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RBI-Chef Strobl im Interview „Wir können nur das Beste hoffen“

Der Chef der Raiffeisen Bank International, Johann Strobl, über den wachsenden Populismus und mögliche Zukäufe in Osteuropa.
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Der CEO fordert eine EU-Erweiterung im Osten ab 2025. Quelle: Reuters
Johann Strobl

Der CEO fordert eine EU-Erweiterung im Osten ab 2025.

(Foto: Reuters)

Von seinem Vorstandsbüro aus hat Johann Strobl einen malerischen Blick über den Westen Wiens. Doch beruflich blickt der Vorstandschef der Raiffeisen Bank International (RBI) Richtung Osten.

Das Geldhaus zählt neben dem österreichischen Rivalen Erste Group und der italienischen Unicredit zu den größten Kreditgebern Osteuropas, und es will weiterhin von der überdurchschnittlich wachsenden Wirtschaft der Region profitieren. Im ersten Quartal legten die Österreicher jedoch einen enttäuschenden Start hin. Der Nettogewinn ging um über 43 Prozent auf 226 Millionen Euro zurück.

Herr Strobl, der Bankenmarkt in Osteuropa ist im Umbruch. Wird es in der Region weitere Fusionen und Übernahmen geben?
Die Konsolidierung findet jetzt statt. Das heißt, es gibt nicht nur Fusionen und Übernahmen, sondern es ziehen sich auch einige ausländische Banken aus Osteuropa zurück. Beispielsweise hat die Société Générale ihre Banken auf dem Westbalkan an die ungarische OTP verkauft.

Wie will Raiffeisen von der Marktbereinigung profitieren?
Zum einen wollen wir organisch wachsen. Wir verfügen über genügend Eigenkapital. Fusionen bedeuten auch, dass zwei Banken einige Jahre mit der Zusammenlegung ihrer Geschäfte beschäftigt sind. Diese Schwäche bedeutet für uns, dass wir diese Zeit für das Wachstum unseres Geschäfts nutzen können.

Sind für Sie auch Zukäufe in Osteuropa ein Thema?
Wenn der Preis passt, wären wir in Ländern, in denen wir willkommen sind, auch bereit, Banken zu übernehmen.

Über welche Länder sprechen wir?
Die attraktiven Länder sind Tschechien, die Slowakei, Ungarn und Serbien. Ein Problem sind aber die hohen Bewertungen, ein anderes Problem ist, ob wir als ausländische Bank überhaupt willkommen sind. Diese Frage stellt sich beispielsweise im Fall der Komercijalna banka, die von Serbien privatisiert wird.

Wie groß sind Ihre Chancen, in Serbien zum Zuge zu kommen?
Es braucht einen transparenten Verkaufsprozess durch die serbische Regierung. Ich kann die Chancen, dass wir zum Zuge kommen, derzeit noch nicht einschätzen – es gibt sehr unterschiedliche Signale aus Belgrad. Es wäre ein großer Zukauf. Denn die Komercijalna banka ist die Nummer zwei in Serbien. Die RBI ist dort aktuell auf Platz fünf.

Wie hoch sind die politischen Risiken in Osteuropa? In Rumänien wurde beispielsweise Ende des vergangenen Jahres von der linkspopulistischen Regierung eine „Giersteuer“, also eine Sondersteuer für Banken, vorgestellt.
In vielen osteuropäischen Ländern gibt es Diskussionen um Sondersteuern für die Finanzwirtschaft. Im Fall von Rumänien haben wir erreicht, dass der vorweihnachtliche Steuerplan für die Banken deutlich reduziert wurde. Die Bindung einer Sondersteuer an den rumänischen Interbankenzins Robor wurde inzwischen aufgegeben.

Dafür gibt es nun einen fixen Wert als Bemessungsgrundlage der Sondersteuer mit zahlreichen Ausnahmen. Das entlastet uns. Doch um es klar zu sagen: Ich halte die Bankensteuer grundsätzlich für keine gute Idee. Eine Bank, die der gesamten Wirtschaft als Dienstleister zur Verfügung steht, extra zu besteuern, empfinde ich als sonderbares Verhalten einer Regierung.

Wie gefährlich ist der Populismus für eine Bank in Osteuropa?
Der ungarische Ministerpräsident Orbán war der Erste, der aus nationalistischen Motiven den Finanzmarkt angegriffen hat. Heute ist er längst nicht der Einzige. Die Gefahr ist dann reduziert, wenn es ein ausreichend starkes nationales Bankensegment gibt.

