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Regionalbanken Die kleinste deutsche Sparkasse steht vor der Fusion

Mit dem Zusammenschluss von vier Sparkassen in Südniedersachsen könnte das kleinste deutsche Institut, die Stadtsparkasse Bad Sachsa, verschwinden.
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Sparkasse: Die kleinste deutsche Sparkasse steht vor der Fusion Quelle: Franz Bischof für Handelsblatt
Stadtsparkasse Bad Sachsa

Die Stadtsparkasse aus Bad Sachsa im Südharz kommt auf eine Bilanzsumme von 132 Millionen Euro. Sie könnte bald fusionieren – mit gleich drei anderen Sparkassen.

(Foto: Franz Bischof für Handelsblatt)

FrankfurtDas kommt bei den Sparkassen selten vor. Gleich vier der öffentlich-rechtlichen Kreditinstitute wollen sich zusammenschließen. Mit dabei: die Stadtsparkasse Bad Sachsa, die bisher kleinste Sparkasse in Deutschland, die im Zuge einer Fusion verschwinden würde.

„Die Sparkassen Osterode am Harz, Duderstadt und Münden sowie die Stadtsparkasse Bad Sachsa verhandeln in den kommenden Monaten über eine Fusion. Das haben die Verwaltungsräte der vier Institutionen gleichlautend beschlossen“, teilte der Landkreis Göttingen Ende der Woche mit. Alle vier Kreditinstitute sind in dem Landkreis beheimatet.

Seit Frühjahr liefen bereits Sondierungsgespräche zwischen den Geldhäusern. Nun sollen die Vorstände „Handlungsoptionen“ für die Kreditinstitute erarbeiten. Letztlich müssen ihre Träger und somit quasi Eigentümer entscheiden.

Dabei spricht nun einiges dafür, dass die vier Sparkassen in einem großen Institut aufgehen: „Ich persönlich bin der Auffassung, dass wir die Fusion brauchen“, sagte Bernhard Reuter (SPD), Landrat des Landkreises Göttingen, dem Handelsblatt.

Der Landkreis Göttingen spielt eine besondere Rolle, weil er an drei der vier Sparkassen beteiligt ist. „Die Sparkassen sind heute gut aufgestellt, aber das gilt nicht unbedingt für die nächsten Jahre.“ Reuter steht an der Spitze des Verwaltungsrats der Sparkasse Osterode am Harz und gehört den Gremien der Sparkasse Duderstadt und der Sparkasse Münden an, jeweils als Vize-Vorsitzender.

Der mögliche Zusammenschluss in Südniedersachsen verdeutlicht, unter welchem Druck Sparkassen, aber auch Volks- und Raiffeisenbanken derzeit stehen. Sie ringen mit gleich drei Entwicklungen:

  1. Die Negativzinspolitik der Europäischen Zentralbank trocknet ihre wichtigste Einnahmequelle aus, 80 Prozent ihrer Erträge stammen aus dem Geschäft mit Krediten und Einlagen.
  2. Sie müssen neue Vorgaben aus der zunehmenden Regulierung umsetzen.
  3. Die Digitalisierung des Geschäfts erfordert Investitionen.

Eine Folge: Der Trend zu Fusionen unter Sparkassen und genossenschaftlichen Banken ist ungebrochen. Die Zahl der Sparkassen ist in den vergangenen zehn Jahren von etwa 450 auf 390 Ende 2017 gesunken. Aktuell sind es noch einmal fünf weniger, nämlich 385, wie der Deutsche Sparkassen- und Giroverband mitteilte.

Während es vor zehn Jahren noch mehr als 1200 Volks- und Raiffeisenbanken gab, waren es zuletzt 915. Allein im vergangenen Jahr sank die Zahl durch Zusammenschlüsse um 57. Der Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken rechnet für dieses Jahr mit etwas weniger Fusionen.

Dabei ist die große Herausforderung für Sparkassen und Volksbanken, dass sie auch nach einer Fusion noch als Kreditinstitut vor Ort erkennbar sind, besonders gilt das für die kleinen Häuser. Schließlich ist die – auch räumliche – Nähe zum Kunden ein essenzieller Teil ihrer Daseinsberechtigung. Andernfalls würde sie wenig von Onlinebanken unterscheiden.

