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Rechtsstreit US-Start-up geht gegen Magenta-Monopol der Telekom vor

Es geht um die Rechte an einem Farbton, die Milliarden wert sind. Ein US-Versicherer will den Schutz der Markenfarbe des Bonner Konzerns nicht hinnehmen.
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Der Pink-Ton ist leicht zu erkennen. Quelle: dpa
Die Telekom-Zentrale Bonn

Der Pink-Ton ist leicht zu erkennen.

(Foto: dpa)

Frankfurt Die Deutsche Telekom versteht keinen Spaß, wenn es um ihre Markenfarbe Magenta geht. Das bekam 2003 bereits der Rivale Mobilcom zu spüren, dem die Bonner erfolgreich die Nutzung der Farbe wegen Verwechselungsgefahr untersagten.

Nun hat der Telekom-Konzern das US-Start-up Lemonade im Visier, der seit seiner Gründung 2015 in den USA die Farbe Magenta nutzt. Doch die Amerikaner wehren sich jetzt.

Der Versicherer habe beim Amt der Europäischen Union für geistiges Eigentum beantragt, dass die Farbmarke Magenta für nicht geschützt erklärt werde, sagte ein Sprecher des Unternehmens. Zudem wurde Lemonade beim Deutschen Patentamt vorstellig, um den Anspruch der Deutschen Telekom auf die Farbe Magenta im Versicherungsbereich zu widerrufen.

Der deutsche Konzern hatte sich 1995 den Pink-Ton beim Patentamt schützen lassen. „Die Telekom respektiert die Markenrechte aller, erwartet aber von anderen, dass sie dies auch tun“, erklärte ein Sprecher zum aktuellen Fall.

Es ist ein Streit, bei dem für beide Seiten viel auf dem Spiel steht. Für die Deutsche Telekom zählt die leicht wiedererkennbare Farbe zu den Kernelementen ihres Markenauftritts. Experten taxieren den Wert im Milliardenbereich.

Aber auch der mit mehr als eine Milliarde Dollar bewertete US-Versicherer tritt seit seiner Gründung in Magenta auf. „Erst dachten wir, dass das nicht ernst gemeint sein könnte: All dieses Pink auf der Welt zu monopolisieren klingt für mich, wie ein Cartoon-Schurke in einer Disney-Geschichte handeln würde“, sagte Lemonade-Co-Gründer Shai Wininger. Doch zum Lachen dürfte dem Start-up inzwischen nicht mehr zumute sein.

Mitte Juni letzten Jahres hatte das digitale US-Start-up in Deutschland als ersten Auslandsmarkt außerhalb der USA sein Geschäft gestartet – und setzte dabei auf eine App im Magenta-Farbton. Die Reaktion aus Bonn folgte prompt. Noch im Juli erließ ein Hamburger Gericht eine einstweilige Verfügung der Deutschen Telekom, die Lemonade anwies, die Farbe Magenta aus all ihren Vermögenswerten zu entfernen.

Lemonade folgte der Anweisung und wirbt in Deutschland seitdem nunmehr mit einem Rot-Ton statt des sonst für die Firma üblichen Pink-Farbtons. Doch abfinden wollen sich die Amerikaner damit nicht.

Eine entsprechende Vereinbarung mit der Telekom wollte das Start-up nicht unterschreiben.


„Etwas Spaß“ bis zu einer finalen Entscheidung

Die Vorstellung, dass die Deutsche Telekom auch jenseits ihrer eigenen Branche anderen Unternehmen europaweit die Nutzung der Farbe Magenta verbieten könne, sei es wert, infrage gestellt zu werden, erklärte Daniel Schreiber, der zweite Co-Gründer von Lemonade, zur Begründung seines Vorgehens. Die Telekom habe nicht einmal eine Versicherungslizenz.

In der Auseinandersetzung geht es um mehr als Eitelkeiten. Verbraucher prägen sich Farben oft besonders gut ein. Und im umkämpften deutschen Markt wollen sich die Wettbewerber voneinander abgrenzen.

So ist es in der Wirtschaftswelt kein Einzelfall, dass ein Konzern sich einen bestimmten Farbton schützen lässt.

Der Konzern Mondelez, der damals noch Kraft Foods hieß, hat sich das Lila für die Schokolade Milka exklusiv schützen lassen, Langenscheidt ist das mit dem Sprachlexikon und dem Gelbton gelungen.

Auch die Sparkassen dürfen ihr Rot exklusiv nutzen und gewannen 2016 vor dem Bundesgerichtshof einen Prozess gegen den spanischen Rivalen Santander, der eine Löschung der Farbmarke beantragt hatte.

Das oberste deutsche Zivilgericht entschied damals, dass sich die Farbmarke im Verkehr für die Sparkassen durchgesetzt habe. Entscheidend war dabei, wie sehr deutsche Verbraucher das Signalrot mit den Sparkassen verbinden.

Eine rasche Entscheidung im Magenta-Streit ist allerdings eher nicht zu erwarten. Der Streit zwischen den Sparkassen und Santander zog sich insgesamt über sieben Jahre hin, bis es zu einer letztinstanzlichen Entscheidung kam. Die Verfahren könnten sich also über Jahre hinziehen.

Doch Lemonade-Co-Gründer Schreiber nimmt es amerikanisch lässig. „Wir haben keine Ahnung, wohin uns das Ganze führen wird“, gibt er als Losung aus, „aber wir werden versuchen, etwas Spaß auf dem Weg dahin zu haben.“

Mehr: Ein syrischer Getränkehersteller wollte seine „Master-Cola“ auch in der EU schützen. Doch den Schriftzug empfand Coca-Cola als dem eigenen Logo zu ähnlich – und hat sich damit jetzt vor Gericht durchgesetzt.

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