Rolf Breuer wird 80 „Mr. Finanzplatz“ ohne Ausnahmetalent

Er prägte über Jahre den Finanzplatz Frankfurt und die Deutsche Bank. Ein legendärer Satz kam ihn und seinen damaligen Arbeitgeber teuer zu stehen. Zu seinem 80. Geburtstag blickt Rolf Breuer auf bewegte Zeiten zurück.
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„Ich hatte keine Ausnahmebegabung“, sagt Rolf Breuer. Und doch ist er eine prägende Figur der deutschen Wirtschaftsgeschichte. Quelle: dpa
Ehemaliger Deutsche-Bank-Chef Breuer wird 80

„Ich hatte keine Ausnahmebegabung“, sagt Rolf Breuer. Und doch ist er eine prägende Figur der deutschen Wirtschaftsgeschichte.

(Foto: dpa)

FrankfurtIm Schatten der Deutsche-Bank-Türme hat Rolf Breuer sein Büro. Zwei bis drei Vormittage pro Woche arbeitet der ehemalige Chef des größten deutschen Geldhauses im Herzen Frankfurts – Tür an Tür mit Vorgänger Hilmar Kopper und weiteren alten Bekannten aus den goldenen Zeiten der Finanzbranche.

„Mr. Finanzplatz“, „Strippenzieher der Deutschland AG“ – Breuer, der am heutigen Freitag seinen 80. Geburtstag feiert, sammelte in seiner Karriere viele Attribute. Mit dem Namen des gebürtigen Bonners ist der Aufstieg der Deutschen Bank unter die führenden Finanzkonzerne der Welt verbunden. Aber auch das teuerste Interview der deutschen Wirtschaftsgeschichte.

„Was alles man darüber lesen und hören kann, ist ja, dass der Finanzsektor nicht bereit ist, auf unveränderter Basis noch weitere Fremd- oder gar Eigenmittel zur Verfügung zu stellen“ – Anfang Februar 2002 sprach Breuer in einem New Yorker Hotelzimmer in ein Reportermikrofon, was viele über Leo Kirchs Medienimperium dachten.

Wo die Chefs der Deutschen Bank weiter Karriere machten
Anshu Jain
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Der frühere Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Anshu Jain, hat einen neuen Job: Nach einem Intermezzo als Berater für die Fintech-Firma Social Finance aus dem Silicon Valley wird Jain nun „President“ bei der US-amerikanischen Investmentbank Cantor Fitzgerald mit Sitz in New York City. Dort soll er sich um den Ausbau des Asien-Geschäftes kümmern. Anshu Jains Karriere endet also nicht mit dem Ausstieg aus der Deutschen Bank. Damit ist er als Ex-Deutsche-Bank-Chef in guter Gesellschaft ...

Josef Ackermann
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Der Schweizer Bankmanager Josef („Joe“) Ackermann war von 2002 bis 2012 Vorstandsvorsitzender des größten deutschen Geldhauses. 2010 übte er parallel Tätigkeiten für die Zurich Insurance Group (damals noch Zurich Financial Services AG) aus und wechselte nach seinem Ausscheiden bei der Deutschen Bank vollständig dort hin. Von Ende März bis August 2013 war er Verwaltungsratspräsident der Zurich Insurance Group. Seit Ende 2014 ist Ackermann Aufsichtsratsvorsitzender der Bank of Cyrus.

Rolf E. Breuer
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Rolf E. Breuer war von 1997 bis 2002 Vorstandssprecher und von 2002 bis 2006 Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Bank – und sorgte mit seinen kritischen Äußerungen zur Mediengruppe Kirch für Furore. Nach seiner Amtsniederlegung ist Breuer im Ruhestand, übt aber zahlreiche ehrenamtliche Tätigkeiten aus: Der heute 69-Jährige war und ist laut FAZ Mitglied in mehr als 30 Kuratorien und Gremien, unter anderem sitzt er im Hochschulrat der Goethe-Universität Frankfurt und ist Förderer der Komischen Oper in Berlin. Gemeinsam mit anderen Ex-Vorständen der Deutschen Bank teilt er sich ein Büro in Frankfurt.

Hilmar Kopper
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Der 1935 in Polen geborene Hilmar Kopper war von 1989 bis 1997 Vorstandssprecher der Deutschen Bank. Danach wechselte er in den Aufsichtsrat von DaimlerChrysler, wo er von 1998 bis 2007 Vorsitzender war. Später wurde Kopper Chefkontrolleur der HSH Nordbank, später dann Aufsichtsratsvorsitzender. Ende Februar 2013 legte er sein Amt nieder.

