Ringkampf der Plastikkarten-Riesen Visa muss im Kartellstreit zahlen

Der seit Jahren erbittert geführte Kartellstreit zwischen dem US-Finanzdienstleister American Express (Amex) und seinem Konkurrenten Visa ist beigelegt. Der zähe Ringkampf der Plastikkarten-Riesen geht jedoch weiter – nur die Hauptdarsteller sind andere.
Visa versus American Express: Die Kreditkartenanbieter einigten sich auf einen milliardenschweren Vergleich. Foto: dpa

Visa versus American Express: Die Kreditkartenanbieter einigten sich auf einen milliardenschweren Vergleich. Foto: dpa

NEW YORK. Unter Regie des Schlichters Kenneth Feinberg hat sich der Kreditkarten-Marktführer Visa bereit erklärt, die Rekordsumme von 2,1 Mrd. Dollar (1,4 Mrd. Euro) an den Rivalen zu zahlen. Im Gegenzug lasse Amex seine Klage fallen, teilten die Unternehmen in New York mit.

Amex wirft dem Konkurrenten vor, das Unternehmen auf dem US-Markt unrechtmäßig blockiert zu haben. Laut Amex-Anwalt David Boies haben sowohl Visa als auch Mastercard ihren rund 20 000 Mitgliedsbanken verboten, von 1996 bis 2004 American-Express-Karten auszugeben. Vor drei Jahren hatte Amex deshalb eine Schadenersatzklage in Milliardenhöhe eingereicht. Visa hat über seine Banken mehr als 500 Mill. Kreditkarten ausgegeben, Amex liegt deutlich unter 100 Mill.

Branchenexperten sehen die Einigung in engem Zusammenhang mit dem geplanten Börsengang von Visa. Das Joint Venture von insgesamt 21 000 Finanzinstitutionen brauche für die anstehende Roadshow freie Bahn, meint Analyst Craig Maurer von Calyon Securities. Visa müsse in der Lage sein, „über Fundamentales zu sprechen und weniger über anhängige Klagen“, sagte er der US-Nachrichtenagentur Bloomberg. Der Börsengang wird für Anfang 2008 erwartet. Inspiriert wird Visa vom Rivalen Mastercard, der nach seinem Börsengang im Mai 2006 einen fulminanten Lauf hingelegt hat: Die Aktie der zweitgrößten Kreditkartenfirma stieg seitdem um mehr als 400 Prozent. Mastercard kam in den ersten sechs Monaten des Geschäftsjahres 2007 auf 1,5 Mrd. Dollar Umsatz und 256 Mill. Dollar Gewinn. Visa wies für den gleichen Zeitraum 2,36 Mrd. Dollar Umsatz und 526 Mill. Dollar Gewinn aus. Die Firmen profitieren von dem weltweiten Trend, dass Kreditkarten zunehmend die gängigen Bar- und Scheckzahlungen verdrängen.

Für Visa sind die rechtlichen Probleme längst nicht aus der Welt. Nach der Einigung mit Amex muss das Unternehmen mit einer ähnlich hohen Strafzahlung an den Wettbewerber Discover Financial Services rechnen. Die Firma ist mit über 50 Mill. Karteninhabern und 2,5 Mrd. Dollar Umsatz ebenfalls ein bedeutender Finanzservice-Anbieter. Branchenexperten werten die 2,1 Mrd. Dollar teure Strafe an Amex als Messlatte für den Streitfall mit Discover.

Firmenangaben zufolge zahlt Visa 945 Mill. Dollar sofort, eine weitere Überweisung ist Ende März 2008 fällig. Anschließend soll Amex in jedem Quartal 70 Mill. Dollar erhalten, bis die Strafe vollständig getilgt ist. Möglicherweise werde ein Großteil des erwarteten Börsenerlöses für die Strafzahlung abgezweigt, schreibt die „New York Times“.

Der zähe Ringkampf der Plastikkarten-Riesen geht jedoch weiter, nur mit anderen Hauptdarstellern: Neben Visa wird auch Mastercard sowohl von Amex als auch von Discover verklagt. Man werde Mastercard rechenschaftspflichtig machen „für die illegalen Aktionen, die eine Zusammenarbeit zwischen Banken und uns über viele Jahre blockiert haben“, sagte Amex-Konzernchef Kenneth Chenault. Eine Sprecherin von Mastercard sagte, dass man eine außergerichtliche Einigung erwäge. Sie müsse aber angemessen sein und „im besten Interesse unseres Unternehmens“.

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