kaum, sagt Schöller. „Viele Finanzvorstände von europäischen Unternehmen fühlen sich deshalb von den US-Ratingagenturen nicht verstanden.“

Mehr: Sinkende Gebühren und schwache Erträge belasten die Vermögensverwalter. Für Fondsgesellschaften besteht ein Zwang zur Größe.

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