Wilfried Guth
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Der Neffe von Ex-Bundeskanzler Ludwig Erhard, Wilfried Guth, war von 1976 bis 1985 einer der beiden Vorstandssprecher und bis 1990 Aufsichtsratschef der Deutschen Bank. Dem Kontrollgremium gehörte er bis 1995 an. Auch bei anderen Spitzenunternehmen wie Allianz, Siemens oder Henkel hatte er Aufsichtsratsmandate inne. Guth starb am 15. Mai 2009 im Alter von 89 Jahren. Auf Wilfried Guth folgte Alfred Herrhausen an der Spitze der Deutschen Bank. Herrhausen war ab 1985 gemeinsam mit Friedrich Wilhelm Christians Vorstandssprecher, ab 1988 alleiniger Vorstandschef. Weltweites Aufsehen erregte sein Tod: Als Herrhausen am 30. November 1989 sein Haus in Bad Homburg vor der Höhe verließ, um mit dem Dienstwagen zur Arbeit zu fahren, wurde er Opfer eines Bombenattentates. Später bekannte sich die linksterroristische RAF zu dem Mord.

Friedrich Wilhelm Christians
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Friedrich Wilhelm Christians, dessen Berufswunsch eigentlich Diplomat gewesen war, fand während seines Praktikums bei der Deutschen Bank Gefallen am Bankgeschäft. Der „Außenpolitiker“ war 1985 der erste westliche Wirtschaftsvertreter, der mit Michail Gorbatschow sprach und danach einen 3,5-Milliarden-Mark-Kredit einfädelte. 1965 wurde er in den Vorstand der Deutschen Bank berufen, 1976 stieg er gemeinsam mit Wilfried Guth zum Vorstandssprecher auf, bis er 1988 in den Aufsichtsrat wechselte. Bis zu seinem Tod blieb er der Deutschen Bank treu.

Franz Heinrich Ulrich
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Nach seinem Jura-Examen trat Franz Heinrich Ulrich 1936 in die Deutsche Bank ein, bis er 1939 zum Kriegsdienst einberufen wurde. Obwohl er im Krieg schwer verwundet wurde, arbeitete er danach als persönlicher Mitarbeiter von Hermann Josef Abs bei der Deutschen Bank weiter. Als dessen Nachfolger Karl Klasen Anfang 1970 zur Deutschen Bundesbank wechselte, wurde Ulrich alleiniger Vorstandssprecher und anschließend Aufsichtsratsvorsitzender bis zum Juli 1984. Wegen der Spätfolgen seiner schweren Kriegsverletzung zog er sich danach in den Ruhestand zurück.

Gut zwei Monate nach dem Interview reichte KirchMedia Insolvenzantrag ein. Kirch gab Breuer („Der Rolf hat mich erschossen“) und dessen damaligem Arbeitgeber die Schuld. Die Beschuldigten wiesen die Vorwürfe stets zurück, für den Niedergang des Kirch-Konzerns verantwortlich zu sein. Ein teurer Vergleich stoppte Anfang 2014 die Prozesslawine: Die Bank zahlte den Kirch-Erben 925 Millionen Euro.

Breuer steuerte als Schadensbeteiligung 3,2 Millionen Euro bei. Was ihn der Dauerstreit insgesamt kostete, habe er nie zusammengezählt, sagt er. „Das ist zum Teil auch von der Versicherung gedeckt worden.“ Und wie sehr belastet es ihn, dass immer wieder dieser eine Satz zitiert wird? „Daran habe ich mich gewöhnen müssen. Man darf das nicht zu sehr an sich herankommen lassen“, sagt der Jubilar.

Einen Schlussstrich unter die Causa Kirch kann der promovierte Jurist Breuer allerdings noch immer nicht ziehen: Die Entscheidung des Bundesgerichtshofs (BGH) über die Freisprüche des Landgerichts München aus dem April 2016 steht aus. In diesem Verfahren ging es um den Vorwurf, Breuer und weitere Manager hätten Aussagen vor Gericht abgesprochen, um Schadenersatz-Zahlungen von der Bank abzuwenden.

Das Ringen um seine Reputation in Gerichtssälen hat Energie gekostet. Energie, die Breuer lieber in die schönen Dinge des Lebens steckt: Musik, Kunst, Literatur. „Als ich aus dem aktiven Dienst ausschied, hatte ich 35 Mandate, aktuell sind es noch 14.“ International Piano Forum, Schirn Kunsthalle, Feith-Stiftung, Center for Financial Studies: Die Liste der Ehrenämter, die Breuer vor allem in seiner Wahlheimat Frankfurt noch ausübt, ist lang.

„Ich bin nie in ein Loch gefallen, ich habe bis heute eine Fülle von Mandaten“, schildert Breuer. „Das hat dafür gesorgt, dass ich mich nicht gelangweilt habe. Ich habe jedenfalls immer vermieden, zu Hause über die Schnur des Staubsaugers zu fallen.“ Breuer ist in zweiter Ehe verheiratet. Das Paar hat einen Sohn und zwei Töchter. Seine Frau brachte aus erster Ehe zwei weitere Kinder mit. „Fünf Kinder, elf Enkel – alle kommen zum Geburtstag.“ Breuer freut sich darauf.

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