Razzia bei Deutscher Bank Ermittlungen gegen Fitschen und Krause

Libor-Skandal, Kirch-Prozess, Whistleblower-Affäre und jetzt eine Razzia: Im Skandal um CO2-Zertifikate sollen Banker Beweise vertuscht haben. Auch die Vorstände Fitschen und Krause geraten ins Blickfeld der Ermittler.
Update: 12.12.2012 - 16:15 Uhr 43 Kommentare
Mannschaftswagen der Polizei vor den Zwillingstürmen der Deutschen Bank: Gegen fünf Beschuldigte wurden Haftbefehle erlassen. Quelle: dapd

Mannschaftswagen der Polizei vor den Zwillingstürmen der Deutschen Bank: Gegen fünf Beschuldigte wurden Haftbefehle erlassen.

(Foto: dapd)

FrankfurtIm Zuge der Ermittlungen gegen Mitarbeiter der Deutschen Bank wegen Steuerbetrugs mit CO2-Emissionszertifikaten wird auch gegen Co-Chef Jürgen Fitschen und Finanzvorstand Stefan Krause ermittelt. Das teilte die Bank am Mittwochnachmittag mit. Gegen Fitschen und Krause werde ermittelt, weil sie die Umsatzsteuererklärung 2009 der Bank unterschrieben haben.

„Diese Erklärung hat die Bank bereits vor längerer Zeit freiwillig korrigiert“, heißt es in einer Erklärung der Deutschen Bank. „Anders als die Staatsanwaltschaft vertritt die Deutsche Bank die Auffassung, dass diese Korrektur rechtzeitig erfolgte.“

Zuvor hatte es eine Razzia bei der Deutschen Bank gegeben: Vor den Zwillingstürmen standen zehn VW-Mannschaftsbusse und zwei große Mercedes-Busse der Bundespolizei, im Foyer hatten fünf Bereitschaftspolizisten Stellung bezogen. Steuerfahnder und Beamte mit Anzug und Krawatte und schwarzen Armbinden mit der Aufschrift „Polizei“ eilten aus dem Aufzug in einen Konferenzraum. Sie trugen schwere schwarze Aktenkoffer, ein Mitarbeiter beschrieb den Auftakt der Razzia als „martialisch“.

Deutschlands größtes Geldhaus ist offenbar tiefer in die Affäre um den millionenschweren Steuerbetrug mit CO2-Emissionszertifikaten verstrickt als bekannt. Rund 500 Beamte von Staatsanwaltschaft, Bundeskriminalamt und Steuerfahndung haben am Mittwoch die Frankfurter Zentrale der Bank und weitere Büros und Wohnungen durchsucht, wie die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt mitteilte.

Gegen fünf nicht genannte Mitarbeiter der Deutschen Bank wurden Haftbefehle ausgestellt, insgesamt wird nun gegen 25 Banker ermittelt. Es gehe inzwischen nicht nur um Steuerhinterziehung, sondern auch um den Vorwurf der Geldwäsche. Zudem sollen Banker versucht haben, Beweise zu vertuschen.

Bisher hatte die Staatsanwaltschaft nur gegen sieben Banker und nur wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung ermittelt. In den Ermittlungen hätten sich weitere Verdachtsmomente ergeben, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Günter Wittig der Nachrichtenagentur Reuters. „Es besteht nunmehr unter anderem der Verdacht, dass den Ermittlungsbehörden von Mitarbeitern der Bank Beweismittel vorenthalten und Geldwäscheverdachtsanzeigen nicht erstattet wurden“, hieß es in der Mitteilung der Behörde.

„Die Deutsche Bank kooperiert weiter vollumfänglich mit den Behörden“, sagte ein Deutsche-Bank-Sprecher. Das Geldhaus hatte den Handel mit Zertifikaten zur Luftverschmutzung aktiv gefördert, obwohl früh klar war, dass er von Händlern für Steuerbetrügereien missbraucht wurde.

Das Institut hatte in diesem Jahr Finanzkreisen zufolge fünf Mitarbeiter wegen deren mutmaßlicher Verwicklung in diesen Fall suspendiert, aber nicht entlassen. Ob es sich um die selben fünf handelt, gegen die nun Haftbefehle ergingen, blieb zunächst offen.

Verschmutzungs-Zertifikate hin- und hergeschoben
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43 Kommentare zu "Razzia bei Deutscher Bank: Ermittlungen auf Fitschen und Krause ausgeweitet"

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  • Die Sache ist doch folgende:
    Fitschen hat eine Steuererklärung unterschrieben. Haben Sie das auch schon einmal gemacht? Haben Sie alles verstanden was Sie da unterschrieben haben?
    Wer müßte denn wen hier in D an die Wand stellen dass alles gut wird? Schwierige Frage, oder?


