Rückversicherer Hannover Rück mit überraschend starkem Halbjahr

Die Hannover Rück hat in ihrem ersten Halbjahr die Erwartungen deutlich übertroffen. Ein starker Dollar bescherte dem drittgrößten Rückversicherer der Welt steigende Prämien, größere Katastrophen bleiben aus.
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Die Hannover Rück kann sich über ein überraschend starkes erstes Halbjahr freuen. Quelle: dpa
Rückversicherer Hannover Rück

Die Hannover Rück kann sich über ein überraschend starkes erstes Halbjahr freuen.

(Foto: dpa)

FrankfurtEin katastrophenarmes und unerwartet gewinnträchtiges erstes Halbjahr macht Hannover Rück zuversichtlicher. Der Nettogewinn dürfte 2015 mit rund 950 Millionen Euro an das Niveau des Vorjahres heranreichen, teilte der drittgrößte Rückversicherer der Welt am Mittwoch mit. 2014 hatte Hannover Rück 986 Millionen Euro verdient, für das laufende Jahr bisher aber einen Rückgang auf 875 Millionen Euro erwartet. In den ersten sechs Monaten stieg der Konzerngewinn um 20 Prozent auf 531,9 Millionen Euro. „Das ist zweifelsfrei ein sehr gutes Halbjahresergebnis“, resümierte Finanzchef Roland Vogel.

Hannover Rück blieb - anders als der größere Rivale Swiss Re von Großschäden fast völlig verschont. Der Sturm „Niklas“ war mit 35 Millionen Euro der größte Einzelschaden in diesem Jahr. Insgesamt musste die Talanx -Tochter für Großschäden fast 100 Millionen Euro weniger zahlen als geplant; damit bleibt ein größerer Puffer für den Rest des Jahres. Swiss Re, die Nummer zwei der Branche, waren ein Satellitenabsturz und der Brand auf einer Öl-Plattform teuer zu stehen gekommen.

An der Börse konnte Hannover Rück damit nicht beeindrucken. Die Aktie fiel im Nebenwerteindex MDax um 2,7 Prozent auf 97,70 Euro. Analysten hatten Hannover Rück schon vorher einen Gewinn von 966 Millionen Euro zugetraut. „Anleger nutzen die Gelegenheit, um Gewinne mitzunehmen“, sagte ein Händler. Die Aktien des Rückversicherers haben seit Jahresbeginn 34 Prozent zugelegt, der MDax kam nur auf ein Plus von 25 Prozent.

Die Prämieneinnahmen wuchsen dank des starken US-Dollar bis Ende Juni um 21,5 Prozent auf 8,6 Milliarden Euro. Hannover Rück habe von einigen großen Vertragsabschlüssen profitiert, die für Wachstum sorgten, und weniger vom Brot-und-Butter-Geschäft, erklärte Vogel. Für das Gesamtjahr sagt er nun - Währungseffekte herausgerechnet - ein Prämienwachstum von fünf bis zehn Prozent voraus. Im ersten Halbjahr waren es 9,5 Prozent.

Die Preise für den Schutz vor Naturkatastrophen blieben aber unter Druck, sagte Vogel. Die Erstversicherer brauchen weniger Rückversicherungsschutz, weil sie die Kosten für Großschäden auch allein stemmen können, während Investoren viel frisches Kapital in das Geschäft pumpen.

Wo die Natur die meisten Schäden hinterlassen hat
Weniger Tote und Sachschäden
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Naturkatastrophen haben die Menschheit in diesem Jahr bislang deutlich weniger getroffen als in den vergangenen Jahrzehnten. Zu diesem Ergebnis ist die Münchener Rückversicherungsgesellschaft in ihrer Naturkatastrophenbilanz gekommen. Demnach sind im ersten Halbjahr 2015 annähernd 16.000 Menschen ums Leben gekommen – mehr als die Hälfte davon bei dem Erdbeben Ende April in Nepal. Im Durchschnitt der vergangenen 30 Jahre seien 27.000 Tote zu beklagen gewesen. Insgesamt waren von Januar bis Juni Schäden von 35 Milliarden US-Dollar zu verzeichnen, während der Durchschnittswert der vergangenen 30 Jahre rund 64 Milliarden US-Dollar betrug.

