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Rückzug aus den USA ausgeschlossen Deutsche Börse sucht neue Allianzen

Die Deutsche Börse steht nach der gescheiterten Fusion mit der Londoner Börse in Kooperationsverhandlungen mit der Schweizer Börse. Interimschef Mathias Hlubek bestätigte dem Handelsblatt: „Wir stehen in engem Kontakt mit unserem Partner SWX".
  • R. Benders (R. Landgraf und C. Potthoff)

FRANKFURT/M. Die Deutsche Börse steht nach der gescheiterten Fusion mit der Londoner Börse (LSE) in Kooperationsverhandlungen mit der Schweizer Börse (SWX). „Wir sind derzeit auf der Suche nach Möglichkeiten, die bestehende erfolgreiche Zusammenarbeit mit der SWX auf andere Gebiete – etwa den Kassamarkt – zu erweitern. Wir stehen in engem Kontakt mit unserem Partner SWX“, sagte Mathias Hlubek, Interimschef und Finanzvorstand der Deutschen Börse dazu dem Handelsblatt. Hlubek, dessen Vertrag als Finanzvorstand kürzlich bis 2010 verlängert wurde, führt seit dem Ausscheiden von Börsenchef Werner Seifert kommissarisch den Konzern.

Details zu den SWX-Gesprächen nannte Hlubek nicht. Er machte aber deutlich, dass es nicht um eine vollständige Zusammenlegung des Aktienhandels gehe. Noch unter Seifert war 2004 eine Übernahme der SWX am Widerstand der Schweizer Banken gescheitert, nun versucht der Frankfurter Konzern eine neue Annäherung. Bislang betreiben beide Börsen gemeinsam den hoch profitablen, weltgrößten Terminmarkt Eurex. Allerdings kaufte die SWX vor einer Woche die Bremer Börse und könnte damit dem Partner Konkurrenz machen. Darin sehe er keinen gegen seinen Konzern gerichteten Akt, sagte Hlubek.

Sein Unternehmen wolle sich auch weiterhin „aktiv“ an der Konsolidierung der Börsenlandschaft in Europa beteiligen, sagte Hlubek. „Wir schließen kleinere Zukäufe nicht aus.“ Zu einer Fusion mit der Vierländerbörse Euronext äußerte sich Hlubek nicht. Das Projekt LSE liegt bei der Börse derzeit auf Eis. Nach dem Rückzug der Offerte im Frühjahr hatte sich das Management eine Hintertür offen gelassen. Bei einem Übernahmeangebot der französisch dominierten Euronext für die LSE will die Börse demnach ein Gegengebot prüfen. Kleinere Akquisitionen könnten nach Experteneinschätzung die Börsen Madrid, Mailand oder Warschau sein. Alle drei Börsenbetreiber bereiten ihren eigenen Sprung auf das Parkett vor, wodurch eine Übernahme weitaus einfacher würde.

Hlubek tritt mit seinen Äußerungen Spekulationen entgegen, die Börsenführung sei angesichts der jüngsten Revolte der eigenen Aktionäre handlungsunfähig. Ein in Deutschland bislang einzigartiger Aufstand der Börsenanteilseigner gegen die von Seifert versuchte Übernahme der LSE hatte im Frühjahr die Führungsspitze zum Rückzug gezwungen. Nachdem Seifert seinen Hut genommen hat und Aufsichtsratschef Rolf Breuer spätestens Ende 2005 abtreten wird, sucht der Konzern derzeit einen neuen Aufsichtsrats- und Vorstandschef.

Neben Personalveränderungen erzwangen die Aktionäre um den Hedge-Fonds TCI auch die Auszahlung der milliardenschweren Kriegskasse an die Anteilseigner durch Aktienrückkäufe. Der Aktienkurs ist seither um 20 Prozent gestiegen und springt von Rekordhoch zu Rekordhoch.

Es wird erwartet, dass die Deutsche Börse noch in dieser Woche Kurt Viermetz zum Aufsichtsratsmitglied ernennt. Der Investmentbanker soll Chef des Gremiums werden. Zu dieser Personalie äußerte sich Hlubek aber nicht. Zwischenzeitlich wurde spekuliert, TCI wolle den Börsenkonzern völlig zerlegen. Dem trat Hlubek entgegen: „Unser integriertes Geschäftsmodell bleibt unangetastet“, sagte er. Auch die von Beobachtern immer wieder ins Spiel gebrachte Abspaltung der Terminbörse Eurex ist nach Hlubeks Worten kein Thema. In der Vergangenheit war spekuliert worden, eine Platzierung von Teilen der Eurex am Aktienmarkt könnte dem Aktienkurs der Deutschen Börse einen Schub geben.

Vorbild dafür könnte die zuletzt erfolgreiche Platzierung der US-Derivatebörse ISE sein. Kleinere Konzernteile, deren Entwicklung bislang unbefriedigend verlief, stellt die Börse derzeit jedoch auf den Prüfstand. So wurde die IT-Tochter Entory vergangene Woche an BMW veräußert. Im Blickpunkt steht außerdem die US-Tochter der Eurex, mit der man den Terminbörsen in Chicago Marktanteile abjagen wollte. Hlubek räumte ein, Eurex US sei nicht so gut gelaufen wie erhofft. „Aber ich schließe aus, dass wir uns aus den USA, dem größten und attraktivsten Kapitalmarkt der Welt, zurückziehen. Wir prüfen verschiedene Optionen, wie wir uns in den USA positionieren wollen“, sagte er.

Für die Entwicklung der Börsenlandschaft in Europa erwartet er eine weitere Konsolidierung. Wenn auf der Kundenseite die Einheiten größer würden, sagte er mit Blick auf die Fusion von Hypo-Vereinsbank und Unicredito, müssten auch die Börsen größere Einheiten bilden. „Ich erwarte, dass der Prozess weniger durch spektakuläre Übernahmen als durch selektive Kooperationen geprägt sein wird“, sagte er.

Börse im Umbruch

13. Dezember 04: Die Deutsche Börse bietet rund zwei Milliarden Euro für die Londoner Börse (LSE).

15. Januar 05: Die LSE–Führung lehnt die Offerte ab.

17. Januar 05:Börsen-Aktionäre um die Hedge-Fonds TCI und Atticus kritisieren den LSE-Kaufplan.

25. Januar 05:Mit der US-Fondsgesellschaft Fidelity wendet sich ein weiterer wichtiger Aktionär gegen den LSE-Kauf.

6. März 05: Die Deutsche Börse zieht ihre Offerte zurück.

19. April 05: TCI-Chef Christopher Hohn fordert den Rücktritt von Börsenchef Werner Seifert.

10. Mai 05: Seifert gibt seinen Posten auf. Finanzvorstand Mathias Hlubek übernimmt die Funktion kommissarisch.

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