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Rückversicherer Warum die Munich Re mit hohem Gewinn überrascht

Munich Re erwirtschaftet im zweiten Quartal einen Milliardengewinn. Für das Gesamtjahr bleibt der Rückversicherer jedoch vorsichtig – mit gutem Grund.
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Das Analysehaus RBC stufte das Kursziel für den Versicherer von 235 auf 240 Euro hoch und beließ die Einstufung auf „Outperform“. Quelle: dpa
Munich Re

Das Analysehaus RBC stufte das Kursziel für den Versicherer von 235 auf 240 Euro hoch und beließ die Einstufung auf „Outperform“.

(Foto: dpa)

München Einmal abwärts – und dann wieder kräftig hinauf. Der weltgrößte Rückversicherer Munich Re bleibt dieses Jahr für Überraschungen gut. Im ersten Quartal hatte der Dax-30-Konzern noch einen deutlichen Ergebniseinbruch gegenüber dem Vorjahresquartal ausgewiesen. Drei Monate später sorgt der Gigant aus der Königinstraße in München nun umgekehrt für Erstaunen.

Die Zahlen für das zweite Jahresviertel liegen so deutlich über den Erwartungen, dass Konzernchef Joachim Wenning und sein Managementteam entschieden, die wichtigste Nachricht bereits vor der am 7. August geplanten Veröffentlichung der Quartalszahlen zu veröffentlichen: Der Rückversicherer hat demnach im zweiten Quartal einen Milliardengewinn erwirtschaftet.

Es zeichne sich ein Nettoergebnis von rund einer Milliarde Euro ab, teilte der Dax-Konzern am Donnerstagabend in München mit. Der Grund dafür ist allerdings der Gleiche, der bereits im ersten Quartal das Ergebnis in die andere Richtung trieb: die Höhe der Belastungen aus Großschäden und Naturkatastrophen.

Zum Jahresstart hatten Schadenbelastungen von insgesamt 479 Millionen Euro den Quartalsgewinn noch um ein Viertel einbrechen lassen. Von April bis Juni sorgten nun vor allem eine geringe Belastung aus Großschäden und hohe Auflösungen von Reserven für Basisschäden aus Altjahren in der Rückversicherung für einen unerwarteten Gewinnsprung. Analysten hatten nach einer Erhebung der Münchener Rück im Schnitt nur mit 620 Millionen Euro Gewinn im Quartal gerechnet.

Laien mögen sich angesichts dieser Sprünge verwundert die Augen reiben. Für Kenner sind sie jedoch in der Rückversicherung, bei der sich viele Erstversicherer gegen Großschäden und Katastrophen absichern, nicht ungewöhnlich. Denn die Natur lässt sich nur schwer ausrechnen.

So verhageln immer wieder schwere Stürme wie zuletzt die Hurrikan-Saison im Jahr 2017 den Konzernen die Bilanz. Allerdings war auch damals die erste Hälfte des Jahres für die Branche ruhig verlaufen, ehe eine Serie von Wirbelstürmen und Erdbeben vielen Versicherern und Rückversicherern operativ in die roten Zahlen trieb.

Schäden in der ersten Jahreshälfte meist geringer

Entsprechend vorsichtig gibt sich das Munich-Re-Management nun. Im ersten Halbjahr summierte sich der Gewinn des Konzerns zwar nunmehr bereits auf rund 1,6 Milliarden Euro. Die bisherige Prognose für das Gesamtjahr von rund 2,5 Milliarden Euro will der Vorstand trotzdem nicht in die Höhe schrauben. Schließlich sei ungewiss, wie sich die Großschäden und die Kapitalmärkte im zweiten Halbjahr entwickelten.

Tatsächlich sollten sich Investoren nicht vom guten Quartalsergebnis blenden lassen. Denn es ist typisch, dass die Schäden in der ersten Jahreshälfte geringer ausfallen, da die schweren tropischen Stürme wetterbedingt erst in der zweiten Jahreshälfte auftreten. So dient das erste Halbjahr in der Branche generell dazu, sich ein finanzielles Polster anzulegen, ehe dann im Herbst Wirbelstürme und Großfeuer häufig das Ergebnis belasten.

Die Hurrikan-Saison in den USA beginnt zumeist erst im September. Ein erster Tropensturm an der Südküste hatte die Versicherungsbranche kürzlich bereits 300 Millionen Dollar gekostet. Der Absturz einer „Vega“-Rakete der Airbus-Tochter Ariane mit einem Militärsatelliten an Bord könnte nach Branchenschätzungen mit 400 Millionen Dollar zudem der größte Raumfahrtschaden für die Rückversicherer werden. Die Munich Re hatte die Rakete als Teil eines Konsortiums mitversichert. Die Pfingst-Unwetter in Deutschland fallen bei dem weltgrößten Rückversicherer dagegen wohl kaum ins Gewicht.

Doch nach dem guten zweiten Quartal darf Finanzchef Christoph Jurecka sich bestätigt fühlen. „Wir sind vollständig auf dem Pfad, das in Aussicht gestellte Jahresergebnis zu liefern“, hatte der Finanzchef bereits Anfang Mai angesichts der Zahlen für das erste Quartal als Marschrichtung ausgegeben. Von Januar bis März war jedoch das Nettoergebnis um 23,5 Prozent auf 633 Millionen Euro eingebrochen.

Nun dürfte der schlanke Brillenträger, der seit Anfang des Jahres der neue oberste Herr der Zahlen in München ist, etwas entspannter auf seine Prognose blicken. Die Analysten sind zumindest angetan.

Das Analysehaus RBC stufte das Kursziel für Munich Re von 235 auf 240 Euro hoch und beließ die Einstufung auf „Outperform“. Unter den europäischen Rückversicherern sei Munich Re der Favorit, schrieb Analyst Kamran Hossain in einer am Freitag vorgelegten Branchenstudie. Die Bilanz sei stark und der Ausblick für das Gewinnwachstum bis 2020 erscheine glaubhaft.

Auch die britische Investmentbank Barclays erhöhte das Kursziel für Munich Re nach den Zahlen von 236 auf 237 Euro und beließ die Einstufung auf „Overweight“. Der Gewinn des Rückversicherers habe im zweiten Quartal seine Erwartung deutlich übertroffen, schrieb Analyst Ivan Bokhmat in einer am Freitag veröffentlichten Studie. Jurecka wird das wohl gerne hören.

Mehr: Schon seit einer Weile plant die Munich Re, ihr Ergebnis weiter zu steigern. Lesen Sie hier einen Bilanzcheck.

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