Quelle: Munich RE

Erdbeben in Nepal
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Am 25. April verursachte ein Erdbeben der Stärke 7,8 in ganz Nepal, vor allem in der Hauptstadt Kathmandu, katastrophale Zerstörungen – es ist das stärkste Beben seit mehr als 80 Jahren. 8.850 Menschen wurden getötet, etwa drei Millionen Menschen wurden obdachlos. Bei einem weiteren Beben der Stärke 7,3 zweieinhalb Wochen später kamen nochmals 230 Menschen ums Leben.

Nach dem Erdbeben in Nepal
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Das Erdbeben hat viele Häuser und Teile des kulturellen Erbes der Menschheit zerstört. Der Gesamtschaden betrug demnach 4,5 Milliarden US-Dollar, davon waren nur 140 Millionen US-Dollar versichert. Die Dimension der Schäden offenbart sich bei der Betrachtung der Wirtschaftskraft: Sie machten knapp ein Viertel des Bruttoinlandsprodukts eines Jahres aus.

Wintersturm in den USA und Kanada
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Die USA wurde Ende Februar in eine dicke Winterdecke gehüllt. Eine Reihe von Winterstürmen, die Anfang des Jahres den Nordosten der USA und Kanadas trafen, war für die Versicherungswirtschaft die teuerste Naturkatastrophe. Der versicherte Schaden betrug 1,8 Milliarden US-Dollar, die Gesamtschäden 2,4 Milliarden US-Dollar. In Boston fielen den Winter hindurch insgesamt fast drei Meter Schnee – ein absoluter Rekord.

Schneechaos in den USA
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Zwölf Tote, gestrichener Unterricht, Stromausfälle und viele Unfälle: Zeitweise waren Zehntausende Menschen während den schweren Schneefällen ohne Strom. Tausende Flüge mussten gestrichen oder umgeleitet werden. Insgesamt entstanden durch den harten Winter 2014/15 in den USA direkte Gesamtschäden von 4,3 Milliarden US-Dollar. Die indirekten Schäden durch Flugverspätungen, Stromausfälle und Geschäftsunterbrechungen sind hierbei nicht einberechnet.

Unwetter in Mexiko und dem Süden der USA
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Tote, viele Verletzte, zerstörte Häuser und durch die Luft gewirbelte Autos in Mexiko: Verheerende Unwetter und Stürme haben den Süden der USA und den Norden Mexikos in Katastrophengebiete verwandelt. Insgesamt verursachte das Unwetter zwischen April und Juni jeweils Schäden über einer Milliarde US-Dollar, davon war jeweils rund eine dreiviertel Milliarde US-Dollar versichert.

Am stärksten war Texas betroffen
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Mit am stärksten war die Region Wimberley in Texas von den Unwettern betroffen, allein dort wurden 400 Gebäude zerstört, mehr als 1000 beschädigt. Im ersten Halbjahr betrug der Schaden in den USA durch solche Unwetter, die teilweise von Tornados oder Hagel begleitet wurden, 6,5 Milliarden US-Dollar, davon waren 4,8 Milliarden US-Dollar versichert.

Bei der Erneuerungsrunde für die USA registrierte Hannover Rück zwar eine Bodenbildung. „Aber man kann nicht sagen, das ist die Trendwende“ sagte Vogel. „Das ist nicht die Zeit, massiv zu wachsen. Man muss da sehr selektiv unterwegs sein.“

Hannover Rück erwägt, einen größeren Teil des 7,7 Milliarden Euro dicken Kapitalpolsters an die Aktionäre auszuschütten. Für gewöhnlich zahlt der Rückversicherer maximal 40 Prozent des Nettogewinns als Dividende, 2014 war es mit 4,25 Euro je Aktie gut die Hälfte. „Es spricht einiges dafür, dass die Dividenden-Entscheidung ausfällt wie im letzten Jahr“, sagte Vogel.

  • rtr
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