Reise für Mitarbeiter „Es kann nicht sein, dass uns die Wüstenrot zum Puff kutschiert“

Eine Incentive-Reise der Wüstenrot nach Rio de Janeiro wurde den hohen moralischen Ansprüchen des Traditionskonzerns nicht gerecht. Die Bausparkasse bemüht sich um Aufklärung - und stößt auf schlüpfrige Details.
Update: 12.12.2011 - 13:32 Uhr 39 Kommentare
Die Folgen der Rio-Reise könnten weit reichen. Quelle: HB

Die Folgen der Rio-Reise könnten weit reichen.

(Foto: HB)

DüsseldorfEs war kurz nach Mitternacht, als der weiße Reisebus mit den besten Wüstenrot-Vertretern des Jahres vor das Barbarella an der Copacabana rollte. Monatelang hatte die Führung des Finanzdienstleisters ihre Verkaufstruppe angestachelt. Wer sich richtig ins Zeug legte, sollte etwas erleben, was er so schnell nicht wieder vergessen würde. In der Nacht zum 30. April 2010 war es dann so weit.

"Die Bustüren gingen auf und etwa die halbe Gruppe stieg aus, inklusive Bereichsleiter und Direktoren", berichtet ein Teilnehmer. "Ich habe nur gedacht: Das kann ja wohl nicht sein, dass uns die Wüstenrot hier zum Puff kutschiert." Wüstenrot, gegründet 1921, ist die älteste Bausparkasse Deutschlands. Die große Tradition wird sorgsam gepflegt.

"Das Ansehen und der Ruf eines Unternehmens sind genauso erheblich für den wirtschaftlichen Erfolg wie die Qualität seiner Produkte", heißt es im Verhaltenskodex von Wüstenrot. "Um eine maximale Professionalität und Integrität zu erreichen, sind Sie gehalten, Ihr Auftreten einer ständigen Eigenkontrolle zu unterziehen. Das Auftreten ist Ihr Aushängeschild und wirkt sich somit auch auf das Ansehen des Unternehmens aus, das Sie repräsentieren."

So weit der Anspruch. In der Praxis jedoch benahmen sich einige Führungskräfte wie Rockstars auf Tournee. "Auf den Hotelfluren war ein munteres Treiben", erzählt ein Teilnehmer der Rio-Reise. "Die brasilianische Polizei griff einen unserer Direktoren nachts im Beisein einer Prostituierten am Strand auf."

Das Handelsblatt fragte bei Wüstenrot nach, wie die Bausparkasse dieses Führungsverhalten erklärt. Der Konzern schaltete umgehend die Revision ein. Dabei stellte sich zunächst Erleichterung ein. Teilnehmer der Reise erzählten der Zentrale, sie seien zwar im Barbarella gewesen. Es handele sich dabei aber lediglich um ein Tanzlokal.

Wüstenrot will Konsequenzen ziehen
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39 Kommentare zu "Reise für Mitarbeiter: „Es kann nicht sein, dass uns die Wüstenrot zum Puff kutschiert“"

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  • Ich finde es ziemlich erschreckend, wie wahnsinnig geschockt alle darüber sind, wenn mal ein paar gute Verkäufer sich am Jahresende mit einem Puffbesuch belohnen. Wozu gibt es diese "Häuser"?!
    Jeder soll machen was er für richtig hält. Und ein paar Wüstenrot-Mitarbeiter Lust auf Beischlaf mit brasilianischen Prostituierten haben, dann sollen sie das tun.
    Es gibt schlimmere Dinge, die wirklich unsere Aufmerksamkeit verdient haben!

  • Kultur, schreibt Sigmund Freund, ist die Sublimierung der Urtriebe des Menschen, der Destruktion und Sexualität und die Verhaltensweisen, nicht nur hier, zeigen, daß die Masse der Menschen seit mehr als 2000 Jahren trotz einzelner zivilisatorischer und geistiger Höhepunkte kaum kulturelle Fortschritte aufzuweisen haben. Das hier beschriebene Verhalten kann also nur jemanden erstaunen, der die Entwicklung der Menscheitskultur nicht kennt. Ökonomische Auswirkungen hat dieses Verhalten auch nicht, denn ich kann mir nur wenige Bereiche unseres Lebens vorstellen, die nach anderen Wertvorstellungen existieren.