Nah am Kunden können die Kreditinstitute dabei auch mit nur einer einzigen Filiale sein – wie die Stadtsparkasse Bad Sachsa. Das Geldhaus, das eine Bilanzsumme von 132 Millionen Euro und 39 Mitarbeiter hat, ist mit Abstand die kleinste Sparkasse. Kommt es zur Fusion der vier Sparkassen, hätte das neu entstehende Institut eine Bilanzsumme von 2,1 Milliarden Euro und würde sich damit im Mittelfeld der 385 Sparkassen bewegen.

Die Stadtsparkasse Bad Sachsa hatte sich in der Vergangenheit bereits offen für Fusionen gezeigt. Sparkassenchef Ralf Müller sagte schon vor geraumer Zeit, dass die häufigen Datenmeldungen, die Aufsichtsbehörden anfordern, „eine Riesenbelastung“ und „fast nicht mehr zu leisten“ seien.

„Dramatische Entwicklung“

Ähnlich äußerte sich kürzlich Armin Papst. Papst hat bis vor kurzem die Volksbank in Griesheim, einem Frankfurter Stadtteil, geführt, die gerade erst in der weitaus größeren Frankfurter Volksbank aufgegangen ist. „Für eine Volksbank unserer Größe sehe ich in diesem Marktumfeld dauerhaft keine Chance“, erklärte Papst. Die Bank sei zwar „kerngesund“, besonders die regulatorischen Anforderungen seien aber „überbordend“. Ein großer Teil der 36 Mitarbeiter sei damit befasst gewesen. „All dies steht in keinem Verhältnis zur Größe unseres Hauses.“

Die Volksbank Griesheim hatte eine Bilanzsumme von rund 330 Millionen Euro und wies für das Jahr 2016 eine sehr hohe Kernkapitalquote von fast 27 Prozent aus – also weit über der Anforderung der Aufseher. Die Stadtsparkasse Bad Sachsa erreichte zuletzt fast 19 Prozent, auch das ist vergleichsweise viel.

Fusionen sind derweil kein neues Phänomen. So gab es 1970 noch mehr als 7.000 Genossenschaftsbanken. Geändert haben sich aber die Gründe für Zusammenschlüsse. So gingen in einer Phase verstärkter Fusionen viele Volks- und Raiffeisenbanken, die in demselben Ort präsent waren, zusammen.

Die Beratungsgesellschaft Moonroc rechnet mit sehr viel weiteren Fusionen. Sie erkennt langfristig ein Marktpotenzial für nur 250 Volksbanken. Die Beratungsfirma Confidum meint, dass Zusammenschlüsse deutliche Einsparungen in den Produktions- und Stabsbereichen ermöglichen würden.

Auch Papst erwartet eine „dramatische Entwicklung“ und viele weitere Fusionen in der Branche. Er bewundere alle Vorstände kleinerer Banken, wie diese selbstständig bestünden, sagte er. Und kleine Banken gibt es noch viele: Allein rund 300 Volks- und Raiffeisenbanken sind kleiner, als es das Griesheimer Institut war.

Allerdings bringt ein Zusammenschluss auch immer einen erheblichen Aufwand für die Kreditinstitute wie auch für ihre IT-Dienstleister mit sich. „Ökonomisch ist es eigentlich fast immer sinnvoll, wenn kleine Banken mit größeren fusionieren, weil damit Kompetenz eingekauft und Größeneffekte zur Kosteneinsparung genutzt werden können“, sagt Stephan Vomhoff, der Regionalbanken berät. Zugleich stelle er fest, „dass Fusionen kurz- und mittelfristig den Kunden selten nutzen. Oft sind die Banken erst einmal sehr mit sich selbst und ihren Integrationsmaßnahmen beschäftigt.“

In Südniedersachsen sollen die Verhandlungen erst einmal bis Ende September laufen. Dann werden die Ergebnisse erneut den Verwaltungsräten vorgelegt. Kommt die Fusion, gäbe es im nächsten Jahr eine neue kleinste Sparkasse: die Stadtsparkasse Borken aus Nordhessen. Ihre Bilanzsumme lag zuletzt bei 174 Millionen Euro.

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