Risiko im Verborgenen Reich der Schattenbanken steht auf der Kippe

Das Geschäft der Schattenbanken blüht auf, seitdem sich die Regeln für Institute verschärft haben. Hier sammeln sich sämtliche hochriskante Geschäfte. Nun soll Licht in das Reich des Verborgenen gebracht werden.
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Die Skyline Frankfurts mit den Hochhäusern der Banken: Das Risiko ist aus dem Finanzsystem nicht verschwunden. Quelle: dpa

Die Skyline Frankfurts mit den Hochhäusern der Banken: Das Risiko ist aus dem Finanzsystem nicht verschwunden.

(Foto: dpa)

Frankfurt/London/Köln/DüsseldorfAls Andrew Feldstein Mitte März der französischen Großbank Crédit Agricole ein Paket strukturierter Wertpapiere über 14 Milliarden Dollar abkaufte, lobte er vor allem sich selbst. Der Chef des Hedge-Fonds Blue Mountain sagte, er habe seinen Beitrag dazu geleistet, das Weltfinanzsystem ein Stück zu stabilisieren. Die Risiken seien jetzt dort, wo es "absolute Spezialisten im Umgang mit diesen Risiken" gebe.

Als John Mack, der Mann, der Morgan Stanley in die Finanzkrise führte, im April Aufsichtsratschef beim Kreditnetzwerk Lending Club wird, spricht er von Produkten, die der Kunde "gern" habe, und von der Emanzipation des Kunden von den Banken.

Als Holger Kindsgrab Mitte Mai in seinem Büro am Rande des Frankfurter Bankenviertels von den Bildschirmen auf seinem Schreibtisch aufblickt und erklärt, wie er die Milliarden seiner Geldmarktfonds anlegt, fallen Worte vom Kapital, das für Anleger "sicher und jederzeit verfügbar sei" und von "höchster Bonität".

Wenn aber Michel Barnier, Elke König, Jens Weidmann oder Adair Turner über Feldstein, Kindsgrab, Mack und ihre Kollegen sprechen, ist weniger von Gemeinwohl und mehr von Gemeingefährlichkeit die Rede. Denn für den EU-Kommissar, die deutsche Finanzaufsichtschefin, den Bundesbankchef und den Chef der britischen Finanzaufsicht gehören sie zur Spezies der Schattenbanker - in ihren Augen die neuen Feinde des Wohlstands und florierender Märkte. Es sind Finanzindustrielle, die jenseits klassischer Banken mit Milliarden arbeiten und keiner Kontrolle unterliegen. "Wir müssen Licht in diese Bereiche bringen", sagt Barnier. Die Chefin der deutschen Finanzaufsicht Bafin, König, sagt: "Wir müssen die Verbindungen des regulierten Sektors zu den Schattenbanken regulieren." Und Bundesbankpräsident Weidmann sagt: "Es ist ein Risiko, Bankengeschäft in Bereiche zu verlagern, die geringer oder gar nicht reguliert sind."

46 Billionen Euro beträgt das weltweite Volumen der Schattenbanken. Ein Volumen, das 70 Prozent des weltweiten Bruttosozialprodukts entspricht. Seitdem Aufsichtsbehörden und Politik die Regeln für Banken verschärft haben, blüht das Geschäft im Verborgenen. Die Banken haben ihre Bilanz verkleinert, sich von riskanten Geschäften getrennt. Das Kasino ist dennoch weiter geöffnet, der Spielbetrieb ist nur in einen schlecht beleuchteten Nebenraum gezogen. Dort hat sich eine Mischung aus Institutionen etabliert, die das Schattenbankensystem bilden:

- Zweckgesellschaften, die mit Hilfe strukturierter Produkte arbeiten und dabei hohe Risiken eingehen,

- Wertpapierhändler, die mit Sicherheiten an den Märkten handeln,

- Hedge-Fonds, die dieses Jahr 2,3 Billionen Dollar zusammenbringen,

- Geldmarktfonds, die weltweit rund fünf Billionen Dollar verwalten,

- Versicherer, die mit ihren Langfristverpflichtungen handeln,

- Konzerne wie General Electric oder Siemens, die eigene Banken betreiben,

- Immobilienfinanzierer,

- Kreditnetzwerke, die Geld einsammeln und über das Internet verleihen.

