Rede in Berlin Anshu Jains perfekte Inszenierung

Lange wurde sein Auftritt in Berlin erwartet, beim CDU-Wirtschaftstag ist es soweit: Anshu Jain stellt sich der Politik vor. Der neue Co-Chef der Deutschen Bank überzeugt ausgerechnet mit ein paar Sätzen Deutsch.
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„Die Deutsche Bank ist mein Zuhause”

BerlinJa, es war ein genialer Schachzug. Seit Monaten wurde Anshu Jain, der neue Co-Vorstandschef der Deutschen Bank, mit der Frage gequält, wie es um seine Fremdsprachenkenntnisse für die neue Heimat bestellt ist. Als er am Dienstagabend in wohlbedachtem Abstand hinter dem Rollstuhl von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble zu seinem vielleicht wichtigsten Auftritt seiner noch jungen Amtszeit schritt, merkte man ihm die Anspannung an.

Sein Blick war auf den letzten Metern vor dem Podium starr nach vorne gerichtet, Jain sammelte sich innerlich. Dann zückte er sein Ass im Ärmel. Er eröffnete seine erste öffentliche Grundsatzrede vor dem Wirtschaftsrat der CDU mit ein paar abgelesenen Sätzen auf Deutsch - und das saß. Er erntete den Beifall der 2000 Unternehmer und Politiker im vollkommen überfüllten Festsaal des Nobelhotels Interconti in Berlin - und die Anspannung ließ merklich nach.

Danach nahm er das Auditorium mit auf einen globalen Exkurs durch die Staatsschulden- und Bankenkrise, wobei er das Image des kühlen Investmentbankers abstreifte. Wörter wie Rendite, Derivate oder Fixed Income - Fehlanzeige, die sind für den „Investors Day“ reserviert, aber nicht für die Gralshüter der sozialen Marktwirtschaft.

Jain startete eine Charme-Offensive in Richtung Mittelstand, er setzte die Tradition seines vorherigen „Bosses“ Josef Ackermann als überzeugter Europäer fort und übte Selbstkritik an der Branche, räumte Fehler in der Vergangenheit ein und reichte demütig die Hand für einen neuen Pakt mit der Gesellschaft.

Gewiss, jedes Komma wurde bestimmt unzählige Male gecheckt von einer Heerschar von Beratern und Kommunikationsprofis - aber die haben eben ganze Arbeit geleistet. Es war eine Inszenierung. Und die wirkte. Durch die holprigen Sätze in Deutsch kam der gebürtige Inder nicht mehr so aalglatt herüber, wie ihn vielleicht Investoren und seine Händlertruppe in London in Erinnerung haben. Und er hatte zahlreiche Gesten eingeübt, mit denen er das Publikum leitete und buchstäblich umarmte.

Ein Abend ohne Vorwürfe und lästige Fragen
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34 Kommentare zu "Rede in Berlin: Die perfekte Inszenierung des Anshu Jain"

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  • Ich benutze „deutsche Eliten“ oder „amerikanische Eliten“ nicht mit dem Anspruchsniveau von rot-grünen Gymnasiallehrer-Haushalten, die damit eine moralische Vorbildfunktion verbinden und einfordern. Das entspricht dem internationalen Soziologie-Verständnis auch nicht.

    Auch bringt uns die 2008-er Talkshow-Diskussion über eine Praktikantin, die anstelle zu McKinsey zu gehen ein Buch über deutsche Eliten geschrieben hat, nicht weiter.

    Meine Definition ist simpel: Zur Elite zählen Leute, die entweder Macht oder Geld haben. Am besten beides.

  • @netshadow
    nach meiner Einschätzung kann Gewinn oder Verlußt an der Börse mit diesem Papier nicht als die alleinige Grundlage der Bewertung der Vorstandsarbeit dienen. Ein Blick auf andere Banken genügt. An der Börse zu spekulieren ist eben riskant. Das ist allen bekannt die es tun. Man könnte jetzt über NOKIA oder andere Unternehmen sich austauschen.

  • @Mazi
    Falls Sie den Mut haben aus Ihrer Anonymität zu treten können wir uns gerne privat über den jeweiligen Anteil an DB Aktien austauschen. Sie erreichen mich über facebook

  • Die Farge ist doch eher ob man auf irgendwelche Gutscheinkartensysteme maodel vdLayen in Indien wirklich die Kinder satt bekommt - damit das Geld hier nicht von den LEten in der Spielbank ausgegeben wird.

  • @K.G.Sturm
    Schauen Sie sich doch z.B. den Aktienkurs an. Dann sehen Sie doch was los ist. Das sollten Sie auch gebacken bekommen. So kompliziert ist die richtige Interpretation auch nicht. Das schaffen auch Sie.

  • @OMG

    "Germanenhengst" bekommt ein Nietenband;
    Er schreibt situationsadäquat,gelernt redaktionell,und hält sich an die Regel;nein?

  • Rede von Anshu Jain
    Co-Vorsitzender des Vorstands und des Group Executive Committee
    Deutsche Bank AG

    Wirtschaftsrat Deutschland - Wirtschaftstag 2012

    https://www.deutsche-bank.de/medien/de/downloads/CDU_Conference_Speech_dt.pdf

  • Jeder Mensch entwickelt sich zwangsläufig aufgrund seiner persönlichen wie auch im Umfeld vernommenen Erfahrungen.

    Prämissen, die einst sakrosant waren, können sich ändern, sogar bis ins Gegenteil verkehren. Frei nach "Vom Saulus zum Paulus".

    Der Jain galt als gieriger, unverantwortlicher Zocker - und darf heute erleben, was dieses Streben heute das für 'Früchte' einbringt.

    Die Sätze, die man ihm in die Rede gelegt hat, sind vielleicht nicht seine pure, wahrhaftige Ansicht. Doch sie wirken trotzdem in ihm, orientieren auch ihn mehr in diese Gesinnung. Und mal ehrlich: Seine Rede enthielt reinstes Seelenbalsam für Deutschland und unser Sinnen nach einer Sozialen Marktwirtschaft, denn sie lässt verhoffen, dass Jains' einst reine Doktrin nach der höchsten Rendite eben nun doch um das Streben nach Werten & ausgewogenem sozialen Wohl ergänzt wird.

    Die Richtung stimmt.

  • Diejenigen, die damit gut verdient haben, werden eine andere Bewertung abgeben, als diejenigen, die viel verloren haben. Der menschliche Wert ist hier leider irrelevant. Den könnte man vielleicht noch einfließen lassen, wenn die Verluste immer diejenigen getroffen hätte, die schon genug hatten. Dem ist infolge der Langzeitwirkungen leider nicht so. Aber diese Leute sind selbst schuld, hätten sie nur gespart, und ihr Geld einfach auf der Bank liegenlassen?
    Das wird sich auch in 100 Tagen, oder 1000 Tagen nicht ändern. Auch er, eben nicht nur die deutsche Bank, wird sich weiter dieses Systems bedienen (müssen). Die Personalie ist nur anders, aber die Einlagen und Kredite kommen immer noch in der Menge von den Staaten. Also weiter freundlich sein, und tun was man tun muß.

  • Herr Hagen von Tronege, welche Eliten meinen Sie bitte? Ihrer Bewertung der unterschiedlichen Berichterstattung zwischen Spiegel und Handelsblatt kann ich voll und ganz zustimmen.

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