Rückversicherer Munich Re will sich bei Kapitalerhöhungen beschränken

Die Munich Re möchte den Kapitalrahmen für die kommenden Jahre bei einer möglichen Kapitalerhöhung nicht vollständig ausnutzen. Der weltgrößte Rückversicherer reagiert damit auf die Kritik großer Fonds.
Update: 25.04.2017 - 14:57 Uhr Kommentieren
Die Münchener Rück geht auf die Drohungen großer Fondsgesellschaften ein und verzichtet auf die volle Ausnutzung einer möglichen Kapitalerhöhung. Quelle: dpa
Munich Re

Die Münchener Rück geht auf die Drohungen großer Fondsgesellschaften ein und verzichtet auf die volle Ausnutzung einer möglichen Kapitalerhöhung.

(Foto: dpa)

FrankfurtDie Münchener Rück reagiert auf den Widerstand großer deutscher Fondsgesellschaften gegen milliardenschwere Kapitalerhöhungen und will damit eine Abstimmungsniederlage auf der Hauptversammlung verhindern. Der weltgrößte Rückversicherer will den Kapitalrahmen für die nächsten Jahre, über den die Aktionäre am Mittwoch in München beschließen sollen, nicht voll ausnutzen.

Die Münchener Rück veröffentlichte am Dienstag eine Selbstverpflichtung, das Kapital um maximal ein Drittel zu erhöhen. Das – formal weiter bestehende – Ansinnen des Konzerns, ein genehmigtes Kapital von fast 50 Prozent des Grundkapitals zu schaffen, war Finanzkreisen zufolge im Vorfeld auf Ablehnung bei deutschen Vermögensverwaltern gestoßen. Damit geriet die nötige Mehrheit von 75 Prozent der Aktionärsstimmen in Gefahr.

Diese Versicherer sind systemrelevant
Aegon
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Insgesamt stuft der Financial Stability Board weltweit neun Versicherer als systemrelevant ein. Weil sich das FSB nicht dazu durchringen kann, auch Rückversicherer auf die Liste setzen, sucht man die Namen von Branchengiganten wie Warren Buffetts Berkshire Hathaway oder Munich Re vergeblich. Das Board führt die Liste ohne spezielle Reihenfolge, dementsprechend sind die Assekuradeure alphabetisch geordnet. Den Anfang macht die niederländische Aegon. 1983 gegründet, verwaltet der Konzern aus Den Haag 477 Milliarden Dollar an Vermögen. (Quelle: Financial Stability Forum)

Allianz
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Die Allianz mit Hauptsitz in München ist der einzige deutsche Versicherungskonzern, den das Financial Stability Board als systemrelevant einstuft. Und das aus gutem Grund: Mit einem verwalteten Vermögen von 928 Milliarden US-Dollar ist der 1890 gegründete Konzern in mehr als 70 Ländern der Welt vertreten – und ist damit der zweitgrößte Versicherer Europas.

AIG
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Die American International Group (AIG) wurde 1919 gegründet, hat ihren Sitz in New York und beschäftigt weltweit rund 66.000 Mitarbeiter. Aktien der AIG notieren an der NYSE in der Wall Street und in Tokio. Die Amerikaner managen 514 Milliarden Dollar.

Aviva
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Gleich mehrere britische Konzerne gelten laut FSB als systemrelevant: Aviva, die bis 2002 noch CGNU hießen, gehören zu den fünf größten Erstversicherern der Welt. Aviva verfügt über ein Gesamtvermögen von 574 Milliarden Dollar und beschäftigt etwa 30.000 Mitarbeiter weltweit.

Axa
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Die Axa-Gruppe mit Sitz in Paris ist mit 166.000 Mitarbeitern in 64 Ländern der Welt vertreten und knackt mit einem Gesamtvermögen von 1022 Milliarden Dollar die Billionen-Schallmauer. Axa hat mehr als 100 Millionen Kunden und gilt als größter Versicherungskonzern der Welt.

MetLife
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Der US-amerikanische Konzern Metropolitan Life Insurance Company, besser bekannt als MetLife, ist der größte Anbieter von Lebensversicherungen in den USA. Das Unternehmen wurde 1868 gegründet und beschäftigt etwa 70.000 Mitarbeiter. Laut aktuellem Quartalbericht kommen die New Yorker auf 952 Milliarden Dollar unter ihren Fittichen.

Ping An Insurance
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Der chinesische Ping An Insurance ist der einzige als systemrelevant erachtete asiatische Versicherer. Ping An wurde 1988 gegründet und ist Hong Kong und Shanghai gelistet. Zu der Holding gehören verschiedene Unternehmen aus dem Dienstleistungssektor. Die Chinesen verzeichnen ein erfolgreiches Jahr mit starkem Wachstum, gemanagt werden knapp 690 Milliarden Dollar.

„Wir hoffen, damit die Bedenken von Investoren auszuräumen“, sagte eine Sprecherin der Münchener Rück. Ähnlicher Widerstand droht in den nächsten Wochen auch anderen. Denn Fondsgesellschaften wie die Deka, die Deutsche Asset Management (DeAM) mit ihren DWS-Fonds und Allianz Global Investors legen offenbar eine härtere Gangart ein, was die üblichen großzügigen Vorratsbeschlüsse für Kapitalerhöhungen betrifft, die sich börsennotierte Unternehmen in der Regel einräumen lassen.

Die Fonds wollen damit in Zukunft verhindern, dass Konzerne große Übernahmen in die Wege leiten können, ohne dass die Aktionäre ein Mitspracherecht haben. Bei Bayer/Monsanto und Linde/Praxair hatte genau dieser Fall für Unmut gesorgt. Bei Übernahmen hatte sich die Münchener Rück in den vergangenen Jahren unter Verweis auf die hohen Preise zurückgehalten und stattdessen jedes Jahr eigene Aktien im Milliardenvolumen zurückgekauft. Das könnte sich nun ändern.

Der Streit drohte den Stabwechsel zu überschatten, den die Münchener Rück auf der Hauptversammlung inszenieren will. Vorstandschef Nikolaus von Bomhard wird nach 13 Jahren an der Spitze des Rückversicherers vom zuvor für die Lebens-Rückversicherung zuständigen Joachim Wenning abgelöst.

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