Aber wer davon ist gefährlich - und wer nicht? Und schadet ein Verbot des Schattenbankensystems der Realwirtschaft nicht mehr, als es nutzt?

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17 Kommentare zu "Risiko im Verborgenen: Reich der Schattenbanken steht auf der Kippe"

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  • @ ANONYM

    Weise Worte. Nur was tun?

    Wir stärken wir das Europäische Wirgefühl? Wie haben die US Amerikaner ein Wirgefühl zustande gebracht?
    Oder lassen wir das aussen vor und schliessen uns der Übermacht an und werden Chinesen?

  • @ANONYM

    Die Bürger werden ständig gefragt, sie werden sogar informiert. Dieser Artikel beweist es. Wenn ich den Mitbürger auch zu informieren versuche zeigt er auf seinen Bauch und meint damit: hier kommt das nicht an.
    Ich hake nach und werde "crafty" (english) auf die Hannelore Art und benutze die entsprechende Mundart.
    Die Hannelore wurde ja auch "Kraft des Wortes" gewählt. Am Tag nach der Wahl vor den Kameras für ganz Deutschland stolperte sie sozusagen ins Hochdeutsch.
    "Kraft durch Freude" hatten wir schon einmal, Freude durch Kraft war das neue Rezept und die Bauchkitzelei kam an wie eh und jeh.
    Also, mein lieber Bürger ANONYM, hören Sie auf zu behaupten, dass der Bürger nicht informiert sei, sein Bauch wird wie eh und jeh informiert. Und hören Sie endlich auf zu rülpsen!
    Es ist ja zum Finger in den Mund stecken.

    Und noch eine Bitte, nehmen Sie es nicht persönlich, ich wünsche Ihnen Frieden, (die Kraft der) Freude und alle Eierkuchen für ein glückliches Leben.

  • Vor lauter Geld-Umverteilen hat die EU in Brüssel doch gar keine Zeit dazu, sich um solche Themen zu kümmern. Seit Jahren wird hier Handlungsbedarf angemahnt aber sie traute sich einfach nicht, das Thema anzugehen. Ich glaube, auch dieser Versuch wird in einer wachsweichen Regelung enden.

  • Keine Sorge, so etwas mag Vision sein, aber sie geht am Menschen vorbei. Verhaltensbiologisch ist diese Vision nicht umsetzbar. Und bei Verahltensbiologie meine ich eingebakkene Verhaltensmuster, die automatisch und ziemlich unveränderlich sind beim Menschen, weil dem Überleben dienend. Der Mensch konnte evolutionär ausserhalb einer Gruppe nicht überleben bzw. nur äusserst schwierig. Somit ist die Zugehörigkeit zu einer Gruppe eine natürliche Definition. Blutsbande sollte man hier nicht unterschätzen. Da kann man noch soviel Gehirnwäsche betreiben, wie man will. Letztendlich wird es an der Natur des Menschen scheitern.

  • Wer sich mal richtig gruseln möchte, sollte sich anschauen, was die Politik für die nächsten Jahrzehnte plant. Einfach nach "Vision 2050 - Das Lieblingsbuch der Kanzlerin" auf der Seite Medien-Lügen suchen. Neomarxismus pur: Abschaffung von Nationen, Familien, Industrien.

  • Fortsetzung:

    Was ist denn jetzt mit der EURO-Krise?

    Die Finanzwirtschaft ist noch viel mächtiger und gerissener geworden, sie bestimmt quasi alles, was vonstatten geht samt der EZB, gegen deren Agieren gegen die Vorschriften, die im Maastrichtvertrag festgelegt wurden, nur zur Rettung der Banken, so daß jetzt inzwischen die Banken in Deutschland sowie die Allianz sagen können: der Austritt Griechenlands würde nur allenfalls einen Blechschaden bewirken.

    Merkel hächelt nur noch hinterher und wird zunehmend ebenso in die Zange genommen durch die Verschärfung der Krise, auch aus USA fast täglich.

