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Rückversicherer Munich-Re-Chef Wenning dämpft die zuletzt hohen Erwartungen

Bei der Munich Re bleibt Konzernchef Wenning bei seiner Gewinnprognose. Aus dem Iran-Geschäft steigt das Unternehmen dagegen aus – auf Druck der USA.
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Der Konzernchef der Munich Re sieht den Unternehmensumbau im Plan. Quelle: Reuters
Joachim Wenning

Der Konzernchef der Munich Re sieht den Unternehmensumbau im Plan.

(Foto: Reuters)

MünchenEs sind bekannte Zahlen. Und sie dämpfen doch etwas die zuletzt hohen Erwartungen an die Munich Re. „Wir werden uns in diesem Jahr innerhalb des anvisierten Ergebniskorridors von 2,1 bis 2,5 Milliarden Euro bewegen“, sagte Konzernchef Joachim Wenning am Dienstagabend vor Journalisten in München. Die Prognose steht bereits seit dem Frühjahr, zuletzt gab es aber vermehrt Andeutungen, dass durchaus das obere Ende der Spanne erreicht werden könnte.

Jene hat das Unternehmen selbst geschürt. Finanzchef Jörg Schneider hatte jeweils bei der Vorstellung der Zahlen für das zweite und das dritte Quartal solche Erwartungen genährt. Immerhin hatte der weltgrößten Rückversicherer nach sechs Monaten bereits einen Gewinn von 1,6 Milliarden Euro erreicht, im Zeitraum von Januar bis September waren es sogar schon 2,038 Milliarden. Von der anvisierten Zielspanne war man da nur noch wenige Schritte entfernt.

Doch ab Spätsommer zogen erneut schwere Stürme über die USA und Japan. Die großen Verwüstungen belasten die gesamte Branche. Allerdings waren die Schäden in diesem Jahr weitaus geringer als 2017, das als das schadenreichste im Bereich der Naturkatastrophen in die Geschichte einging.

Im vierten Quartal kamen nun noch die schweren Waldbrände in Kalifornien dazu. Auf rund zehn Milliarden Dollar belaufen sich die geschätzten Sachschäden in der Region, so Experten. „Ich rechne für uns mit einem Millionenereignis, wahrscheinlich im unteren, vielleicht im mittleren dreistelligen Bereich“, so Wenning zu möglichen Belastungen für sein Haus.

Dabei stützt er sich auf Erfahrungen aus dem vergangenen Jahr, als die gesamte Schadensumme bei rund 15 Milliarden Dollar lag und die Munich Re mit etwa einer halben Milliarde Dollar in der Pflicht stand.

Viel wichtiger ist dem Munich Re-Chef indes, dass der Umbau des Unternehmens planmäßig vorankommt. Der Erstversicherer Ergo liege im Moment sogar leicht über den Erwartungen. Erst vor wenigen Wochen wurde die Ergebnisprognose der Düsseldorfer Tochter auf 350 Millionen Euro für dieses Jahr angehoben. Zuvor stand an dieser Stelle die Spanne von 250 bis 300 Millionen Euro. Dem im nächsten Jahrzehnt anvisierten Ergebnisziel von 600 Millionen Euro kommt der Konzern damit schrittweise näher.

Für das vierte Quartal sollten die Erwartungen für Ergo indes nicht allzu hoch ausfallen, warnte Finanzchef Jörg Schneider. Sondereffekte dürften in diesem Zeitraum dazu führen, dass der Gewinn dann wohl sehr mager ausfällt. Deswegen trat man zuletzt trotz angehobener Prognose auf die Bremse. Bei Ergo stand nach neun Monaten schon ein Gewinn von 359 Millionen Euro, mit den anvisierten 350 Millionen Euro für das Gesamtjahr ist das Management somit schon sehr vorsichtig unterwegs.

Auch in der Rückversicherung geht es Wenning zufolge voran. Vor allem die Möglichkeiten der Digitalisierung will der Konzernchef in den kommenden Jahren dort intensiv nutzen. Er spricht dabei an diesem Abend von einer „Algorithmisierung von Vorgängen“. Die lasse sich mittlerweile schon in Geschäftspläne übersetzen. Der Aufbau dieses Bereichs kostet zwar Millionen, diese Summe wird Laut Wenning jedoch durch Einsparungen anderswo, beispielsweise durch ein Freiwilligenprogramm, wettgemacht.

Wegen US-Drucks Ausstieg aus Iran-Geschäft

Gut entwickle sich auch die Entwicklungseinheit Digital Partners. Hier dockt der Konzern bei meist jungen Unternehmen an, um mit ihnen zusammen Versicherungsprodukte zu generieren. Rund 20 Partnerschaften gebe es derzeit schon, mit fünf bis sechs von ihnen werde bereits ein Beitragsrahmen von rund 60 Millionen Euro erzielt. „Ich hätte Fantasie, dass sich das vervielfacht“, gibt sich Wenning optimistisch.

Aus den Geschäften mit dem Iran zieht sich das Unternehmen dagegen wegen der US-Sanktionen gegen die Islamischen Republik zurück. „Wir steigen da aus“, sagte Wenning. „Wir haben in den USA mehr zu verlieren als wir im Iran zu gewinnen haben.“ Ein großer Markt ist der Iran für die Münchner Rück ohnehin nicht, das Geschäftsvolumen beläuft sich nach Angaben des Unternehmens auf unter 30 Millionen Euro.

Zum Thema Cyberversicherung äußerte sich der Munich Re-Chef weniger skeptisch als mancher Experte. Die Branche setzt darauf seit geraumer Zeit große Hoffnungen, manch einer spricht bereits davon, dass es einst größer werden könnte als heute der Bereich Kfz-Versicherungen. Umgekehrt warnen indes Stimmen vor den unkalkulierbaren Auswirkungen eines großen Cyberangriffs.

Wenning stellt deswegen klar, dass sein Haus auch keine Strom- oder Internet-Netze versichern würde. Umgekehrt gebe es beim Bepreisen von Cyberrisiken auch eine gewisse Grundlast, die man im Griff habe. „Bei Cyberversicherungen ist ein Teil wie bei der Kfz-Versicherung“, beobachtet er in der Praxis.

Nach vier Jahren mit rückläufigen Gewinnen soll es bei der Munich Re ab diesem Jahr wieder kontinuierlich nach oben gehen. Für 2019 und 2020 plant der Rückversicherer steigende Gewinn, in neuen Jahrzehnt sollen es 2,8 Milliarden sein. Verkünden wird das dann allerdings nicht mehr Jörg Schneider. Der dienstälteste Finanzchef im Dax – er ist seit 2001 im Amt – geht zum Jahresende in den Ruhestand. Dann übernimmt Christoph Jurecka, bisher noch Finanzvorstand bei Ergo in Düsseldorf.

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