Sollte die EU eine rasche Erweiterung auf dem Balkan durchführen?
Je früher, desto besser! 2025 sollten die ersten Staaten bereits aufgenommen werden. Die Wirtschaft der Staaten des Westbalkans würde dann einen großen Auftrieb erfahren. Doch es gibt ungelöste Probleme, insbesondere die Rechtsstaatlichkeit. Das Rechtsstaatsprinzip muss die EU mit klaren Zielen durchsetzen.

In der Ukraine – ein wichtiger Markt für Raiffeisen – gab es einen politischen Wechsel. Was bedeutet das für die RBI?
Schauspieler sind schon in anderen Ländern zum Präsidenten gewählt worden. Das ist kein ukrainischer Einzelfall. Der Unterschied ist, dass Ronald Reagan zumindest schon als Gouverneur von Kalifornien politisch erfahren war. Das ist beim künftigen ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenski nicht der Fall. Wir wissen nicht, in welche Richtung er finanzpolitisch gehen wird. Wir können nur das Beste hoffen.

Im Nachbarland Russland ist die Lage schon berechenbarer. Wie sehen dort Ihre Erwartungen aus?
Russland hat 2018 beim Wirtschaftswachstum sämtliche Prognosen übertroffen. 2019 wird das Land zur Normalität zurückkehren. Die russische Wirtschaft wird vom hohen Ölpreis unterstützt. Viel hängt davon ab, ob es zu einer Entspannung im Verhältnis Russlands mit den USA und Europa kommen wird.

Wie steht Raiffeisen dann im schlechtesten Fall da?
Unsere Bank ist in Russland gut diversifiziert mit den Kernregionen Moskau und Sankt Petersburg. Doch wir haben einen Marktanteil von nur 1,5 Prozent. Für die großen russischen Unternehmen sind wir aufgrund unserer Größe nicht wirklich relevant, obwohl viele Unternehmen uns als Auslandsbank schätzen.

Unsere Bank ist beim Kunden und der Bankenaufsicht anerkannt. Doch ist sie ökonomisch irrelevant. Deshalb spielen wir in Russland politisch keine Rolle.

Raiffeisen wurde zuletzt mit Geldwäschevorwürfen in Zusammenhang mit dubiosem Geld aus Russland konfrontiert. Wie weit sind die Untersuchungen?
Die Untersuchungen dauern noch an. Wir prüfen sehr sorgfältig, ob es Kundenbeziehungen von Verdächtigen gab oder gibt. Wir schauen uns dann den Kunden und seine Einzeltransaktionen genauestens an. Bisher haben wir nichts Neues gefunden.

Die neuen Vorwürfe sind in weiten Teilen mit den in den „Panama Papers“ aus dem Jahr 2016 veröffentlichten Transaktionen identisch. Damals hatten wir bereits eine umfangreiche Untersuchung unseres gesamten Offshore-Geschäfts durchgeführt.

Das Ergebnis war damals zufriedenstellend. Deshalb sind wir derzeit nicht allzu beunruhigt. Doch Geldwäsche ist ein heikles Thema. Ich gehe davon aus, dass wir das Untersuchungsergebnis bis Mitte oder Ende Juni vorlegen werden.

Die Fintechs sind für die Banken eine große Chance und Herausforderung. Warum ist Raiffeisen so spät in das Thema eingestiegen?
Wir sind nicht spät in das Thema Fintech eingestiegen, die Märkte sind durchaus unterschiedlich entwickelt. Wir haben ein Transformationsprogramm zur Stärkung der Eigenkapitalquote durchlaufen, das in der Vergangenheit Vorrang hatte.

Nun sind wir aber bereit und im richtigen Tempo bei den Fintechs unterwegs. Die großen Entwicklungen passieren in unserer Region in Russland. Abgesehen davon haben wir in unseren Märkten nichts versäumt. Wir beobachten die Entwicklungen von Fintechs in Großbritannien, Deutschland und Frankreich, die Banken wirklich Konkurrenz machen wollen. Doch dafür braucht man große Märkte.

Sie haben aber erst 2017 ein eigenes Fintech-Partnerschaftsprogramm in Mittel- und Osteuropa gestartet.
Und es ist mittlerweile eines der führenden seiner Art. Wir starten jetzt mit der dritten Auflage, nachdem die ersten beiden Durchgänge sehr gut gelaufen sind. Die Mehrzahl der Fintechs sieht sich nicht als Gegner der Banken.

Im Markt wurde wahrgenommen, dass wir eine Kooperation mit ausgewählten Fintechs sehr ernst nehmen. Wir fühlen uns von Fintechs nicht bedroht. Ob eines unserer Startups irgendwann mal die Superbank werden wird, steht in den Sternen.

Herr Strobl, vielen Dank für das Interview.

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