    Und ein Schäuble hat unlängst den Nationalstaaten in einer Rede den Garaus gemacht, sie seien nicht mehr modern im 21. Jahrhundert.

    Und genau DARAUF läuft es nun hinaus, das ist angedacht, obwohl zZt absolut nicht durchführbar.

    So stellt Merkel die Frage:
    Merkel fordert dagegen nun zunächst den Nachweis, daß die Euro-Partner zu der mit Euro-Bonds verbundenen Aufgabe nationaler Souveränität bereit sind. "Die Grundsatzfrage ist relativ einfach: Wollen die Partner wirklich mehr Europa - oder einfach nur deutsches Geld?", sagte ein Regierungsvertreter in Berlin.

    Sogar die SPD hat sich "erschrocken" von der Forderung nach Euro-Bonds verabschiedet, späte Einsicht, aber immerhin.

    Wenn man den hervorragenden Beitrag im HB, adaptiert von der Wirtschaftswoche, von Zulauf liest, ahnt man, wie der Hase läuft und sehr unverbrähmt geschildert, anders, als was einem sonst untergejubelt wird.

    Ja wir werden noch sehr viel leiden, weil die Politik uns den EURO verpaßt hat, aber die Gefahren nicht bedachte, geschweige erkannt hat.


    Den Schaden von alledem tragen wir Bürger, die wir nie befragt wurden.

  • @margrit

    unterschätzen Sie nicht die Macht der Finanzwirtschaft, die hat sich ja inzwischen klar erkennbar herausgebildet.

    Jede unserer Regierungen stand/ steht unter diesem Druck. Damals Schröder, es war aber nur eine eingeschränkte Zulassung im damals vorherrschenden Gedanken der Liberalisierung der Finanzmärkte. Neoliberal war angesagt.

    Völlig ausgehebelt wurde dies in der Finanzkrise, made by USA, durch die verbrieften Schrott-Immobilienkredite, die via Goldman-Sachs und auch der Deutschen Bank hier an den Mann gebracht wurden bis hin in die Kommunen und diese Konstrukte in "Zweckgesellschaften," vorbei an den offiziellen Bilanzen, untergebracht , so der Kontrolle entzogen.
    Es hieß später, die Bafin habe versäumt, zu beaufsichtigen (gab es diesbezügliche Vorschriften?) und gleichzeitig erwähnt, daß dort leider nicht die Fähigsten säßen, sonst wären sie in anderen Positionen im Bankengeschäft, heißt: man durchschaute nicht diese "Wunderwaffen" der Finanzindustrie, wie auch, wo so viele darauf hereingefallen sind durch hohe Bonitätsbewertung.
    Das lief zunächst prächtig, bis die Chose platzte. Kurz davor hatte sogar Rußland die Deutsche Bank angefragt, hier auch tätig werden zu können, dazu kam es aber - Gott sei Dank - nicht mehr.
    Die säumigen Häuslebesitzer wurden enteignet in USA, eine speziell von Goldmann installierte Verwertungsgesellschaft übernahm die Immobilien , sie bekamen 5 TSD $ und wurden rausgeschmissen.
    Gegen die Deutsche Bank laufen etliche Klagen aus USA.

    Der Insolvenzverwalter von Lehman Broth. hat konstatiert, daß alles noch ungehindert so weiter läuft, wie zuvor.
    Die Finanzwirtschft erfindet immer neue Lücken, wo sie agieren kann. Da gilt es,den Sumpf freizulegen. Politiker haben da wenig Kenntnisse, agieren viel zu spät.

  • Unter Schröder sind sie zugelassen worden. Verantwortlich war Steinbrück (mit seinem Berater Asmussen).

    Ich will nicht kleinlich sein, jedoch sollte man das so schreiben, damit sich viele daran erinnern, falls Steinbrück auf einmal als Kanzlerkandidat auftauchen sollte.

  • Diesen ganzen Mist habn wir übrigens auch der SPD und den Grünen zu verdanken.
    Früher waren Hedge-Fonds bei uns nciht erlaubt.
    Schröder hat sie zugelassen und auch sonst sämtliche Türen fürs Zocken aufgestoßen

  • Fragen Sei mal die Superfrau Merkel

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