  • "Deutschland schafft sich ab"
    Tja, große Teile Deutschlands sind im Verrottungsprozess. Das durchzieht alle gesellschaftlichen Schichten.
    Aber: Verrottung erzeugt Dünger

  • Die Sache ist doch folgende:

    Fitschen hat eine Steuererklärung unterschrieben. Haben Sie das auch schon einmal gemacht? Haben Sie alles verstanden was Sie da unterschrieben haben?
    Wer müßte denn wen hier in D an die Wand stellen dass alles gut wird? Schwierige Frage, oder?

  • so ein auftritt wegen der frage ob ein fehler fristgerecht korrigiert wurde, lässt nur den schluss zu: ein staatsanwalt sieht sich lieber in der press stehen als in der schlange beim arbeitsamt

  • Sie haben vollkommen recht.

    Die Staatsanwaltschaft wurde vor dem Berliner Kriminalgericht schon einmal von einem ehemaligen Bankvorstand, Herrn Dr. Dirk Hoffmann, belehrt, dass der Vorstand einzig und allein für die Personalauswahl zuständig ist. Bekräftigend fügte er damals hinzu "ober sticht unter"!

    Wozu brauchen wir dann noch eine Justiz? Frank Fahsel hat sie uns ja schon früher erklärt.

    Damit sollte der Fall eigentlich abgehandelt sein, gäbe es da nicht weiteres kurioses zu berichten.

    Was die Unterzeichnung von Geschäftspapieren angeht, so darf sich der Vorstand bei der Argumentation einer Leihgabe der Staatsanwaltschaft Hannover (!), die im Fall Wullf ermittelt, bedienen. Die formulierte wie folgt:
    "Angesichts der im Zivilverfahren erfolgten Zeugenaussagen konnte dem Beschuldigten xxx allenfalls
    Fahrlässigkeit zur Last gelegt werden, da er auf d1e Auskünfte seiner Mitarbeiter vertraut und er sich sodann, ohne dezidierte Nachfrage, auf eine recht unpräzise Standardformulierung beschränkt hat. Eine fahrlässige Begehung eines Betruges gemäß § 263 StGB
    sieht das Gesetz jededoch nicht vor und ein solches Verhalten ist Jedenfalls in strafrechtlicher Hinsicht
    nicht zu ahnden."

    Es ging um die Haftung seiner Angaben in einem Schreiben eines Mitarbeiters einer Versicherung mit seinem Schreibzeichen und seiner Unterschrift.

    Kurz:
    Ein Bankvorstand macht sich dann nach Hannoveraner Ansicht strafbar, wenn er die Arbeit von A bis Z selbst erledigt und sich nicht auf Mitarbeiter verlässt.

    Andere würden dann sagen: "Selbst schuld!" Und da oben passiert derartiges niemandem.

    Eines steht fest:
    Wir dürfen uns schon jetzt über die Wortschöpfungen mit den Karnevalisten in der anstehenden Kampagne freuen und hoffen, dass diese am öffentlichen Pranger bekannt gemacht werden.

    Hier würden wir wieder einen Fall "Mollath" erleben, ginge es hier nicht um die Deutsche Bank.

  • Umsatzsteuer ist ziemlich verwirrend.

    Phase 1: "Yippiee ich habe es verstanden" (Hier bleiben die meisten stehen)
    Phase 2: "Was ist denn das, und das..." (Herzlichen Glückwunsch. Melden Sie sich zum StB-Prüfung an)
    Phase 3: "Sehr geehrte Damen und Herren, in dieser komplexen ..." (Jetzt haben Sie es wirklich geschafft...)

    Ich denke aber, dass die involvierten Damen und Herren bei der Deutschen Bank genau wussten was und WARUM Sie es tun. Selbst der dümmste Trader fragt sich irgendwann, was der Grund, das Business Modell, die Motivation für bestimmte Trades ist. Ein Finanzmarktplayer baut NIE ohne irgendein Geschäftsmodell (oder weil unsichtbare Hand dich mit Goldbäumen bewirft) eine Abteilung bzw. Team auf. Ich renne Morgen gleich zur Geschäftsleitung und verlange ein Budget für ein Projekt was ich noch nicht kenne. So funktioniert nunmal nicht.

  • liegt bestimmt an der Doppelspitze. Auch Beamte müssen wissen von wen Sie sich schmieren lassen müssen.

  • stimmt. irgendwie komisch wie viele Leichen aus Ackermanns Zeit sich wieder aus dem Grab buddelten.

  • ist immer wieder gut

  • Das mit dem Einzeltäter ist eine Erfindung von Top-Manager. Wenn das Management einer Firma kriminelle Machenschaften ihrer Mitarbeiter nicht selber entdeckt, dann deren Risikomanagement versagt = Das Top-Management hat versagt (weil sie dafür verantwortlich sind). Von Einzeltäter zu Reden kann auch als fehlende Einsicht interpretiert werden, dass Unternehmensführung integraler Bestandteil des Top-Management ist. Was widerum zur Folgefrage führt ob Top-Manager den richtige Job gerade ausfüllen.

    Die Deutsche Bank ist eine "Corporation" im negativen Sinne, wo niemand für irgendetwas verantwortlich ist. Gegen die Korpokratie kranker Organisationen hilft nur die Zerschlagung.

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