Regierungskommission London verordnet Großbanken eine Rosskur

Die britische Bankenkommission schockt mit ihrem Grundsatzbericht die Bankenbranche. Sie fordert eine strikte Trennung der Privat- und Investmentsparten und mehr Eigenkapital. Für die Institute kann das teuer werden.
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In Londons Finanzdistrikt Canary Wharf hielt sich die Freude über den Kommssionsbericht in Grenzen. Quelle: dpa

In Londons Finanzdistrikt Canary Wharf hielt sich die Freude über den Kommssionsbericht in Grenzen.

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LondonAuf die britischen Großbanken kommen die größten Reformen seit Jahrzehnten zu. Das geht aus dem heute vorgelegten Grundsatzbericht der von Premierminister David Cameron eingesetzten Bankenkommission hervor. Er enthält einen ganzen Katalog von Maßnahmen, die die Institute teuer zu stehen kommen dürften.

Die Kommission prüft seit einigen Monaten, wie das Finanzsystem umgebaut werden muss, um eine Wiederholung der Finanzkrise zu verhindern. Außerdem sollen die Experten unter Führung des ehemaligen Notenbankers John Vickers für mehr Wettbewerb auf dem verkrusteten Bankenmarkt sorgen.

Vickers fordert von den Banken, dass sie Privatkundengeschäft und Investment-Banking intern strikt voneinander trennen. Für die Geldhäuser hieße das, dass sie die Sparten unabhängig mit eigenem Kapital ausstatten müssten. Dieses sogenannte Ringfencing soll dafür sorgen, dass für das Finanzsystem essentielle Funktionen wie Zahlungsverkehr, Sicherheit von Giro und Sparkonten sowie Darlehen an kleine und mittlere Unternehmen auch dann noch sichergestellt sind, wenn das Investmentbanking wieder einmal in eine Krise rutscht. Für die Banken heißt das, dass sie ihre Mittel nicht mehr so frei und flexibel einsetzen können wie bisher, was die Finanzierungskosten nach Schätzungen von Analysten um vier bis fünf Milliarden Pfund in die Höhe treiben dürfte.

Außerdem hält die Kommission eine Kernkapitalquote von zehn Prozent für Banken wie Barclays, HSBC und Lloyds für angemessen. "Diese Quote scheint für Institute mit Bedeutung für das internationale Finanzsystem sinnvoll, große britische Privatkundenbanken sollten sie in jedem Fall erfüllen", heißt es in dem Bericht. Bislang müssen die Banken eine Kernkapitalquote von sieben Prozent vorweisen.

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5 Kommentare zu "Regierungskommission: London verordnet Großbanken eine Rosskur"

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  • Die strikte Trennung von Geschäfts- und Investmentbanken wäre die Grundlage der wirtschaftlichen Genesung der westlichen Industriestaaten. Zockerbanken müssten nicht mehr mit unendlichen Steuer-Mrd vor dem Kollaps gerettet werden. Davor fürchten sich die Zocker am meisten.

    Wir brüskieren uns über Rettungsprogramme für EU-Staaten, zuletzt Portugal mit 80 Mrd €, bei Spanien und Italien wird es a bissl teurer.

    Und die Gelder für die Rettungsprogramme des € waren ausschließlich dafür da, die Bankster zu retten, die den PIIGS unendliche Kredite gewährten, dank der niederen Zinsen durch den Euro und damit einen Aufschwung auf Pump, Pump, Pump ermöglichten, bis es sich ausgepumpt hatte. Da stehen wir jetzt. Die PIIGS haben kein Geschäftsmodell mehr.

    Da sind uns die Isländer meilenweit voraus. Man kann nur auf Nachahmungseffekte hoffen. Aber alles immer noch Peanuts in Relation zu den direkten Hilfen an die Bankster, was in der Presse gerne verschwiegen wird:

    +++ EU-Staaten greifen für krisengeschüttelte Banken tief in die Taschen +++
    Zwischen Oktober 2008 und Oktober 2010 genehmigte die Europ. Kommission nach eigenen Angaben Hilfen der 27 Mitgliedstaaten für den Finanzsektor im Umfang von insgesamt 4589 Mrd € !!

    +++ 18,2 Billionen € faule Werte vergiften europäische Banken +++
    Da ist Hoffnung und Malz verloren. Der schon längst überfällige Crash wird von den Zentralbanken lediglich immer weiter hinausgeschoben, bis durch eine Hyperinflation sich die Vermögen der arbeitenden Bevölkerung in Luft aufgelöst haben.

    Im Quartalsbericht der BIZ vom Juni 2008 geht hervor, dass die Bankster weltweit auf ca.600 Billionen $ absolut wertloser Papierschnipsel sitzen, aus den Bilanzen ausgelagert, um sie vor dem sofortigem Kollaps zu bewahren. http://www.bis.org/press/p080609_de.pdf

  • Die strikte Trennung von Geschäfts- und Investmentbanken wäre die Grundlage der wirtschaftlichen Genesung der westlichen Industriestaaten. Zockerbanken müssten nicht mehr mit unendlichen Steuer-Mrd vor dem Kollaps gerettet werden. Davor fürchten sich die Zocker am meisten.

