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Rückversicherer Munich Re warnt vor zu hohen Erwartungen – trotz guter Zahlen

Das Umfeld bleibt nach Ansicht von Vorstandschef Joachim Wenning herausfordernd. Offen zeigt er sich für den Zukauf eines Erstversicherers.
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Der Vorstandschef übt sich in Zurückhaltung. Quelle: Reuters
Joachim Wenning

Der Vorstandschef übt sich in Zurückhaltung.

(Foto: Reuters)

München Das Management von Munich Re warnt vor überzogenen Erwartungen der Kapitalmärkte. „Es gibt neue Risiken wie Cyberkriminalität, Algorithmus-Versicherungen oder das Internet der Dinge“, sagte Vorstandschef Joachim Wenning am Montagabend bei einem Pressegespräch in München. Damit müsse man richtig umgehen.

Zudem habe das vierte Quartal „schadenhaltig“ begonnen, so Wenning. In Japan löste der Taifun Hagibis die höchste Warnstufe aus. Ebenso tobten in den USA und in Australien Waldbrände und Buschfeuer. „Wir sind mit einem Rückstand in das vierte Quartal gestartet“, gab der neue Finanzvorstand Christoph Jurecka offen zu. Deswegen gebe es zum jetzigen Zeitpunkt noch keine konkreten Zahlen für das Gesamtjahr.

Beim Münchener Rückversicherer übt man sich damit in Zurückhaltung, nachdem die Erwartungen an der Börse zuletzt hoch waren. Nach drei Quartalen hatte die Munich Re beinahe schon das geplante Jahresergebnis von 2,5 Milliarden Euro erreicht. Anfang November ließ sich das Management dann zumindest zu der verhaltenen Aussage hinreißen, man erwarte nun ein Jahresergebnis über 2,5 Milliarden Euro.

Dass dies nach aktuellem Stand auch erreicht wird, gilt unter Analysten als sicher. Vielerorts gehen die Erwartungen dahin, dass die vom Unternehmen weiterhin erst im kommenden Jahr erwarteten 2,8 Milliarden Euro an Jahresgewinn bereits in diesem Jahr erzielt werden.

An der Börse gilt die Munich-Re-Aktie mit einem Plus von aktuell mehr als 35 Prozent seit Jahresanfang bereits als eines der erfolgreichsten Dax-Unternehmen in 2019. „Unsere Aussagen, die wir vor zwei Jahren gemacht haben, werden geglaubt“, wertete Konzernchef Wenning diese Entwicklung.

Wenning kann sich Zukäufe vorstellen

Im Frühsommer 2017 hatte er den Vorstandsvorsitz vom langjährigen Chef Nikolaus von Bomhard übernommen und das Traditionshaus mit der 139-jährigen Geschichte unaufgeregt, aber kontinuierlich umgestaltet. Das Rückversicherungsgeschäft wurde digitaler, der Erstversicherer Ergo fand zurück in die Erfolgspur. Sogar 900 Arbeitsplätze wurden eingespart, was früher undenkbar gewesen wäre. Weil von oberster Ebene aber offen kommuniziert wurde und die Abfindungen großzügig ausfielen, fand vieles dabei geräuschlos statt.

Mittlerweile verdienen alle Bereiche wieder gutes Geld, der Rückversicherer beteiligt sich an aussichtsreichen Start-ups wie den Sensorik-Spezialisten Relayr oder dem US-Insurtech Next. Dennoch warnt Wenning vor zu viel Euphorie. Als einer der größten Rückversicherer der Welt – mit Swiss Re liefert man sich traditionell ein Kopf-an-Kopf-Rennen um die Spitze – muss Munich Re auch gewaltige Summen gewinnträchtig verwalten. Und das, ohne dabei ein überhöhtes Risiko einzugehen. In Zeiten jahrelanger Niedrigzinsen sind das gewaltige Herausforderungen für die gesamte Branche.

„Es herrscht eine regelrechte Jagd von einer zur nächsten Kapitalanlage“, beobachtet Wenning in der Praxis. Das gelte beispielsweise auch für den Bereich Infrastruktur, in dem die Münchener zuletzt in Energienetze, Autobahnabschnitte oder Parkhäuser investiert haben. „Hier würden wir gerne mehr machen, aber das wäre zu riskant“. Weil die Nachfrage das Angebot bei weitem übertrifft, steigen die Preise.

Wenning könnte auch einen anderen Versicherer kaufen. Im Moment bietet der Markt dazu Möglichkeiten. Im Kerngeschäft der Rückversicherung hält er einen Zukauf aber für unrealistisch. Offener zeigt er sich dagegen bei Erstversicherern. „Es müsste sich dort um Risiken handeln, die mit unserem Risikoappetit kompatibel sind“, gibt Wenning die Zielrichtung vor. Dann kämen auch Assekuranzen quer über den Erdball infrage.

Mehr: Die europäische Versicherungsaufsicht Eiopa schlägt ein Meldesystem für Cyber-Attacken vor. Die Branche rechnet zugleich mit florierenden Geschäften.

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