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R+V-Finanzchef Marc Michallet „Ein Crash ist wenig wahrscheinlich“

Der Finanzchef der R+V Versicherung über die Furcht vor einem Absturz der Aktienmärkte und die Investmentstrategie des Großinvestors.
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R+V-Finanzvorstand Marc Michalett spricht über die Investmentstrategie des Versicherers. Quelle: R+V PR
Marc Michallet

R+V-Finanzvorstand Marc Michalett spricht über die Investmentstrategie des Versicherers.

(Foto: R+V PR)

Seit 2015 ist Marc Michallet Herr der Zahlen der genossenschaftlichen R+V Versicherung. Mit dem Handelsblatt sprach der Vorstand für Finanzen und Kapitalanlage über die Investmentstrategie des Versicherers.

Herr Michallet, wann haben Sie das letzte Mal einen Blick auf Ihr privates Aktien-Portfolio geworfen?
Nun, das ist schon ein bisschen her. Vielleicht habe ich vergangene Woche das letzte Mal geschaut, wie die Papiere stehen.

Viele Investoren tun dies nun häufiger, denn die Märkte sind nervös. Denken Sie bei R+V über Ihre Aktienquote nach?
Wir denken ständig über unsere Aktienquote nach, aber wir folgen bei unserer Anlagestrategie nicht hektisch den Zuckungen der Dax-Kurve. Wir haben auf Konzernebene eine relativ hohe Aktienquote von rund acht Prozent – und an der halten wir auch fest. Wir sind ein überzeugter Investor in Aktien und wollen deren Anteil weiter leicht aufstocken um etwa einen halben Prozentpunkt in diesem Jahr. Wir gehen allerdings bei dieser Aufstockung jetzt etwas langsamer vor, als wir das noch Anfang des Jahres gedacht hätten.

Wie groß ist die Gefahr, dass wir dieses Jahr einen Finanzcrash erleben werden?
Wenn Sie einen Crash mit einem Rückgang von bis zu 20 Prozent definieren, dann gehört das selbstverständlich zu den Möglichkeiten, auf die sie sich als Großinvestor einstellen müssen. Ich halte einen Crash in diesem Jahr aber für eher unwahrscheinlich. Die Fundamentaldaten sehen nämlich ganz gut aus. Wir haben allerdings einige politische Faktoren, die den Markt unvorhergesehen bewegen können. Ich sage mal: Trump, Brexit, Zinspolitik im Euro-Raum – da ist die Prognostizierbarkeit extrem schwer. Insofern kann ich nicht komplett ausschließen, dass es noch einmal zu einer heftigen Korrektur kommt, wenn die Dinge unglücklich laufen.

Die Allianz setzt nun stark auf alternative Anlageformen wie Private Equity. Was sind Ihre Pläne auf diesem Feld?
Nun, das ist schon mal eine Frage, wie Sie alternative Investments definieren. Ein großer Wettbewerber zählt beispielsweise Realrechtsdarlehen dazu. Wenn wir das auch tun, dann liegen wir bei den alternativen Anlagen schon bei 23 Prozent und haben darin auch schon eine lange Tradition. Private Equity in der Spielart Infrastruktur betreiben wir beispielsweise seit vielen Jahren – und auch das wollen wir ausbauen und weiten dies auch bereits über diesen Bereich hinaus aus. Und letztlich investieren wir aktiv in den Bereich Kredite. Da fallen Dinge hinein wie Infrastruktur- oder auch Flugzeugfinanzierungen. Das sind ebenfalls Sektoren, die wir für attraktiv halten.

Der Markt für alternative Anlagen wird derzeit mit Geld überschüttet. Steigen die Versicherer zu spät ein?
So eine Gefahr besteht natürlich immer ein stückweit. Wir haben uns deshalb entschieden, nicht einfach in bestehende Fondsstrukturen zu investieren, die uns von Dritten gezeigt werden. Denn da würde ich die Gefahr eher sehen. Diese Fonds sammeln Geld von Dritten ein und stehen dann unter Druck, dieses Geld auch zügig anzulegen. Wir machen es anders. Wir haben unser eigenes Vehikel aufgesetzt und gehen zum Beispiel bei dem Thema Infrastrukturfinanzierungen in Kooperationsvereinbarungen – und lassen uns dabei eine hohe Transparenz garantieren. Wir können hier das Tempo selbst bestimmen und investieren nur, wenn die Banken einen Teil des Investments auf der eigenen Bilanz behalten. Das halte ich für wichtig, um die Kontrolle zu behalten und nicht in der Informationskette benachteiligt zu werden.

Nach den USA zeichnet sich auch in Europa allmählich eine Zinswende ab. Was bedeutet das für Ihr Portfolio?
Es ist aus meiner Sicht zwingend, dass wir auf Änderungen beim Zinstrend reagieren. Natürlich werden wir uns laufend anschauen, ob wir dafür richtig aufgestellt sind. Die Frage ist allerdings, wie stark muss man reagieren? Nehmen wir die Schwellenländer, die derzeit unter vielen Faktoren leiden, aber in erster Linie unter dem Zinsanstieg beim Dollar. Man muss sich dann beizeiten fragen, ob die Aufstellung in diesem Teilportfolio noch okay ist. Wir haben in unserem Portfolio bereits vor einiger Zeit das Risiko reduziert, indem wir es stärker auf europäische Schwellenländer konzentriert haben. Auch italienische Staatsanleihen sind in unserem Portfolio seit Langem untergewichtet.

Herr Michallet, danke für das Gespräch.

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