    Wir brüskieren uns über Rettungsprogramme für EU-Staaten, zuletzt Portugal mit 80 Mrd €, bei Spanien und Italien wird es a bissl teurer.

    Und die Gelder für die Rettungsprogramme des € waren ausschließlich dafür da, die Bankster zu retten, die den PIIGS unendliche Kredite gewährten, dank der niederen Zinsen durch den Euro und damit einen Aufschwung auf Pump, Pump, Pump ermöglichten, bis es sich ausgepumpt hatte. Da stehen wir jetzt. Die PIIGS haben kein Geschäftsmodell mehr.

    Da sind uns die Isländer meilenweit voraus. Man kann nur auf Nachahmungseffekte hoffen. Aber alles immer noch Peanuts in Relation zu den direkten Hilfen an die Bankster, was in der Presse gerne verschwiegen wird:

    +++ EU-Staaten greifen für krisengeschüttelte Banken tief in die Taschen +++
    Zwischen Oktober 2008 und Oktober 2010 genehmigte die Europ. Kommission nach eigenen Angaben Hilfen der 27 Mitgliedstaaten für den Finanzsektor im Umfang von insgesamt 4589 Mrd € !!

    +++ 18,2 Billionen € faule Werte vergiften europäische Banken +++
    Da ist Hoffnung und Malz verloren. Der schon längst überfällige Crash wird von den Zentralbanken lediglich immer weiter hinausgeschoben, bis durch eine Hyperinflation sich die Vermögen der arbeitenden Bevölkerung in Luft aufgelöst haben.

    Im Quartalsbericht der BIZ vom Juni 2008 geht hervor, dass die Bankster weltweit auf ca.600 Billionen $ absolut wertloser Papierschnipsel sitzen, aus den Bilanzen ausgelagert, um sie vor dem sofortigem Kollaps zu bewahren. http://www.bis.org/press/p080609_de.pdf


  • Prinzipiell sind die Vorschläge nicht schlecht. Eine Kernkapitalquote von 10% ist absolut machbar. Denn die Finanzkrise hat uns gelehrt, das alles was beispielsweise unter 8% liegt verantwortungslos ist.

    Das das Retail Banking nicht mit dem Investmentbanking vermischt werden sollte, ist klar, da werden keine Synergien gehoben.

    Das Herr Diamond von Barclays mit Abwanderung droht, dürfte wohl daran liegen, das Barclays unter der neuen Regulierung massiv Kapital aufnehmen muss.

    Eine Aufspaltung der Universalbanken ist jedoch auch der falsche Weg, weil hier die Gefahr besteht das das sog. "Schattenbankensystem" damit noch mehr gefördert wird,
    wie das beispielsweise in den USA seit dem Dodd/Frank Act praktiziert wird.

    Da werden reihenweise Hedge Fonds und Private Equity Bereiche mit ganzen Händlerteams abgespalten, aber hintenrum bleiben die Banken trotzdem noch mit etwa um die 30% beteiligt, um an den Gewinnen mitzuverdienen.

  • Wenn England das durchzieht ( was hier auch notwendig wäre, nur ist Merkel einfach zu schwach dafür ) dann eröffne ich demnächst in England ein Konto und lege mein Geld dort an.

  • Trennbankensystem und Dekonzentration im Bankensektor – das sind zwei wesentliche und vor allem richtige Schritte hin zu funktionierenden, wettbewerblich gesunden Märkten und mehr Finanzmarktstabilität.

    Die britische Bankenkommission rückt damit erstmals seit Beginn der Finanzmarktkrise ins Bewusstsein der Politik, dass es um viel mehr geht, als um das Problem „Too big to fail“. Es geht um funktionierende Märkte, denn die Empfehlung der Kommission bedeutet ja implizit, dass es diese Funktionsfähigkeit nicht mehr oder nur noch sehr eingeschränkt gibt.

    Damit wird eine notwendige und lange überfällige Diskussion eröffnet, wofür man dem Team um John Vickers nur danken kann. Sie dreht sich um die Frage:

    Was sind die Voraussetzungen für funktionierende Märkte, das heißt für wirksamen, fairen und gesunden Wettbewerb?

    Denn Antworten der Vergangenheit tragen nicht mehr – das ist doch ein wichtiges Fazit der Finanzmarktkrise.

    Nicht nur Großbritannien, sondern vor allem auch die USA und Europa werden die Kompetenz und vor allem auch den Mut aufbringen müssen, eine tragfähige Antwort zu finden, wenn sie stabile Märkte und eine Rückkehr zu Wachstum und Beschäftigung wollen (siehe dazu: http://stefanleichnersblog.blogspot.com/2011/02/wettbewerbsleitbilder-der.html).

    Bei den Banken anzufangen, das ist der logische erste Schritt. Was jedoch die britische Regierung aus den Vorschlägen der Bankenkommission wirklich macht, das bleibt abzuwarten.

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