Regulierung Bundesregierung begrenzt die Provisionen für Versicherungsvermittler

Die Bundesregierung will die Abschlusskosten bei Lebensversicherungen deckeln. Dafür soll der Zinspuffer langsamer steigen. Verbraucher profitieren.
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Mit ihren ersten Beiträgen in eine Lebensversicherung zahlen Kunden zunächst die Provision des Vermittlers. Quelle: picture alliance / PhotoAlto
Versicherungsmakler

Mit ihren ersten Beiträgen in eine Lebensversicherung zahlen Kunden zunächst die Provision des Vermittlers.

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FrankfurtWortreich hat Michael H. Heinz bis zuletzt dagegengehalten. Der Chef des Bundesverbandes Deutscher Versicherungskaufleute (BVK) meldete sogar Zweifel an, ob die Begrenzung der Provisionen bei Lebensversicherungen überhaupt verfassungsgemäß ist. „Der BVK ist der Auffassung, dass ein wie auch immer geartetes Vergütungsmodell vonseiten der Aufsicht beziehungsweise des Gesetzgebers einen unverhältnismäßigen ordnungspolitischen Eingriff darstellt und verfassungsrechtlich darüber hinaus äußerst zweifelhaft ist“, so positionierte sich der Verband.

Doch die eindringlichen Mahnungen der Makler und Vermittler haben ihre Wirkung in Berlin verfehlt. Nach Informationen aus Regierungskreisen will die Bundesregierung die Provisionen in der Lebensversicherungsbranche deckeln. „Die Kosten sind seit Einführung des Lebensversicherungsreformgesetzes vor vier Jahren nur leicht gesunken. Das ist ungenügend“, hieß es am Montagabend. Genauere Details sollen im zweiten Halbjahr vorgestellt werden.

Unzufrieden ist die Große Koalition auch mit der Kostentransparenz für Verbraucher. Die Versicherten würden zwar intensiver über die Kosten ihrer Lebensversicherungsverträge aufgeklärt. „Aber die Klarheit und die Vergleichbarkeit der Kosten lässt zu wünschen übrig“, hieß es.

Wohl kaum ein anderes Finanzprodukt spielt bei den Bundesbürgern eine so große Rolle wie die Lebensversicherung. Statistisch gesehen hat jeder mehr als eine Versicherungspolice. Allerdings hat die Attraktivität dieser Produkte in den vergangenen Jahren wegen der Dauerniedrigzinsen gelitten. Das könnte sich jetzt ändern.

Beschließt die Regierung einen Provisionsdeckel, müssen Millionen von Versicherten bei Neuabschlüssen von Lebenspolicen künftig weniger Provisionen zahlen als bisher. Für viele Versicherte könnte der Vorschlag bares Geld sparen. Denn mit ihren ersten Beiträgen müssen sie zunächst einmal die Provision des Vermittlers bezahlen. Das heißt in den ersten Jahren: Entsprechend weniger sparen sie an, und umso weniger steht ihnen zum Vermögensaufbau zur Verfügung.

Bei hohen Zinsen haben die Kunden diese Belastung durch Provisionen nicht so stark gespürt. Doch je tiefer die Zinsen und damit auch die Renditen von Lebensversicherungen gefallen sind, umso spürbarer ist in der Relation die Provisionsbelastung geworden – die ja nicht anteilig mitgesunken ist. Je stärker die Kunden also am Anfang Kosten sparen, umso besser wird am Ende auch die Rendite ihrer Altersvorsorge.

Bereits vor einigen Wochen hatte die Finanzaufsicht Bafin einen Vorschlag vorgelegt, wie die neuen Höchstgrenzen für die Belastung der Kunden in der Lebensversicherung aussehen könnten. Demnach sollen Versicherte regulär höchstens 2,5 Prozent der insgesamt vom Kunden während der Laufzeit eines Vertrags zu zahlenden Beiträge für Provisionen an Makler und Vertriebsorganisationen ausgeben.

Weitere 1,5 Prozent sollen aufgrund vorher festgelegter Qualitätskriterien an besonders gute Vermittler weitergereicht werden – diese kommen damit auf maximal vier Prozent Entgelt.

Die Aufseher reagieren mit dem Vorstoß auf Änderungen im Versicherungsaufsichtsgesetz, die vor Kurzem in Kraft getreten sind und eine EU-Richtlinie umsetzen. Versicherer dürfen demnach keine Anreize schaffen, nach denen Vermittler einem Kunden ein bestimmtes Versicherungsprodukt empfehlen, obwohl sie ein anderes, den Bedürfnissen mehr entsprechendes Produkt anbieten könnten.

Der Versicherer-Verband GDV stellt sich offiziell bislang zwar an die Seite der Versicherungskaufleute. Hinter vorgehaltener Hand zeigen sich viele Topmanager jedoch offen für einen Provisionsdeckel, der den Firmen Einsparungen bei den Ausschüttungen an die Vermittler bescheren würde. Ein solcher Deckel bedeute für sein Unternehmen kein Drama, betonte jüngst Signal-Iduna-Vertriebsvorstand Michael Johnigk.

Entgegenkommen signalisiert die Bundesregierung im Gegenzug bei der sogenannten Zinszusatzreserve. Dieser Puffer wurde auf Wunsch der Branche 2011 eingeführt und soll sicherstellen, dass die Lebensversicherer die versprochenen Zinsgarantien von bis zu vier Prozent trotz der Niedrigzinsen auch in Zukunft erfüllen können. Inzwischen sind die Milliardenzahlungen, die sich auf 60 Milliarden Euro summieren, für die Branche jedoch zur Last geworden. Allein in diesem Jahr müssten erneut 20 Milliarden Euro in die Reserve gesteckt werden.

Neue Aufgabe für die Bafin

Durch eine Änderung der Berechnung soll die Dotierung der Zinszusatzreserve nun langsamer als bislang steigen, hieß es in Regierungskreisen. Die entsprechende Verordnung soll so rechtzeitig kommen, dass die Versicherer noch für dieses Jahr mit Änderungen rechnen können. Beobachter gehen von einer signifikanten Entlastung aus.

Für die Versicherten sollen dabei keine Nachteile entstehen. Wenn Versicherer ihre stillen Reserven anzapfen müssten, um die Zinszusatzreserve zu bedienen, würde das auch nicht im Sinne der Versicherten sein, hieß es. Die neue Rechenmethode soll das System „robuster, nachhaltiger und für das Versichertenkollektiv fairer“ machen.

Wenn Versicherer in der Vergangenheit nicht in der Lage waren, ihre Garantieversprechen zu erfüllen, konnte die Finanzaufsicht Dividenden begrenzen oder verbieten. Ergebnisoffen werde diskutiert, so Regierungskreise, ob Gewinnabführungsverträge genauso unter eine Ausschüttungssperre fallen sollen wie Dividendenzahlungen der Tochtergesellschaft an den Konzern.

Festhalten will die Bundesregierung weiterhin am Höchstrechnungszins, der für Verbraucher eine Art Orientierung ist. Künftig soll dieser Zins aber nicht mehr vom Bundesfinanzministerium, sondern von der Finanzaufsicht Bafin festgelegt werden.

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