  • Das "Handelsblatt" ist unter seiner neuen Chefredaktion tief gesunken. Sein Chefinquisitor Sönke Iwersen wird Wirtschaftsjournalist des Jahres dafür, dass er sich auf "SUN"-Niveau begibt und von Erpressern instrumentalisieren lässt.

    Ich habe das HB seit meinem Wirtschaftsstudium vor 20 Jahren fest jeden Tag mit Gewinn gelesen. Jetzt stößt es mich häufig nur noch ab. Vor allem die einseitig-negative skandalheischende Berichterstattung über die Wirtschaft finde ich einer Wirtschaftszeitung unwürdig. Das Abo ist seit einem Jahre gekündigt. Bleibt nur noch Börsenzeitung und FAZ.

  • Es gibt Themen, die man in der BILD erwartet und nicht im Handelsblatt. Dies ist eines davon. Konzentriert euch gefälligst auf die Staatsschuldenkrise und überlasst den Boulevard den Schmutzfinken von der Yellow Press. Es ist nicht eure Aufgabe, scheinheilig und moralintriefend die erotischen Eskapaden anderer Menschen anzuprangern. Lächerlich, heuchlerisch, überflüssig.

  • Nachdem ich diesen Artikel gelesen hatte, musste ich noch mal schauen ob es das Handelsblatt ist, oder die BUNTE!

    Und ganz ehrlich, wer von Ihnen selber war denn nicht mal im Puff??
    Was ist denn so schlimm daran? Wo steht denn das man seine Freizeit nicht so gestallten kann wie man selber will?? Soll man jetzt auch noch die Genehmigung zum pinkeln von der Gesellschaft einholen? Wer entscheidet denn was erlaubt ist und was nicht? Das sollte jeder für sich entscheiden dürfen. ODER NICHT?
    Sex ist was ganz natürliches, und Vorlieben hat jeder von uns!
    Nur können/wollen das nicht alle zugeben/ausleben!

  • Das Grundübel bei Finanzprodukten sind doch die Provisionen. Einfach verbieten - und dafür ein Preisschild auf jedes Finanzprodukt. Aber so viel Transparenz wird die Finanzlobby zu verhindern wissen. Die Finanzindustrie fühlt sich wie im Paradies, Angebote in Hülle und Fülle alles kaum Vergleichbar, daher kaum Konkurrenz, Kunden verwirrt - super Frau Verbraucherschutzministerin.

  • @ Redaktion: Schämt Euch für die peinliche Fotoserie! Wie tief kann denn das Niveau noch sinken? Haben die Frauen auf den Fotos eigentlich der Veröffentlichung ihrer Fotos zugestimmt, oder sind Euch die großen Pixel ausgegangen? Wieso zählen immer noch die Persönlichkeitsrechte herumhurender Männer aus Deutschland mehr als die Persönlichkeitsrechte von Frauen aus Schwellenländern? Was haben die Sandskulpturen mit dem Beitrag zu tun? tztztz....

  • Kollege, stell Dir mal vor, Du fährst mit dem Bus und 20 anderen Drückern von der Truppe nach Clausthal-Zellerfeld in den Nachtclub. Irgendwie komisch, oder? Da trifft dann der Wüstenfuchs-Vertreter auf seinen Kunden aus Schwäbisch-Trallalla. Das muss doch den schwäbischen Vertreter total abtörnen. Der wird doch wieder total normal - oder er muss sich mit dem Ergo-Kaiser das Bändchen teilen - auch nicht schön, die Vorstellung - shared incentives....

  • Gott sei Dank gibt es in Deutschland ähnliche Etablissements...

  • ... Statt über das Verhalten der Wüstenratte-Verkäufer herzuziehen, das zudem ja keinen Kunden tangiert ...
    Das ist der entlarvende Satz. Natürlich sind Kunden von solchen Drückern tangiert. Die "kaufen" einfach dummes Zeugs, was ihnen nicht passt, weil so ne Strukki-Schlampe noch unbedingt ein paar Pünktchen fürs Puff braucht ...

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